Fussball

Brasiliens Legende Roberto Carlos: Der Playboy mit den brachialen Oberschenkeln

Von Gianluca Fraccalvieri
Dienstag, 10.04.2018 | 11:26 Uhr
Roberto Carlos wird heute 45 Jahre alt.
© getty

Roberto Carlos feiert am 10. April seinen 45. Geburtstag. Wegen seiner dicken Oberschenkel, seinen neun Kindern oder seinem legendären Freistoßtor gegen Frankreich ist der Brasilianer auf und abseits des Platztes eine absolute Legende. SPOX blickt zurück.

Roberto Carlos ist wohl der Inbegriff einer Spielergeneration, die Millionen Fans in ihren Bann riss. Die Spielweise des Linksverteidigers, diese Mischung aus Leidenschaft und Talent gepaart mit einer Menge brasilianischem Flair, verzauberte die Zuschauer reihenweise.

Roberto Carlos: Ein kleiner Mann ganz groß

Mit Fug und Recht lässt sich behaupten, dass Roberto Carlos zu den besten Linksverteidigern aller Zeiten zählt und wohl gar der Beste seiner Generation war. Nicht umsonst bezeichnete Jose Mourinho 2006 den damals 33-Jährigen als "immer noch besten Spieler auf seiner Position".

Grundlage für den Erfolg des nur 1,68 Meter kleinen Verteidigers war seine unglaubliche Physis. Seine Oberschenkel hatten während der WM 2002 einen Umfang von knapp 61 Zentimetern und glichen damit denen von Muhammad Ali zu dessen Blütezeit. Einziger Unterschied: Ali war 23 Zentimeter größer und über 30 Kilogramm schwerer als der Fußballer.

Diesen brachialen Stelzen verdankte Roberto Carlos auch seine fußballerischen Qualitäten. Die 100 Meter lief er in 10,6 Sekunden und bis 2006 hielt er den inoffiziellen Weltrekord für den härtesten Schuss im Fußball (212 km/h). Der Weltmeister war ein absoluter Vorreiter und Allrounder auf seiner Position. Er konnte hart tackeln, verfügte über ein starkes Stellungsspiel, hatte eine hervorragende Technik und war auch in der Offensive eine ständige Gefahr. Kurzum: Der Brasilianer war der Prototyp eines modernen Außenverteidigers.

In 524 Spielen für Real Madrid erzielte der Mann aus Sao Paulo 69 Tore und bereitete zusätzliche 47 vor, womit er in der ewigen Torschützenliste der Königlichen noch vor Luis Figo und Zinedine Zidane liegt. Ganz nebenbei gewann Carlos in dieser Zeit viermal die spanische Liga und dreimal die Champions League.

Die Karrierestatistik von Roberto Carlos

VereinSpieleToreVorlagenGelbe KartenPlatzverweise
Real Madrid5246947946
Fenerbahce Istanbul1041013160
Corinthians Sao Paulo441870
Inter Mailand347701
Anzhi Makhachkala284410
Delhi Dynamos Fc30000

Die Goldene Ära der Selecao, Joga Bonito und die Nike Commercials

Wer erinnert sich nicht gerne an die guten alten Zeiten zurück, als Brasilien das Aushängeschild des modernen Fußballs war. Geleitet von südamerikanischen Sambaklängen und ungehindertem Spaß am Fußball, eroberte die Generation um Roberto Carlos, Ronaldinho, Rivaldo, Adriano & Co. die Herzen von Millionen Fans.

Ob Ronaldos Übersteiger, Ronaldinhos Elastico oder Robinhos Pullback - die Tricks der brasilianischen Superstars waren der absolute Renner auf den Schul- und Pausenhöfen dieser Welt. Jeder Hobbykicker, der damals etwas auf sich hielt, hatte mindestens einen dieser Tricks mehr oder weniger perfekt auf Lager und brachte ihn in jeder möglichen Situation zum Einsatz.

