Endlich auf Level zehn Millionen

Von Jan Menzner
Montag, 05.06.2017 | 19:50 Uhr
Beim HSV hütete Marcus Berg die Bank, bei Panathinaikos reifte er zum Torschützenkönig
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Marcus Berg kam 2009 als vielversprechendes Talent und Top-Transfer zum Hamburger SV - und hütete dort die Bank. Nach vier enttäuschenden Jahren jagte der HSV den Stürmer ohne Gegenwert vom Hof und muss nun zuschauen, wie dieser für Panathinaikos Athen alle Qualitäten zeigt, die man sich an der Elbe erhoffte.

Die Trefferquote des Hamburger SV bei seinen Rekordtransfers ist nicht unbedingt beispielhaft. Zumindest nicht positiv beispielhaft. Und so war es beinahe nicht verwunderlich, dass Rekordneuzugang Filip Kostic, im vergangenen Sommer immerhin für 14 Millionen Euro an die Elbe gewechselt, in dieser Saison hinter den Erwartungen zurückblieb.

Denn zuvor hatte bereits unter anderem die Rückholaktion von Rafael van der Vaart nicht funktioniert. Stolze 13 Millionen Euro latzte der HSV beim zweiten Engagement für den Niederländer. Und performte er? Überzeugend war jedenfalls anders.

Ein weiterer teurer Transferflop der Hanseaten ballerte sich zuletzt in die Schlagzeilen, denn bei Panathinaikos Athen krönte er sich zum griechischen Torschützenkönig: Marcus Berg. Kaum zu glauben, denken sich Fans und Verantwortliche des HSV. War das Engagement des Schweden in Hamburg doch ein einziges Missverständnis.

Der entscheidende Schritt in Richtung Europas großer Bühne

Im Juli 2009 unterschrieb der damals 21-Jährige beim Bundesliga-Dino. Es sollte für beide, Spieler und Verein, der entscheidende Schritt in Richtung Europas großer Bühne sein. Berg, damals frischgebackener U21-EM-Torschützenkönig und "Spieler des Turniers" kam für stolze zehn Millionen Ablöse - teurer als einst van der Vaart bei dessen erstem und deutlich erfolgreicherem Engagement.

Der Moment der Verpflichtung schien perfekt zu passen. Der HSV beendete die Saison 08/09 zwar nur auf dem achten Platz, der erwirtschaftete Rekordgewinn von 13,4 Millionen Euro sollte aber als direkte Investition in den Kader den Sprung in die deutsche Spitzenklasse bedeuten. Gleichzeitig steckte Berg beim FC Groningen fest.

Dort hatte er in zwei Jahren 44 Tore in 69 Spielen erzielt und beide Jahre unter den Top-Fünf-Torschützen der Eredivisie beendet. Trotzdem hatten seine individuell guten Leistungen nie gereicht, um die Liga-Schwergewichte Ajax oder Eindhoven ernsthaft anzugreifen.

Berg: Hoffnungsträger und Bankdrücker

Als Berg nach Hamburg kam, war Trainer Bruno Labbadia rückhaltlos überzeugt von ihm. Er bezeichnete den Neuzugang als "Stürmer von Top-Qualität" oder "Talent, das großes Potenzial hat" und mahnte zu Geduld: "Ich erwarte keine kurzfristigen Erfolge mit ihm, er bekommt von uns alle Zeit."

Entsprechend motiviert äußerte sich auch Berg: "Ich brauche jetzt viele Spiele mit dem Team, damit wir uns gut einspielen." Dazu sollte es aber nie kommen.

Obwohl der Schwede direkt bei seinem Debüt einen Treffer zum 4:1-Sieg gegen Dortmund beisteuerte, verbrachte Berg die halbe Saison 09/10 auf der Bank. Labbadia und später sein Nachfolger Ricardo Moniz bevorzugten Spieler wie Guerrero, Petric und Winterzugang Ruud van Nistelrooy.

Bezeichnend für das Stürmerproblem beim HSV: Nach Mladen Petric, der acht Mal traf, erzielten die Verteidiger Jansen und Ze Roberto die meisten Hamburger Tore der Saison (je 6). Auch Marcus Berg enttäuschte: Insgesamt erzielte er in 30 (teilweise nur kurzen) Einsätzen lediglich vier Tore.

