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Spanien dominant zum Titel

Von Thorben Rybarczik
Sonntag, 19.07.2015 | 22:04 Uhr
Die Spanier haben seit 2002 siebenmal den Titel verbuchen können
© getty
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Durch einen dominanten 2:0 (1:0)-Erfolg über Russland ist Spanien Europameister der U19. In einem einseitigen Spiel hätte die Entscheidung schon vor der Halbzeit fallen müssen, doch Russlands Keeper hielt seine überforderte Mannschaft lange im Spiel.

Vor 4.500 Zuschauern im Municipal Stadium Katerini brauchten die Spanier eine Vielzahl an Chancen, ehe Borja Mayoral per Abstauber das 1:0 besorgte (39.). In einer ruhigeren zweiten Hälfte besorgte Joker Nahuel Leiva die Entscheidung (78.), nachdem er vom überragenden Marco Asensio bedient wurde. Damit holen sich die Spanier den Titel zum achten Mal, so oft wie keine andere Nation.

Der SPOX-Spielfilm

Vor dem Anpfiff: Die Hymnen fielen aufgrund technischer Probleme weg, das Spiel wurde aber natürlich trotzdem angepfiffen. Spanien stellte sich in einem variablen 4-1-4-1 auf, mit Borja Mayoral in der Sturmspitze und Alfonso Pedraza sowie Diego Ceballos dahinter. Den kreativen Part sollte, wie gehabt, Marco Asensio übernehmen, der im Halbfinale beide Tore gegen Frankreich schoss.

Russland hielt mit einem 4-2-3-1 dagegen. Ramil Sheydaev lief in der Spitze auf, das Trio um Guliev, Melkadze und Gasilin sollte ihn füttern. In der Innenverteidigung versuchten sich Chernov und Makarov. Die beiden Teams begegneten sich schon in der Vorrunde der Gruppe B, als Russland nach einem 0:1-Rückstand die Partie mit 3:1 gewann.

Spanien: Sivera - Caricol, San Emeterio (81. Marin), Mere, Vallejo - Merino, Hernandez, Asensio - Ceballos, Pedraza (74. Nahuel Leiva), Mayoral

Russland: Mitryushkin - Khodzhaniyazov, Chernov, Makarov, Yakuba - Melkadze (63. Bezdenezhnykh) , Golovin (46. Zuev), Guliev, Barninov, Gasilin (70. Zhemaletdinov) - Sheydaev

7.: Asensio schickt Pedraza in den Strafraum, Mitryushkin zögert beim Rauskommen. So kann sich Pedraza die Kugel zurechtlegen, doch der Winkel wird für einen gefährlichen Abschluss letztendlich zu spitz.

10.: Russland wackelt! Nach einer Ecke landet der Ball auf dem Kopf von Mere, der den Ball flach aufs Tor bringt - doch Mitryushkin kann mit einem klasse Reflex klären.

14.: Wieder Ecke Spanien, wieder brennt es lichterloh im Russen-Strafraum. Diesmal segelt der Ball von links rein, wieder ist Mere da - und scheitert erneut am Keeper. Auch den zweiten Versuch klärte die Nummer eins der Russen. Allerdings war der Ball da wohl schon knapp hinter der Linie.

22.: Es ist wie verhext für die Roten. Erneut klingelt es fast, erneut bringt eine Standardsituation die Gefahr. Der Ball landet über Umwege bei Mayoral, der ihn aus kurzer Distanz an die Unterkante der Latte nagelt.

32.: Der nächste Hochkaräter. Asensio funktioniert das russische Mittelfeld zu Slalomstangen um und legt ein beeindruckendes Solo hin. Am Ende legt er den Ball links raus zu Pedraza, der den Zehner mit einer flachen Hereingabe erneut anspielt. Asensio hält seinen Fuß hin,d och wieder ist Mitryushkin da.

