"Ein ganz schön freches Pimmelgesicht"

Von Oliver Birkner / Frank Oschwald
Montag, 06.02.2017 | 18:00 Uhr
Lorenzo Insignes Brille ist schön.

In Spanien hat die uneigennützige Abgabe des Trikots an die Fans endgültig ein Ende. Sergio Ramos macht den Anfang und trägt nun Grillfleisch spazieren. In Italien bekommt der Goalgetter ein fragwürdiges Lob und in England antwortet N'Golo Kante endlich auf wichtige Fragen der biologischen Forschung.

Serie A

Von Oliver Birkner

Pimmelgesicht des Spieltags: Höchstwahrscheinlich waren keine damaligen Zeitzeugen im Stadio Dall'Ara anwesend, als Napoli in Bologna für die höchste Heimniederlage seiner Klubgeschichte Revanche nahm. Es ist schließlich schlappe 78 Jährchen her, dass Napoli gegen die Bolognesi 1:6 unterging. Am Samstagabend entzückte das neapolitanische Tanztheater dafür mit einem 7:1 in der Emilia und dem höchsten Auswärtserfolg der SSC-Historie. Einfach sagenhaft, den Fantastischen Vier Insigne, Mertens, Hamsik und Callejon bei der Arbeit zuzuschauen. Ersterer erhielt gar ein besonderes Lob von Coach Maurizio Sarri: "Lorenzo ist mit seinen genialen Tricks ein ganz schön freches Pimmelgesicht."

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Das wird er strahlend vernommen haben. Bolognas Roberto Donadoni hatte den wahren Grund des Heim-Armageddon indes flugs gefunden: "Die Leistung des Referees war heute unter aller Kanone." Sieben Buden kassiert, da muss fraglos der Pfeifenmann Schuld tragen. In dieser Form darf man sich auf kommende Woche freuen, wenn Napoli in der Champions League bei Real Madrid antritt. "Sieben Kracher an CR7", schaute der "Corriere dello Sport" voraus. Die Tifosi befinden sich bereits in heller Aufregung: Aus ganz Italien wurden über 10.000 Flüge gen Madrid gebucht. Sarri fliegt natürlich gratis und erzählte: "Egal wie die Partie ausgeht kann ich in jedem Fall sagen, einmal in der Champions League auf der Bank im Bernabeu gecoacht zu haben." Vor vier Jahren trainierte er noch in Liga drei...

Überflieger des Spieltags: Noch rasanter stürmte sich Cristian Carletti nach oben. Vor 13 Monaten hatte der Angreifer vom Fußballtraum genug. Bei den Profis von Cremonese erhielt er keine Chance, als Leiharbeiter woanders ebenso wenig, da löste er den Kontrakt auf, suchte sich einen Job und kickte bei Kumpels in der Kreisliga C. Dort wurde Pergolettese aus der Serie D auf ihn aufmerksam, wo der 20-Jährige in der Hinrunde sieben Mal knipste. Carpi suchte vergangene Woche noch einen Backup-Stürmer, nun findet sich Carletti plötzlich in der zweiten Liga wieder und spielt um den Aufstieg. Acht Ligen in zehn Monaten übersprungen - das klingt nach einem Fabelrekord.

Altro? Solch einen rasanten Überflug bekommt höchstens noch die Roma hin, zumindest wenn es um das Thema Stadionneubau geht. Vor einigen Jahren kündigte die amerikanische Besitzerkombo mit tosendem Tamtam eine neue Arena an. Die soll sich am Kolosseum orientieren und, laut üblicher US-Bescheidenheit, das Colosseo an Majestät eigentlich noch übertreffen. 2017, allerspätestens 2018 hieß es, würde dort der erste Anstoß erfolgen. Dazu müsste vielleicht einmal der erste Spatenstich erledigt werden. Letzte Woche vermeldete die Stadtführung, das vorgelegte Projekt könne man aus Sicherheitsbedenken so nicht abnicken. Geschwindigkeit gehört eben nicht zu den höchsten italienischen Tugenden. Vielleicht wird Francesco Totti das neue Kolosseum zu seinem 60. ehrenhaft einweihen - fehlen ja bloß noch 20 Jahre.

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