Dienstag, 27.01.2015

Alexandre Lacazette im Porträt

Der 182-Millionen-Euro-Mann

Nicht Zlatan Ibrahimovic, nicht Edson Cavani, nicht Andre-Pierre Gignac - der beste Torschütze der Ligue 1 ist derzeit Alexandre Lacazette. Der Stürmer trifft in Frankreich wie seit fast 40 Jahren keiner mehr. Schon früh wird er zur großen Hoffnung, doch erst jetzt schaffte der Franzose von Olympique Lyon den Durchbruch. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte dabei Thierry Henry.

Alexandre Lacazette führt mit großem Abstand die Torjägerliste der Ligue 1 an
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Alexandre Lacazette führt mit großem Abstand die Torjägerliste der Ligue 1 an

Wie heißt er noch gleich? Dieser Waliser? Der für 91 Millionen Euro als zweitteuerste Spieler aller Zeiten wechselte. Der im letzten Champions-League-Finale in der Verlängerung das 2:1 geschossen hat. Wie dem auch sei: Kann man ja mal vergessen.

Zumindest wenn man Jean-Michel Aulas heißt und der Präsident von Olympique Lyon ist. Aulas verschwendet keinen Gedanken an Gareth Bale. Warum auch? Er wähnt den stärkeren Bale ohnehin in seinen Reihen: "Ich glaube, Alexandre ist viel besser", sagte er vor kurzem über den Durchstarter des französischen Fußballs, Alexandre Lacazette.

Viel besser als Gareth Bale? Es ist anzunehmen, dass Aulas Frage "Wie war der Name dieses Walisers von Real Madrid?" ein wenig Ironie in sich trug. Dass Alexandre Lacazette weit über Bale steht, ist schließlich eine mutige These. Aber dass er ein Großer seiner Zunft werden könnte, wirkt gar nicht so abwegig.

Es reicht ein Blick auf die aktuelle Torschützenliste der Ligue 1, um zu erahnen, warum besagter Lacazette eine derartige Lobeshymne bei seinem Boss auslöst. Mit 21 Toren führt er das Ranking an. Zum Vergleich: Der zweitplatzierte Andre-Pierre Gignac folgt mit 13 Toren, Superstar Zlatan Ibrahimovic (neun Tore) liegt abgeschlagen dahinter.

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Zum Hoffnungsträger auserkoren

Europaweit haben nur Christiano Ronaldo (28 Tore) und Lionel Messi (ebenfalls 21 Tore) eine so starke Torquote wie der Franzose. Seine Treffsicherheit ist herausregend: Seit Winter 1978 und Carlos Bianchi hat kein Spieler in Frankreich mehr eine derartige Torausbeute an den Tag gelegt. Doch woher kommt der wundersame Aufstieg des Alexandre Lacazette?

Besonders stolz ist man bei Olympique Lyon, dass der 23-Jährige ein Eigengewächs ist. Lacazette, der 1998 bei ELCS Lyon seine ersten Schritte machte, kam 2003 in die Jugendabteilung der Lyonnais. Sieben Jahre später rückte der 1,75 Meter große Stürmer in den Profikader auf.

Dass der Rechtsfuß Potential und Talent mitbringt, blieb auch dem französischem Verband nicht verborgen. Seit der U18 durchlief er sämtliche Jugendmannschaften der Equipe Tricolore.

Bei der U19-EM 2010 machte erstmals landesweit auf sich aufmerksam, als er mit drei Toren in fünf Spielen und dem Siegtreffer im Finale gegen Spanien zum umjubelten Helden wurde - und zum neuen großen Hoffnungsträger einer ganzen Fußballnation auserkoren wurde.

Doch wie es bei jungen Spielern oft der Fall ist, kann der Weg zum endgültigen Durchbruch nicht so schnell gehen, wie das öffentliche Interesse wieder abnimmt.

Henry? "Kann man nicht ignorieren"

Ähnlich verlief es auch beim gebürtigen Lyonnais. Zwar war er schon bald Teil von Lyon Startelf, doch regelmäßiges Toreschießen gehörte zunächst nicht zu seinem Repertoire. Erschwerend kam hinzu, dass Lacazette aufgrund seiner Schnelligkeit auf dem Flügel eingesetzt wurde. Der Durchbruch erfolgte erst anderswo.