39., 1:0 Mayoral: Die längst überfällige Führung für Spanien! Der überall präsente Asensio leitet einen schönen Angriff ein und wird nach zwei Zwischenstationen von Caballos mit einem flachen Pass von links in den Strafraum bedient. Dort legte er sich den Ball auf seinen linken Fuß und probierte es mit einem Schlenzer aufs lange Ecke. Mit einer starken Parade kann Mitryushkin das Leder zwar noch an die Latte lenken, ist beim anschließenden Kopfball von Mayoral aber machtlos.

53.: Hat Spanien sein Pulver etwa verschossen? Russland kommt etwas aggressiver aus der Kabine und hat durch Guliev und Gasilin immerhin zwei Halbchancen.

61.: Das muss das 2:0 sein! Nach einer flachen Mayoral-Flanke von links kommt der Ball zu Pedraza durch, der aus gut fünf Metern - mal wieder - am Keeper scheitert. Der anschließende Abstauber wird wegen Abseits aberkannt.

78., 2:0 Nahuel Leiva: Das ist die Entscheidung! Und es sticht der Joker, der erst vier Minuten zuvor eingewechselt wurde. Nahuel Leiva wird mit einem Sensationspass von Asensio bedient und läuft frei auf das Tor zu. Er behält die Nerven und vollendet unten links.

Fazit: Ein mehr als verdienter Sieg, das war teilweise ein Klassenunterschied. Spanien dominierte alle Bereiche des Spiels und hätte vor allem in der ersten Halbzeit mehr Tore erzielen müssen. So blieb es am Ende bei einem 2:0, mit dem die Russen noch sehr gut dastehen.

Star des Spiels: Marco Asensio. Der Zehner war einfach überall. Er dominierte das Mittelfeld nach Belieben und war bei vielen Solos nicht vom Ball zu trennen. Dazu leitete er gefühlt jeden gefährlichen Angriff ein - an beiden Treffern war er direkt beteiligt. Dem 1:0 ging sein Schlenzer an die Latte voraus, das 2:0 bereitete er mit einem Sahnepass auf Joker Leiva vor.

Flop des Spiels : Ayaz Guliev. War komplett überfordert mit dem spanischen Mittelfeld und hatte keinen Zugriff auf Asensio oder Pedraza. Auch im Spielaufbau konnte er seinem Team nicht helfen und verlor viele Bälle, die nicht selten zu gefährlichen Gegenstößen der Spanier führten.

Der Schiedsrichter: Anthony Taylor (England). Hatte überhaupt keine Probleme in einem äußerst fairen Spiel. Blieb über 90 Minuten seiner recht großzügigen Linie treu, zeigte in kritischen Situationen aber stets Präsenz.

Das fiel auf:

  • Nach einem nervösen Beginn auf beiden Seiten übernahm Spanien nach gut fünf Minuten das Kommando. Asensio und Pedraza harmonierten im Mittelfeld prächtig und ließen sich vom zeitweiligen Pressing nicht aus dem Konzept bringen. Für die größte Gefahr sorgten allerdings vorerst nur die Standards - Russlands Keeper Mitryushkin hatte oft Probleme bei hohen Bällen, reagierte dafür umso stärker auf der Linie.
  • Die Russen schienen vom hohen Tempo der Spanier überrumpelt worden zu sein. Das defensive Mittelfeld fand keinen Zugriff auf Asensio und Pedraza, die mit ihrer Technik und Kreativität auf einem anderen Level als der Gegner agierten. Vor allem über die Außen kamen so unzählige Chancen zustande, an deren Verwertung es allerdings haperte.
  • Nach der furiosen ersten Halbzeit mit 15:2 Schüssen schien sich Spanien nach dem Seitenwechsel zu denken: Weniger ist mehr. Sie ließen den Ball nun länger laufen, um die Russen rauszulocken. Diese machten den Spaß aber nicht mit und blieben hinten drin, sodass die Partie deutlich an Action verlor.
  • Obwohl Russland in der zweiten Halbzeit unter Zugzwang war, ging nach vorne gar nichts. Das letzte Risiko blieb bis zuletzt aus - die Angst vor dem 2:0, das letztendlich auch fiel, schien einfach zu groß.

Spanien - Russland: Daten zum Spiel

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