PSG - Gianluigi Buffon bei Paris Saint-Germain: Neymars Leader?

Von Julian Alexander Fischer
Freitag, 27.07.2018 | 08:54 Uhr
Gianluigi Buffon soll PSG zum Champions-League-Titel führen.
© getty

Gianluigi Buffon spielt nach 17 Jahren nicht mehr für Juventus Turin, sondern läuft mittlerweile im Trikot von Paris Saint-Germain auf. Der Wechsel einer Vereinslegende kurz vor dem Karriereende kann fragwürdig wirken. Dabei ergibt der Transfer für beide Seiten auf mehreren Ebenen Sinn. Vor dem Spiel von PSG gegen den FC Arsenal (Sa., 13.35 Uhr LIVE auf DAZN und im LIVETICKER) wirft SPOX einen Blick auf die Situation von Buffon.

Als Gianluigi Buffon im Mai mit Tränen in den Augen seine Ehrenrunde durch das Turiner Allianz Stadium drehte und sich von den Tifosi verabschiedete, schien die Szene wie gemacht für ein perfektes Karriereende. Nach 17 Jahren bei Juventus gewann er in seiner letzten Saison noch einmal das Double - mit der siebten Meisterschaft und dem vierten Pokalsieg in Folge.

Doch auch wenn Buffon mit Juve nach dem Zwangsabstieg in die Serie B 2006 wieder zur dominanten Mannschaft des Landes geworden ist, fehlt ihm zum Abschluss seiner Karriere dennoch eines: die Krönung als Champions-League-Sieger. Wohl nur deshalb folgte jetzt der Wechsel zu Paris Saint-Germain. Dem Klub, der seit Jahren versucht, das gleiche Ziel mit enormen Ausgaben zu erreichen.

Dieser fehlende Titel motiviert Buffon auch mit 40 Jahren noch: "Um die alltägliche Routine zu bewältigen, braucht man ein übergeordnetes Ziel, das einen antreibt. Ich habe viel gewonnen, aber nicht alles."

Gianluigi Buffon: "Ich fühle mich wie 33 oder 34"

Im Gegensatz zu Buffon, der in den letzten vier Jahren zweimal im Finale stand, kam PSG nie in die Nähe des Triumphes. Die Mission ist nun klar: Spieler und Verein erhoffen sich voneinander die entscheidende Verbesserung auf dem gemeinsamen Weg zum Titel.

Sein Alter sollte dabei kein Problem darstellen. Buffon hat in den vergangenen Saisons gezeigt, dass er immer noch zu den besten seines Fachs gehört. Er zeigte kaum Schwächen und war vor allem 2017 ein entscheidender Faktor für Juves Finaleinzug in der Königsklasse.

Zudem fühle er sich selbst noch fit: "Mir geht's gut, physisch und mental, ich fühle mich wie, sagen wir, 33 oder 34. Ich bin Torwart und nicht Stürmer, ich muss nicht rennen." An seiner Form und seinen Fähigkeiten gibt es bei PSG keinen Zweifel. Seine Rolle im Pariser Kader ist allerdings noch nicht ganz klar.

Gianluigi Buffon oder Alphonse Areola: Wer hütet das PSG-Tor?

Fest steht wohl, dass Buffon nicht alle Spiele im Pariser Tor bestreiten wird, schließlich hat der Verein mit Eigengewächs Alphonse Areola einen talentierten Torwart, der langfristig wohl auch Hugo Lloris im Tor der französischen Nationalmannschaft ablösen wird. Zudem gab Vereinspräsident Nasser al-Khelaifi ihm zuletzt eine Stammplatzgarantie.

Aber auch Areola wird sicher nicht jede Partie bestreiten dürfen, ganz ohne Spielpraxis hätte Buffon dem Deal nämlich auch nicht zugestimmt. Zwar erklärte Buffon, sich nicht nach vorn drängen zu wollen, sagte aber auch: "Wo immer ich hinkam, habe ich mir die Nummer 1 erobert."