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Entscheidenden Anteil daran darf sich Ex-Trainer Remi Garde zuschreiben, der ihn vom Flügel ins Sturmzentrum beorderte. 15 Mal ließ es Lacazette daraufhin in der vergangenen Saison im Kasten der Gegner klingeln. "Er ist schnell, dribbelstark und hat eine gute Technik", sagt der ehemalige französische Nationalspieler Robert Pires über Lacazettes Stärken. In einer Hinsicht hat sich seit letzter Saison aber entscheidend verbessert: "Jetzt schießt er auch noch viele Tore", so Pires.

Einerseits hängt das natürlich mit dem Positionswechsel ins Zentrum zusammen. Andererseits berichtet der Stürmer auch von einem inspirierenden Treffen im Sommer 2013, das seiner Leistung zum Aufschwung verholfen habe. Als Olympique in der Saisonvorbereitung in New York Halt machte, traf er auf den besten Torschützen in der Geschichte des französischen Fußballs: Thierry Henry.

"Thierry hat mir gesagt, dass ich mich und mein Spiel immer selbst hinterfragen soll, weil das etwas ist, was man als junger Spieler gerne vergisst", erzählte Lacazette dem "Le Parisien". "Das hat mich geprägt. Wenn ein Thierry Henry das zu dir sagt, dann kannst du das nicht ignorieren."

Immer weiter verbessern

Mit 21 Toren in 22 Ligaspielen hat sich Lacazette die Worte Henrys mehr als nur zu Herzen genommen. "In meinen Augen ist er der Stürmer, der sich in den letzten beiden Jahren am meisten verbessert hat", sagte Ex-Bayer Jean-Pierre Papin in der "L'Equipe". Dass diese Entwicklung nicht von alleine kommen kann, liegt auf der Hand. Neben Geduld und harter Arbeit hat auch ein Sinneswandel zu seinem Aufstieg beigetragen.

Die Top-Torjäger der Ligue-1-Saison 2014/15
Rang 1: Alexandre Lacazette von Olympique Lyon (27 Tore)
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Rang 1: Alexandre Lacazette von Olympique Lyon (27 Tore)
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Rang 2: Andre-Pierre Gignac von Olympique Marseille (21 Tore)
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Rang 2: Andre-Pierre Gignac von Olympique Marseille (21 Tore)
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Rang 3: Zlatan Ibrahimovic von Paris Saint-Germain (19 Tore)
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Rang 3: Zlatan Ibrahimovic von Paris Saint-Germain (19 Tore)
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Rang 4: Edinson Cavani von Paris Saint-Germain (18 Tore)
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Rang 4: Edinson Cavani von Paris Saint-Germain (18 Tore)
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Rang 5: u.a. Claudio Beauvue von EA Guingamp (17 Tore)
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Rang 5: u.a. Claudio Beauvue von EA Guingamp (17 Tore)
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Rang 5: u.a. Max Gradel von AS St. Etienne (17 Tore)
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Rang 5: u.a. Max Gradel von AS St. Etienne (17 Tore)
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Rang 7: Diego Rolan von Girondins Bordeaux (15 Tore)
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Rang 7: Diego Rolan von Girondins Bordeaux (15 Tore)
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Rang 8: Wissam Ben Yedder vom FC Toulouse (14 Tore)
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Rang 8: Wissam Ben Yedder vom FC Toulouse (14 Tore)
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Rang 9:Nabil Fekir von Olympique Lyon (13 Tore)
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Rang 9:Nabil Fekir von Olympique Lyon (13 Tore)
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Rang 10: Jordan Ayew von FC Lorient (12 Tore)
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Rang 10: Jordan Ayew von FC Lorient (12 Tore)
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"Er hat verstanden, dass sein Körper sein 'Arbeitsgerät' ist, dass er ihn trainieren muss", so sein Berater David Venditelli, der sich für Lacazette um die Angelegenheiten abseits des Platzes kümmert: "Wir versuchen sein ganzes Umfeld um ihn herum zu professionalisieren." Dazu gehört auch, dass Lacazette in seiner Freizeit zusätzliches Muskeltraining betreibt und all seine Spiele und Tore anschließend per Video analysiert.

