Früherer FIFA-Vize in die USA?

Medien: Webb zur Auslieferung bereit

SID
Samstag, 11.07.2015 | 18:04 Uhr
Seit 1991 war Webb Präsident des Landesverbands der Kaimaninseln
© getty
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Die US-Behörden bereiten im Korruptionsskandal beim Weltverband angeblich die Abholung des früheren FIFA-Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) aus Schweizer Auslieferungshaft vor. Laut Informationen des US-Fernsehsenders Bloomberg soll der 50-Jährige derjenige der sieben Ende Mai vor dem FIFA-Kongress in Zürich verhafteten Funktionäre sein, der sich nach Angaben des Schweizer Bundesamtes für Justiz mit seiner Überstellung an die US-Justiz einverstanden erklärt haben soll.

Bloomberg berief sich am Samstag auf Quellen aus dem nächsten Umfeld der US-Bundesbehörden. Demnach soll sich Webbs Anwalt Edward O'Callaghan mit den Ermittlern eine Vereinbarung getroffen haben, die auch eine Kooperation des früheren Chefs des Kontinentalverbandes CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik) mit der Justiz beinhaltet. O'Callaghan wollte den Bloomberg-Bericht der Zeitung New York Times zunächst nicht bestätigen. Die US-Staatsanwaltschaft reagierte bis Samstagmittag nicht auf entsprechende Medienanfragen.

Webb wird von der US-Justiz wie acht weitere Topfunktionäre aus Gremien der FIFA, der CONCACAF oder des CONMEBOL (Südamerika) und fünf Vermarkter Beteiligung wegen Verschwörung, Betrug, Bestechung und Geldwäsche angeklagt. Er wäre im Falle seiner tatsächlichen Bereitschaft zur Mitarbeit bei der Aufklärung ein wertvoller Zeuge.

Seit 2012 CONCACAF-Präsident

Der ehemalige Bankier hatte 2012 in der CONCACAF seinen ebenfalls angeklagten Vorgänger Jack Warner (Trinidad und Tobago) als Präsident abgelöst und gehörte seit dem gleichen Jahr auch der FIFA-Exekutive an. Bis zu seiner Festnahme in Zürich galt Webb auch als ein "Lieblingszögling" des Schweizer FIFA-Bosses Joseph S. Blatter.

Unabhängig von der Identität der auslieferungswilligen Person dürften die angeklagten Fußball-Manager derzeit unruhige Tage erleben. Den Gepflogenheiten des US-Rechtssystems zufolge gilt die Zustimmung einer im Ausland inhaftierten Person zur Auslieferung in die USA als eindeutiges Zeichen zur Kooperationsbereitschaft - als Gegenleistung für eine Strafmilderung.

Zeit für eigene Deals

Die Nachricht von der bevorstehenden Auslieferung eines mutmaßlichen Mitwissers lässt für jeden der übrigen Angeklagten die Zeit für eigene Deals mit der US-Justiz nunmehr knapp werden. Die zu erwartenden Aussagen des kooperationswilligen Angeklagten könnten zudem bislang noch nicht unmittelbar im Fokus der Ermittler stehende Funktionäre bei den internationalen Verbänden in Bedrängnis bringen.

Neben Webb hatte die Schweizer Polizei am 27. Mai auch FIFA-Vizepräsident Eugenio Figueredo (Uruguay), Costas Ricas Verbandschef Eduardo Li, Nicaraguas früheren Fußball-Boss Julio Rocha, Warners britischen Ex-Attaché Costas Takkas, den venezolanischen Verbandsboss Rafael Esquivel und Brasiliens früheren Verbandspräsidenten José Maria Marin auf US-Antrag festgenommen. In der vergangenen Woche hatten die USA die Auslieferung der sieben Inhaftierten offiziell beantragt.

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