Ausdruck fand diese brasilianische Fußballkunst zum Beispiel in den legendären Joga Bonito Videos oder in den Nike Commercials, die heute noch auf YouTube millionenfach geklickt werden.

Roberto Carlos feierte in der Selecao jedenfalls eine lange und überaus erfolgreiche Karriere. 125 Länderspieleinsätze, elf Tore, zwei Copa-America-Titel und der Gewinn der Weltmeisterschaft 2002 alleine sprechen schon Bände. Jedoch war es erst der 3. Juni 1997, der den Linksverteidiger unsterblich machen sollte.

Roberto Carlos' "unmögliches Tor" gegen Frankreich

Es war die 21. Spielminute im Vorbereitungsturnier gegen Gastgeber Frankreich. Freistoß für Brasilien gut 35 Meter vor dem Tor der Franzosen - eine Sache für Roberto Carlos. Der Brasilianer läuft an und donnert den Ball mit dem linken Vollspann an der Mauer vorbei in den Kasten von Fabien Barthez. Der Ball fliegt in einer Flugkurve, die alle physikalischen Gesetze auszuhebeln scheint.

"Ich habe keine Ahnung, wie ich den reingemacht habe", erklärte Carlos 20 Jahre später gegenüber The Sun. "Ich habe meine Freistöße oft nach dem Training geübt und in dieser speziellen Situation hat es geklappt. Ich habe einfach geschossen und der Ball ging rein."

Professor Luis Fernando Fontanari von der Universität Sao Paulo befasste sich mit dem physikalischen Aspekt des Tores und kam zu dem Ergebnis, dass es schlichtweg ein Wunder sei.

"Auch wenn sich die Flugbahn des Balles sauber erklären lässt, ist das Zusammenspiel der Faktoren Schusskraft, Treffpunkt des Balls und Distanz zum Tor so selten, dass wir von einem Wunder sprechen können", erklärte Fontanari.

Weiter fügte er an, dass sich der Ball, hätte ihn das Netz nicht gestoppt, in einer unglaublichen, spiralförmigen Flugbahn weiterbewegt hätte.

Ein Playboy zwischen Dopingverdacht und Unterhaltszahlungen

Aber auch abseits des Platzes sorgte Roberto Carlos für Schlagzeilen. Vor neun Monaten gab der Ex-Fußballer die Geburt seines neunten Kindes via Instagram bekannt. Töchterchen Manuela ist das zweite Kind aus seiner derzeitigen Ehe. Hinzu kommen drei Kinder aus seiner ersten Ehe und noch vier weitere Kinder aus ehemaligen Beziehungen.

Viele Kinder bedeuten viel Unterhaltszahlungen. Satte 16.400 Euro soll das Geburtstagskind letzten Sommer im Rückstand gewesen sein. Eigentlich ein Klacks für einen ehemaligen Profifußballer seines Kalibers, sollte man meinen - doch dem war nicht so. Gegenüber dem Internetportal UOL Esporte gab Carlos zu, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken, woraufhin die zuständige Richterin zwischenzeitlich sogar einen dreimonatigen Haftbefehl verhängte.

Im vergangenen Sommer kamen nach einer ARD-Dokumentation auch noch Dopingvorwürfe dazu. In einem Bericht des brasilianischen Sportministeriums gab ein Mediziner angeblich zu, die "Oberschenkel von Roberto Carlos zu dem gemacht zu haben, was sie sind."

Diese Anschuldigungen wehrte der ehemalige Kicker in einem offenen Brief ab und kündigte zudem rechtliche Schritte gegen die ARD an. "Ich bestreite vehement die von der ARD gemachten Anschuldigungen und bekräftige, dass ich niemals auf Mittel zurückgegriffen habe, die mir einen Vorteil gegenüber meinen Kollegen hätten verschaffen können. Die Geschichte zitiert den Namen eines Arztes, den ich in meinem Leben nicht gekannt habe und ich habe meine Anwälte beauftragt, rechtliche Schritte einzuleiten."

Unabhängig davon, was die Zukunft noch bringen wird: Roberto Carlos hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern des Fußballs sicher.

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