"Wenn er auf dem Boden bleibt, dann kann er eine Karriere wie Thierry Henry einschlagen", ist sich Pires sicher. Doch sobald "Stürmer", "Thierry Henry" und "Nachfolger" nur im Entferntesten in einem Satz auftauchen, schrillen bei den europäischen Topklubs die Alarmglocken.

Zweimal den Bale-Preis, bitte!

Insbesondere bei Arsene Wenger und dem FC Arsenal. "Warum auch nicht? Er ist ein Spieler, der zu Arsenal passen würde. Er wäre der beste Einkauf für die Zukunft Arsenals", liefert Pires eine Einkaufsempfehlung für die Londoner hinterher. Dabei ist Arsenal nicht die einzige Mannschaft, die auf den neuen Goalgetter aus der Grande Nation aufmerksam geworden ist. Viele Namen kursieren in den Medien - von Borussia Dortmund bis Manchester City oder Paris St. Germain. Ein Verkauf ist für Lyons Präsident völlig ausgeschlossen.

"Ja das stimmt, wir verkaufen ihn nicht." Wieder muss Gareth Bale als Maßstab herhalten: "Wenn Real Madrid fast 100 Millionen Euro für Bale zahlt, dann hat Alexandre keinen verhandelbaren Preis", so Aulas, der angibt, das Doppelte des Bale-Preises zu verlangen. 182 Millionen Euro also. Das ist das Preisschild des Stürmers.

In der Tat kann er mit Lyon keine schlechten Argumente vorweisen. Der frühere Serienmeister führt mit vier Punkten Vorsprung die Ligue 1. Nächstes Jahr wird man aller Voraussicht nach wieder in der Champions League spielen, sodass dieses exklusive Argument vieler Topklubs entfällt.

Das Herz von Olympique

Nicht zu vernachlässigen ist die Tatsache, dass Lyon die Heimatstadt Lacazettes ist und er sich in einem jungen, aufstrebenden Team befindet, in dem zum Teil sechs weitere gebürtige Lyonnais in der Startelf stehen. "Er ist ein kluger Junge und er weiß, dass die Mannschaft und der Coach es ihm ermöglichen, sich frei zu entfalten und so zu einem der besten Stürmer Europas zu werden", weiß der Präsident.

Aber kann sich Lacazette einen Verbleib überhaupt vorstellen? "Wenn der Klub es mir weiterhin möglich macht, mich weiterzuentwickeln. Warum nicht?", antwortete er französische Medien auf diese Frage. Wie unglaublich wichtig sein Verbleib für die Lyonnais wäre, zeigt auch, dass Lacazette nicht nur Tore schießt.

Immer wieder lässt er sich zurückfallen, nimmt am Spiel teil, sucht mit seinem starken rechten Fuß den Abschluss schon außerhalb des Strafraums. Er ist das kreative Herz des aufstrebenden Lyons.

Er hat neben den meisten vorbereiteten Treffern auch die meisten Chancen seiner Mannschaft eingeleitet. Umso schwerer wiegt deshalb sein dreiwöchiger Ausfall, den er aus dem Spiel gegen Metz davongetragen hat. Ausgerechnet vor den Spielen gegen Monaco und Paris.

Als kleiner Junge "von Barca geträumt"

Vertraglich gebunden ist er bis ins Jahr 2018. Irgendwann soll es aber doch ins Ausland gehen. "Als ich klein war, habe ich von Barcelona geträumt. Aber ich habe keine Präferenz zwischen England oder Spanien", so Lacazette.

Der absolute internationale Durchbruch liegt trotz allen Lobes noch vor ihm. Weder bei der Nationalmannschaft noch in der Königsklasse konnte er international für Furore sorgen.

Im Dress der Equipe steht der neue Stern am französischen Stürmerhimmel noch bei null Treffern, in der Champions League aber wird er bald seine Chance bekommen. Und dann wird sich auch rausstellen, ob man den Namen von Gareth Bale vor lauter Alexandre Lacazette wirklich mal vergessen kann.

Alexandre Lacazette im Steckbrief

Michael Graßl

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