HSV: Hoffmann schickt Berg weg

Anstatt Labbadias Rat zur Geduld zu befolgen, schickte ihn Präsident und Vorstandschef Bernd Hoffmann zurück in die Niederlande. In seinem Leihjahr beim PSV Eindhoven verkam Berg zwar zum Edeljoker, hatte jedoch eine vernünftige Quote.

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Als er 2011 zum HSV zurückkehrte, fand er dort das reinste Chaos vor: Ein Kader von 37 Spielern und Bergs zahlreiche Verletzungen limitierten seine Spielzeit stark. In der Saison 2011/12 bestritt er lediglich 13 Spiele, im darauffolgenden Jahr sogar nur elf - der nominelle Starstürmer markierte in zwei Jahren genau einen Treffer.

Kreuzer jagt Berg vom Hof

Bergs schlechte Quoten verleiteten den neuernannten Sportchef Oliver Kreuzer zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. "Wir möchten nicht, dass diese Spieler beim Trainingsauftakt Anfang Juli dabei sind", sagte er dem kicker. Gemeint waren Kacar, Tesche und eben Marcus Berg. Durch den Ausschluss forcierte Kreuzer einen Wechsel der Profis.

Berg fand eine neue Heimat bei Panathinaikos Athen, wo er einen Dreijahresvertrag unterzeichnete. Ablöse gab es für den HSV keine, der Tiefpunkt war erreicht. Innerhalb von vier Jahren hatte sich sich der Schwede in Hamburg von einem vielsprechenden Stürmer-Talent zu einer Belastung entwickelt, die man um jeden Preis abstoßen wollte, um sein jährliches Gehalt von etwa 1,8 Millionen einzusparen.

Berg in Athen: Pokalheld und Torschützenkönig

Egal ob es der geringere Erwartungsdruck, das größere Vertrauen oder das griechische Wetter war: Marcus Berg blühte plötzlich auf! In seinen ersten sieben Ligaspielen knipste er bereits vier Mal - am Ende der Saison lag er mit 15 Treffern nur einen Zähler hinter Torschützenkönig Solari.

Doch das war nur der Anfang. Mit seinen drei Treffern im griechischen Pokal-Finale gegen PAOK schoss er nicht nur Panathinaikos im Alleingang zum Titel - er stieg auch zum Fanliebling auf. Obwohl Berg im Anschluss weiterhin verletzungsanfällig blieb und in der Folgesaison die Hälfte aller Ligaspiele verpasste, zahlte er das Vertrauen der Verantwortlichen zurück und erzielte noch 13 Buden.

Im laufenden Jahr erreichte die Wiederauferstehung des Marcus Berg jedoch ihren bisherigen Höhepunkt: Mit wettbewerbsübergreifend 31 Treffern spielte er nicht nur seine erfolgreichste Saison, sondern schnappte sich nebenbei mit 22 Ligatoren die Torjägerkanone.

Der einstige HSV-Bankdrücker ist der Dreh- und Angelpunkt der Offensive seines Teams, bei sieben Spielen durfte er sogar die Kapitänsbinde überstreifen. Folgerichtig unterschrieb Berg Anfang des Jahres eine Vertragsverlängerung bis 2019.

Berg: Viele Sperren als Makel

Einziger Makel dieser Lazarus-Geschichte sind die häufigen Disziplinarstrafen des 30-Jährigen. In der Europa-League-Quali 2014/15 beförderte er Pana zwar mit fünf Toren in vier Einsätzen in die Gruppenphase, dort schied der Verein aber sang- und klanglos aus. Auch weil Berg wegen einer Sperre vier Spiele verpasste.

Im Jahr darauf folgten drei Liga- und zwei Champions-League-Playoffspiele, die er gelbgesperrt auf der Tribüne verbrachte. Auch zuletzt saß er eine Sperre über fünf Spiele ab. Das Sportgericht suspendierte Berg, da er sich nach Unruhen beim Playoff-Spiel gegen PAOK Saloniki nicht im Griff hatte.

Nichtsdestotrotz reichten die Tore Bergs dafür, dass sich Panathinaikos die Europa-League-Qualifikation sicherte. Ein Gütesiegel, das er beim Hamburger SV nie erreichte. Gewissermaßen hat der Stürmer das nächste Level erreicht - und es kommt nah an den Zehn-Millionen-Wert, den der HSV einst für ihn auf den Tisch legte.

Marcus Berg im Steckbrief

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