Fussball

Valerien Ismael im Interview: "Hoeneß ist persönlich mit mir zum Arzt gefahren"

Ab Sommer 2007 spielten Valerien Ismael und Franck Ribery ein halbes Jahr lang gemeinsam für den FC Bayern.
© imago

Seit dieser Saison trainiert der ehemalige Bundesligaprofi Vaerien Ismael den österreichischen Erstligisten LASK. Es ist sein viertes Engagement als Profitrainer: Bei Apollon Smyrnis trat er nach einem Spiel zurück, beim 1. FC Nürnberg und dem VfL Wolfsburg wurde er schnell entlassen. Im Interview mit SPOX und Goal erklärt er die Gründe für das Scheitern - und seine Pläne mit dem LASK.

Außerdem blickt Ismael zurück auf seine Zeit als Spieler beim FC Bayern: Er erzählt von Uli Hoeneß und seiner Abteilung Attacke, vom spaßenden Franck Ribery und vom stagnierenden Bastian Schweinsteiger.

Herr Ismael, Sie haben in diesem Sommer den Trainerposten beim LASK übernommen. Wie sind die ersten Eindrücke?

Valerien Ismael: Die Mannschaft arbeitet sehr fleißig und konzentriert. Die Infrastruktur und Manpower hier sind mit der deutschen Bundesliga aber natürlich nicht zu vergleichen. Was in Deutschland zehn Leute machen, machen wir hier zu fünft. Wir wollen uns dennoch stetig weiterentwickeln. Durch eine großartige und schnelle Unterstützung der Vereinsführung haben wir uns in Sachen Video- und Datenanalyse absolut professionell weiterentwickelt. Nachholbedarf hatten wir zunächst hinsichtlich der Trainingssteuerung, aber da haben wir mittlerweile die richtigen Maßnahmen getroffen.

Eine davon war die Trennung von Ihrem Athletik-Trainer Denny Krcmarek bereits nach wenigen Tagen.

Ismael: Wir hatten einfach zu unterschiedliche Auffassungen von richtiger Trainingssteuerung. Die Trennung nach so kurzer Zeit war natürlich eine schwierige Entscheidung, aber letztlich unvermeidbar. Dennoch wünschen wir Denny für seine Zukunft viel Erfolg.

Sie sind nicht nur Trainer, sondern auch Sportdirektor. War das Ihr Wunsch oder der des Vereins?

Ismael: Das hat der Verein angeregt, weil er wollte, dass ich bei Transfers ein großes Mitspracherecht besitze. Aber wir entscheiden trotzdem immer gemeinsam: die allgemeine Kaderplanung, Spielerverpflichtungen und alles andere auch.

Was wollen Sie mit dem LASK erreichen?

Ismael: Am wichtigsten ist mir, dass meine Philosophie zu sehen ist, dass die Fans ihre Mannschaft allein an der Spielweise erkennen können. Wenn wir das schaffen, werden die positiven Ergebnisse kommen.

Haben Sie sich vor Ihrer Ankunft intensiv mit dem österreichischen Fußball beschäftigt?

Ismael: Ich hatte fast ein Jahr lang keinen Trainerjob und habe die österreichische Bundesliga in dieser Zeit intensiv verfolgt. Ich habe in dieser Zeit in der Nähe von München gewohnt und so war der Weg zu vielen österreichischen Stadien kurz. Weil ich die Spieler und Mannschaften bereits gut kannte, sind mir die Gespräche mit den LASK-Verantwortlichen natürlich auch leichter gefallen.

In Österreich gibt es seit der vergangenen Saison ein Playoff-System: In der Winterpause wird die Liga in zwei Teile und jeweils auch die Punktanzahl der Klubs geteilt. Was halten sie davon?

Ismael: Ich habe gehört, dass das neue System gut angenommen wurde. Die Liga wird dadurch sicherlich spannender.

Ihr letztes Trainerengagement beim griechischen Erstligisten Apollon Smyrnis endete bereits nach einem einzigen Spiel. Weil Sie der Präsident angeblich bedroht hatte, traten sie zurück. Was ist genau passiert?

Ismael: Ich konzentriere mich auf die Zukunft beim LASK und möchte dieses Thema der Vergangenheit nicht mehr weiter kommentieren. Es war eine lehrreiche Erfahrung in meiner Karriere, aber die Auffassung einer Zusammenarbeit war unterschiedlich und ging sehr rasch wieder auseinander.

Die bisherigen Profitrainerstationen von Valerien Ismael

SaisonVereinSpielePunkteschnitt
2014/151. FC Nürnberg141
2016/17VfL Wolfsburg171,1
2018/19Apollon Smyrnis10

Ihre bisherigen beiden Profitrainerstationen in Deutschland endeten ebenfalls schnell - jedoch unfreiwillig. Beim 1. FC Nürnberg wurden sie 2014 nach 14 Spielen entlassen, beim VfL Wolfsburg 2017 nach 17 Spielen. Was lief da falsch?

Ismael: Generell finde ich, dass die Bewertung von Trainern in den vergangenen Jahren falsch läuft. Viele Vereine schauen nicht auf Inhalte, sondern ausschließlich auf kurzfristige Ergebnisse. Richtig wäre es anders herum, denn wenn der Inhalt stimmt, kommen in der Regel auch die positiven Ergebnisse. Bei beiden Entlassungen bin ich davon überzeugt, dass mir nicht die notwendige Zeit gegeben wurde. Ein Beweis dafür ist, dass sich bei beiden Klubs nach meiner Entlassung an der Situation kurz- und mittelfristig nicht viel zum Positiven geändert hat.

Was waren denn die konkreten Probleme?

Ismael: In Nürnberg gingen und kamen nach dem Abstieg je 20 Spieler und der Verein hat trotzdem das Ziel Wiederaufstieg ausgegeben. Das war etwas vermessen. In Wolfsburg gab es zwar viele erfahrene Spieler, doch die meisten litten unter Motivationsproblemen. Diese Misere wurde erst etwa zwölf Monate nach meinem Abschied gelöst.

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