BVB-Transferziel Mario Mandzukic von Juventus Turin: "Position: alle"

Von Johannes Wiest
Donnerstag, 19.07.2018 | 08:23 Uhr
Mario Mandzukic wurde mit Kroatien Vize-Weltmeister.
© getty

Seine Auftritte für Kroatien bei der WM 2018 in Russland zeigten, weshalb Mario Mandzukic von Juventus Turin kaum einmal im selben Atemzug genannt wird wie seine Stürmerkollegen Neymar, Robert Lewandowski oder Romelu Lukaku. Doch eigentlich ist das falsch.

Er blieb stehen. Während sich die französischen Spieler jubelnd in den Armen lagen, schritt er zu seinen Mitspielern in den karierten Trikots. Ausgerechnet der Mann, der mit seinem Eigentor die Niederlage im WM-Finale gegen die Equipe Tricolore einläutete, half den kroatischen Akteuren auf, sprach ihnen Mut zu.

Und lebte den Spruch, der auf seinem Tattoo am Rücken prangt: "Was dich nicht umbringt, macht dich stärker."

Mandzukic: "Ein aggressiver Gorilla, der nie umfällt"

In den 90 Minuten zuvor wirkte Mario Mandzukic wie so oft bei der vergangenen Weltmeisterschaft auf den ersten Blick nicht besonders auffällig. Schnelle Dribblings bringt er nicht zustande. Auch im technischen Bereich zeigen sich Defizite - wie übrigens auch beim Tattoo, das in hebräischer Sprache grammatikalisch falsch geschrieben ist. Es sind eher seine Mitspieler, die auffallen: allen voran Luka Modric, der Spieler des Turniers.

Dennoch ist Mandzukic einer der wichtigsten Akteure in der kroatischen Nationalelf. "Wir müssen alle wie Mandzukic sein. Er ist ein aggressiver Gorilla, der nie umfällt", gab Gianluigi Buffon die Marschroute für Juventus Turin im vergangenen Jahr vor.

Kaum ein Akteur zeigt so viel Einsatz auf dem Platz wie der Kroate, kaum jemand lebt den Siegeswillen so vor. Wie beim WM-Finale, als er beim Stand von 1:4 im Sprint Keeper Hugo Lloris zu einem Fehler zwang und der Nation wieder Hoffnung gab. Oder wie im Halbfinale, als er Kroatien in der Verlängerung ins Endspiel schoss.

Mario Mandzukic: Leistungsdaten bei Kroatien

WettbewerbSpieleToreAssists
WM-Qualifikation31105
Freundschaftssspiele25111
EM-Qualifikation1942
Weltmeisterschaft851
Europameisterschaft63-

Vorbild für Mitspieler, Albtraum für Gegner

"Mario ist unser erster Abwehrspieler", sagte Zlatko Dalic über seine Spielweise. Die Ein-Mann-Pressingmaschine ist dafür bekannt, es den gegnerischen Verteidigern mit seiner Hartnäckigkeit schwer zu machen, aber auch defensiv viel mitzuhelfen. Er macht die Wege, die die meisten anderen Topstürmer nicht machen.

Eine Qualität, die auch die Fans von Juventus zu schätzen lernten: Im April änderte sich bei Mandzukics italienischem Wikipedia-Eintrag die Position kurzzeitig von Stürmer auf "alle", da er überall auf dem Platz zu finden ist.

"Er ist ein Spieler, auf den du dich verlassen kannst. Das ist wichtig im Topfußball, wenn du was erreichen willst", sagt mit Arjen Robben ein ehemaliger Mitspieler, der mit dem Stürmer in München den Champions-League-Titel holte. Er sei jemand, "den du immer in deiner Mannschaft haben willst, nicht gegen dich."

Mandzukic in einer Reihe mit Puskas, Müller und Zidane

Wie unbequem er zu bespielen ist, zeigte sich auch in seinem Zweikampfverhalten in Russland. In seinen sechs WM-Spielen wurde Mandzukic elf Mal gefoult, 13 Fouls beging er selbst. "Ich bin bereit, Schläge einzustecken und ich bin bereit, Schläge zurückzugeben", erklärte der Stürmer vor vier Jahren. Mandzukic geht dahin, wo es weh tut - und tut selbst weh.

Bei all dem Fleiß ist Mandzukic auch vor dem Tor und mit seiner Kopfballstärke bei Standards stets brandgefährlich. Nach den Legenden Ferenc Puskas, Zoltan Czibor, Gerd Müller und Zinedine Zidane ist er erst der fünfte Spieler, der bei einem WM-Finale und in einem Endspiel eines europäischen Wettbewerbs traf.

Mandzukic-Abgang wegen Ronaldo-Transfer?

Sein Einsatz für die Mannschaft machte Mandzukic auch für Juventus Turin zu einer wichtigen Stütze. Massimiliano Allegri stellte sein System unter anderem deswegen um, damit er den Kroaten auf den Platz bringen kann. Mandzukic musste deswegen in der abgelaufenen Saison meist als Linksaußen ran. Eine Position, die nun aber unter anderem auch für Neuzugang Cristiano Ronaldo prädestiniert wäre.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mandzukic trotz starker Leistungen ein anderer Topstürmer vor die Nase gesetzt wird. 2013 erzielte er im CL-Finale für den FC Bayern das 1:0 gegen den BVB, dennoch wurde anschließend Robert Lewandowski verpflichtet. Im Gegensatz zum Polen liefert Mandzukic in den großen Spielen meist ab, traf beispielsweise auch im Endspiel der Königsklasse 2017 oder eben in den wichtigen WM-Spielen.

"Ich habe nie verstanden, warum Bayern ihn abgegeben hat. Mandzukic gehört für mich zu den drei besten Stürmern der Welt", schrieb deshalb Stefan Effenberg bei T-Online. "Den würde ich zehnmal lieber nehmen als einen Neymar." Auch Atletico Madrid holte mit Fernando Torres einen namhaften Stürmer, der sich damals aber vorerst hinter Mandzukic anstellen musste.

Mario Mandzukic: Leistungsdaten der Saison 2017/18

WettbewerbSpieleToreAssists
Serie A3253
Coppa Italia411
Champions League64-
Supercoppa1--

BVB offenbar an Mandzukic dran

Durch das Überangebot im Angriff gilt ein Abgang eines Offensivstars bei Juve als wahrscheinlich. Davon will nun der BVB profitieren: Übereinstimmenden Medienberichten zufolge möchte der Verein den Kroaten als Nachfolger von Michy Batshuayi verpflichten.

Die Beweggründe liegen auf der Hand: Mandzukic gilt mit seiner aggressiven Spielweise als Leader, obwohl er neben dem Platz eher ruhig auftritt. "Wenn ich so viel renne, wie ich kann, sehen auch sie mich und können mehr geben. Darin kann ich ein Leader für die Mannschaft sein", sagt er. Während andere für das Spektakel sorgen, steht Mandzukic für die Arbeit.

Bereits 2014 war Mandzukic in Dortmund im Tausch für Robert Lewandowski im Gespräch, doch Jürgen Klopp soll damals einen Transfer abgelehnt haben. Leicht wird es der BVB nicht haben. Allegri gilt als großer Fan des Kroaten, Juve soll ein erstes Angebot abgelehnt haben. In diesen Tagen will sich Mandzukic mit den Turiner Verantwortlichen treffen, um über seine Zukunft zu entscheiden.

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