Bodo Illgner über Deutschlands Torhüter

"Wechsel zeugt von Selbstvertrauen"

Montag, 20.07.2015 | 18:00 Uhr
Auf der großen Bühne: Kevin Trapp bei Paris St.-Germain
© getty
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Nach Marc-Andre ter Stegen wechselt auch Kevin Trapp zu einem internationalen Spitzenteam. Deutsche Torhüter sind im Ausland gefragter denn je. Verändert sich dadurch auch die Hierarchie in der Nationalmannschaft?

Deutsche und Franzosen verbinden einige Vorurteile. Zum Beispiel das, dass die jeweils andere Sprache nur sehr widerwillig gelernt und dann auch nur schlecht und ungern gesprochen wird. Bei Kevin Trapp ist das anders.

Sein Französisch saß schon ganz gut, als sich Trapp am Montag in Paris der Öffentlichkeit präsentierte. Sprachen seien das Einzige, was er in der Schule wirklich gerne gelernt habe, sagte Trapp. Das zeigte dann auch die Qualität der restlichen Antworten auf Englisch. Denn ganz so weit ist er mit dem Französischen dann ein paar Tage nach seinem Wechsel doch noch nicht.

Es war ein sicherer und souveräner Auftritt, den Trapp bei seiner ersten Probe im Rampenlicht hinlegte. Bei seinen bisherigen Klubs Eintracht Frankfurt und Kaiserslautern stand er eher in der zweiten oder dritten Reihe. Aber Paris, das ist europäischer Spitzenfußball und eine Stadt von internationalem Rang.

Trapp-Nachfolger in Frankfurt: Backup mit Handicap

Trapp folgt ter Stegen

Nach Marc-Andre ter Stegen ist Trapp der zweite junge Torhüter, der den Schritt zu einem europäischen Schwergewicht wagt. Für ter Stegen verlief die erste Saison beim FC Barcelona fast nach Wunsch. Die Katalanen gewannen das Triple und ter Stegen durfte in den Pokalwettbewerben spielen.

Er hat aber auch nie verschwiegen, dass ihm die Reservistenrolle in der Liga nicht schmeckt. Im Moment ist nicht davon auszugehen, dass Trainer Luis Enrique an dieser Arbeitsteilung in der kommenden Saison etwas ändern wird. Ter Stegens größter Befürworter bei Barca Andoni Zubizarreta ist als Sportdirektor längst Geschichte und Rivale Claudio Bravo hat in der Liga einen guten Job gemacht.

Für Trapp scheint die Situation allem Anschein nach komfortabler. Er soll die neue Nummer eins werden und den bisherigen Schlussmann Salvatore Sirigu ablösen. Der Italiener, über dessen Abschied nach Trapps Verpflichtung spekuliert worden war, will sich der neuen Konkurrenzsituation stellen und denkt laut seines Beraters nicht an einen Wechsel.

Ein Schritt Richtung Nationalmannschaft

"Trapps Wechsel zeugt von großem Selbstvertrauen und spricht für ihn", sagt Bodo Illgner gegenüber SPOX. Illgner wechselte 1996 vom 1. FC Köln zu Real Madrid und weiß genau, welcher Druck bei Klubs dieser Kategorie herrscht. "Ein kleiner Fehler und das ganze Stadion fängt an zu murmeln und zu raunen. Das ist für einen jungen Torhüter nicht leicht. Selbst bei einem so erfahrenen Mann wie Iker Casillas hat man gesehen, dass das nicht leicht zu verkraften ist."

Auf der anderen Seite ist der Wechsel eine große Möglichkeit. "Wenn Trapp gesetzt ist, hat er alle Möglichkeiten, sich ins internationale Rampenlicht zu spielen. Und das ist die Voraussetzung, um in die Kandidatenliste der Nationalmannschaft aufzurücken", sagt Illgner. Beim DFB war die Hierarchie in jüngster Vergangenheit klar geregelt: Manuel Neuer ist die Nummer eins, dahinter wechselten sich Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler ab. Diese Rangfolge war spätestens nach Ende der U21-EM hinfällig.

Bundestorwarttrainer Andreas Köpke hat zwar mehrfach betont, dass er keine neue Nummer eins sucht, aber viele junge Torhüter auf seiner Liste stehen. Vor allem ter Stegen und Leverkusens Bernd Leno, aber auch Schalkes Ralf Fährmann und eben Trapp. Mit seinem Wechsel zu PSG hat sich Trapps Wahrnehmung in diesem Rennen aber schlagartig verändert.

Auch für Illgner ist Neuer unumstritten: "Wenn er weiterhin seine Leistung bringt, haben alle anderen Schwierigkeiten, an ihm vorbeizukommen. Ter Stegen ist sein größter Konkurrent, weil er in seiner Entwicklung am weitesten ist, den Druck bei einem Topverein kennt und schon einen großen internationalen Titel gewonnen hat."

Im Ausland lange nicht gefragt

Es ist eine beeindruckende Generation an Torhütern, die das Torwartland Deutschland im Moment hat. Es scheint aber das erste Mal so, als würden die europäischen Klubs davon profitieren wollen. An ausgezeichneten Keepern mangelte es in Deutschland eigentlich nie, das war schon zu Zeiten Toni Tureks oder später Sepp Maiers so.

"Deutsche Torhüter sind sehr, sehr gut ausgebildet", sagt auch Illgner. Bei einem europäischen Schwergewicht reüssierte dennoch außer ihm lange Zeit keiner, bis Jens Lehmann in seinem zweiten Auslandsengagement beim FC Arsenal glücklich wurde. Beide waren bei ihrem Schritt ins Ausland aber deutlich älter als ter Stegen und Trapp, Illgner wechselte mit 29 nach Madrid, Lehmann war 33.

Natürlich gab es auch noch Stefan Klos bei den Glasgow Rangers, Andreas Köpke bei Olympique Marseille oder Robert Enke bei Benfica Lissabon. Alle überzeugten in fremden Ligen, aber spielten nicht bei Klubs der allerhöchsten Kategorie.

Auffällige Entwicklung

"Auffällig" nennt Illgner die Wechsel von ter Stegen und Trapp in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ins Ausland. Auch das Interesse von Real Madrid an Leno spreche dafür, dass deutsche Torhüter noch mehr Beachtung fänden als früher. Der Grund? "In den ausländischen Ligen war es in der Regel bislang so, dass erst Spieler für alle anderen Positionen verpflichtet wurden, bevor ein Torhüter geholt wurde."

Mittlerweile werden Torhüter aber nicht mehr als Füllmasse in der Kaderzusammenstellung benutzt. Barca scoutete ter Stegen über mehrere Jahre hinweg und verfolgte seine Entwicklung intensiv.

Auch PSG hat Trapp nicht aus einer Laune heraus verpflichtet. Trainer Laurent Blanc bezeichnete ihn sogar als einen der besten Torhüter der Welt. Trotzdem wurde die Nachricht der Verpflichtung von vielen Fans und ehemaligen Spielern skeptisch aufgenommen, ungeachtet der Qualitäten Trapps hätten sie sich lieber einen großen Namen gewünscht. Es gilt also noch einige Vorurteile abzuarbeiten.

Kevin Trapp im Steckbrief

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