Gianluigi Buffons Charakter für Paris Saint-Germain wichtig

Noch wichtiger als Buffons Fähigkeiten auf dem Platz scheint aber dessen Persönlichkeit für den Verein zu sein. Schließlich bringt Buffon das mit, was dem heterogenen Starensemble bisher fehlt: Eine gewisse Siegermentalität, einen unbedingten Willen und ein mustergültiges Beispiel für Leidenschaft, Integrität. Er ist ein geborener Leader mit Präsenz und Führungsstärke, auf den die Mitspieler hören und der sich durch sein Auftreten großen Respekt im Fußball verschafft hat.

Das fehlte dem nun von Thomas Tuchel trainierten Verein zuletzt. Trotz zweifellos herausragender Fähigkeiten der Einzelspieler wirkte die Pariser Mannschaft in der vergangenen Saison selten wie eine Einheit. Zu viele Spieler waren auf eigene Interessen bedacht, es war zu wenig Platz für zu viele Egos. Es gab keinen Anführer wie Buffon.

Auch Neymar, der zwar unlängst seinen Verbleib in Frankreich bestätigte, scheint die Neuverpflichtung zu begrüßen: "Es ist eine Ehre, die Kabine jetzt mit einem Riesen-Torwart wie Buffon zu teilen, er kann uns dank seiner Erfahrung sehr helfen."

Buffon könnte zudem ein wenig Druck von dem Brasilianer nehmen. Schließlich wurde dieser aufgrund seiner fußballerischen Fähigkeiten und der Ablöse von 222 Millionen Euro von außen als Anführer der Pariser Startruppe bestimmt. Er ist allerdings vielmehr ein Künstler, der seine Freiräume braucht, ein Team aber nicht unbedingt ziehen kann. Das könnte nun Buffon übernehmen.

Gianluigi Buffon als Prestigeobjekt von PSG-Boss al-Khelaifi

Dass Buffons Charakter bei der Verpflichtung eine wichtige Rolle spielte, machte al-Khelaifi unmissverständlich klar: "Seine unvergleichliche Karriere macht ihn ebenso wie seine elegante, vereinnahmende Persönlichkeit zu Recht zu einem der meistbewunderten und respektierten Fußballer der Welt."

Ohnehin ist Buffons Verpflichtung ein Prestigeprojekt des Klubbosses, bei dem Neu-Trainer Tuchel wohl wenig Mitspracherecht hatte. Buffon soll al-Khelaifi und der katarischen Herrscherfamilie zudem noch auf andere Weise nützlich sein. Nach seinem Einjahresvertrag mit Option auf eine weitere Saison folgt wohl ein neuer Vertrag - als Botschafter für die WM 2022 in Katar.

Gianluigi Buffon bei PSG: "Bloß kein Finale gegen Juve"

Vorher soll aber noch der Champions-League-Titel her, denn das ist das vordergründige Ziel dieser Zweckehe. Dem ist sich auch al-Khelaifi bewusst: "Er hat Paris ausgewählt, um mehr Titel zu gewinnen." Auch der Gewinn des nationalen Doubles ist ein Ziel beider Seiten, wie Buffon erklärt: "Wenn man zu Beginn einer Saison die Ziele auf den Gewinn der Champions League beschränken würde, wäre man ein totaler Idiot."

Ein Erfolg dürfte sein Engagement in Paris aber wohl nur mit einem Henkelpott werden. Die Chancen von PSG haben sich mit der Buffon-Verpflichtung wohl gesteigert. Ironischerweise hat allerdings auch Juve dank der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo so gute Chancen wie lange nicht mehr.

Was würde bei einem Aufeinandertreffen der beiden Teams passieren? "Das Leben kann einem schon seltsame Streiche spielen, aber ich hoffe doch, dass mir das erspart bleibt. Also bloß kein Finale gegen Juventus, es würde mir wehtun, zu verlieren, aber auch, zu gewinnen. Vorher, das wäre kein Problem. Im Finale bitte nicht."

Es wäre tatsächlich ein Streich des Schicksals, wenn Juve und PSG ausgerechnet während Buffons PSG-Jahr das erst Mal seit 1993 wieder im Europapokal aufeinander treffen sollten.

Gianluigi Buffons Einsätze für Juventus Turin

WettbewerbSpieleGegentore
Serie A472358
Champions League111107
Serie B3721
Coppa Italia1510
Europa League95
Supercoppa Italia810
Champions-League-Qualifikation43
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