Fussball

Blatter kündigt erneute Kandidatur an

SID
Josef S. Blatter ist seit 1998 als Präsident der FIFA tätig
© getty

Joseph S. Blatter hat noch nicht genug: Der 78 Jahre alte Schweizer würde gerne im kommenden Jahr zum fünften Mal zum FIFA-Präsidenten gewählt werden - und damit die zwei Jahrzehnte als mächtigster Mann im Weltfußball voll machen. "Ich will es machen. Weil es noch nicht vorbei ist", sagte Blatter der Schweizer Zeitung "Blick": "Meine Amtszeit ist zwar zu Ende, aber meine Mission ist noch nicht fertig."

Die deutliche Ankündigung des streitbaren FIFA-Präsidenten kam zumindest zu diesem Zeitpunkt unerwartet, er wollte sich ursprünglich erst im Rahmen des FIFA-Kongresses unmittelbar vor der WM in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) erklären.

Dort will er sich dem Vernehmen nach von den 209 Mitgliedsländern der FIFA darum bitten lassen, erneut anzutreten. Das lässt dem FIFA-Boss zumindest eine kleine Hintertür: Nur mit der Unterstützung seiner Verbände wird er formell kandidieren.

Blatter steht bereits seit 1998 an der Spitze des Weltverbandes und hat bislang jeglicher Kritik und einer Vielzahl von Korruptionsvorwürfen standgehalten. Wird er bei der Wahl durch den FIFA-Kongress 2015 bestätigt, darf er bis 2019 weiter machen.

Damit würde auch die WM-Vergabe an den Ausrichter 2026 erneut in die Legislaturperiode des Schweizers fallen. Die Endrunde im kommenden Sommer sei "meine zehnte WM, 1978 war ich zum ersten Mal dabei", sagte Blatter: "Brasilien, das wird etwas Gewaltiges, etwas Großartiges."

Blatter wahrscheinlich konkurrenzlos

Ob der 78-Jährige bei der Wahl im kommenden Jahr überhaupt noch einen Gegner hat, erscheint höchst fraglich. Vor Blatter hatte bislang nur der der 55-jährige Franzose Jerome Champagne seine Kandidatur bekanntgegeben, UEFA-Chef Michel Platini (58) will sich erst im Herbst entscheiden.

Allerdings hatte Champagne bereits eingeräumt, gegen Blatter wohl keine Chance zu haben. Bei Platini verdichten sich die Vorzeichen, dass der Franzose lieber weiter an der Spitze der UEFA die Rolle einer starken Opposition gegen Blatter behält.

In den vergangenen Monaten und Jahren hatten Blatter und die FIFA massiv Ansätze für Kritik geliefert. Die Vorbereitung auf die WM in Brasilien sowie die Generalprobe beim Confed-Cup im vergangenen Jahr wurden von Unruhen und teils gewaltsamen Aufständen begleitet, aus der FIFA-Zentrale in Zürich kamen jedoch meist nur Beschwichtigungen.

Er fühle sich "definitiv nicht schuldig, weil die FIFA keine öffentlichen Gelder genutzt hat, die sonst für Erziehung, Gesundheit oder was auch immer genutzt worden wären", sagte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke: "Als Brasilien sich um die WM beworben hat, hatten sie das Budget dafür. Wir haben ihnen kein Geld weggenommen. Der größte Teil des Geldes wurde zudem in die Infrastruktur investiert, die von den Brasilianern genutzt wird."

WM-Vergaben 2018 und 2022 im Fokus

Im Fokus der eigenen Ermittlungen durch die unabhängige Ethikkommission unter Chefermittler Michael Garcia steht die doppelte WM-Vergabe an Russland (2018) und Katar (2022). Der Abschlussbericht über mögliche Schmiergeldzahlungen soll kurz vor dem Abschluss stehen, dieser könnte noch vor dem ersten Anpfiff am Zuckerhut für ein schweres Beben auf der FIFA-Funktionärsebene sorgen.

Das Turnier am Persischen Golf in acht Jahren war zudem wegen der vermeintlich völlig unzureichenden Menschenrechtsbedingungen für die Gastarbeiter in die Schlagzeilen geraten, immer wieder schockierten Nachrichten von toten und schwerverletzten Arbeitern auf den katarischen Baustellen die Weltöffentlichkeit.

"Eine WM kann aber nicht dafür verantwortlich sein, alle Probleme zu lösen. Wenn wir die WM nicht in Katar organisieren würden, würde niemand jemals über die Arbeiter sprechen oder sich jemals um die Anzahl der Toten kümmern - die auch schon dort arbeiteten, bevor die WM kam", sagte Valcke: " Das öffentliche Interesse an Katar entwickelte sich nur, weil die WM dort stattfindet. Und was war die Kritik? Es ging nicht um Fußball, es ging nur um die FIFA und warum sie eine WM in ein Land bringt, das dies und das nicht tut. Wir können nicht dazu benutzt werden, dass wir, bevor wir die WM vergeben, die Welt besser machen."

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