1:6! Mainz geht in Anderlecht unter

Donnerstag, 03.11.2016 | 21:05 Uhr
Anderlecht feiert einen verdienten Sieg gegen Mainz
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Am 4. Spieltag der Europa League musste sich der FSV Mainz 05 dem RSC Anderlecht mit 1:6 (1:2) geschlagen geben. Damit verspielten die 05er ihre gute Ausgangsposition in Gruppe C und rutschten auf Platz drei ab.

Vor etwa 20.000 Zuschauern im Constant-Vanden-Stock-Stadion brachte Nicolae Stanciu den Gastgeber früh in Führung (9.). Nur sechs Minuten später erzielte Pablo de Blasis den Ausgleich. Kurz vor der Pause schoss abermals Stanciu das 2:1 für Anderlecht (41.).

Youri Tielemans besorgte in Minute 62 das 3:1 und somit die Entscheidung. In der Schlussphase fiel Mainz auseinander. Lukasz Teodorczyk (89.), Massimo Bruno (90+2.) und abermals Teodorczyk (90+4., HE) sorgten für den Endstand von 6:1.

Zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte bestritt Mainz ein Europapokalspiel im Monat November.

Anderlechts Trainer Rene Weiler wechselte erst im Sommer vom 1. FC Nürnberg nach Belgien. Gegen Mainz blieb das Team zum sechsten Mal in Folge auf europäischer Bühne ungeschlagen.

Die Reaktionen:

Martin Schmidt (Trainer FSV Mainz 05): "Wir sind heute hohes Risiko gegangen. Wir dachten bis zur 88. Minute, wenn wir eins machen, dann brennt es wieder. Das fünfte und das sechste Tor machen es dann viel schlimmer. Irgendwann ist es nicht mehr erklärbar."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Nach der 1:2-Pleite bei Waasland-Beveren gibt es bei Anderlecht drei Änderungen in der ersten Elf. Chipciu, Deschacht und Mbodji ersetzen Nuytinck, Badji und Capel.

Mainz-Trainer Schmidt stellt seine Startelf im Vergleich zum 2:0-Sieg gegen Ingolstadt auf zwei Positionen um. Hack und Jairo sitzen zu Beginn nur auf der Bank, stattdessen starten Balogun und Onisiwo.

4.: Stanciu lässt Gbamin im Mittelfeld mit einer technischen Finesse stehen und steckt den Ball durch auf Chipciu, der noch leicht von Balogun bedrängt wird und deshalb seinen Schuss von links aus spitzem Winkel nur an das Außennetz setzt.

8.: Eine starke Ecke köpft Cordoba völlig freistehend aus fünf Metern nur knapp neben die linke Stange.

9., 1:0, Stanciu: Chipciu schickt Stanciu auf dem rechten Flügel. Der Angreifer läuft einige Meter und will dann flanken. Seine Hereingabe fliegt scharf auf den Mainzer Kasten und Lössl, der schon den Schritt in die Mitte gemacht hatte, wird davon überrascht und kommt nicht mehr ran.

15., 1:1, de Blasis: Nach einem Einwurf von links in den Strafraum verlängert Mbodji unbedrängt in die Mitte des Sechzehners, wo de Blasis frei steht und mit einem Flachschuss Roef überwindet. Der Ball geht rechts unten ins Netz.

41., 2:1, Stanciu: Chipciu bekommt den Ball nach einem Mainzer Fehler auf rechts und spielt an die Strafraumgrenze zu Stanciu. Der Rumäne fackelt nicht lange und haut das Leder links unten ins Eck.

51.: Cordoba läuft rechts in den Strafraum und legt etwa 14 Meter vor dem gegnerischen Kasten quer auf de Blasis. Dem Argentinier verspringt der Ball leicht bei der Annahme und sein Schuss wird vom herauseilenden Roef pariert.

62., 3:1, Tielemans: Acheampong lässt drei Mainzer im Mittelfeld stehen und passt dann auf der linken Seite zu Hanni. Dessen Hereingabe rutscht Balogun in der Zentrale über den Fuß und landet bei Donati, der rechts im Strafraum ebenfalls einen Querschläger produziert. Das Leder landet bei Tielemans, der mittig aus 18 Metern mit einem wundervollen Schlenzer ins rechte untere Eck verwandelt.

67.: Brosinski flankt von der linken Seite scharf in den Rückraum, wo Malli bereit steht, aber aus Angst vor Deschachts Tackling seinen Schuss nicht voll durchzieht. Mit der Innenseite haut er den Ball aus 16 Metern knapp über den linken Winkel.

72.: Jairo bringt den Ball von links in die Mitte, doch Cordoba trifft den Ball im Fünfmeterraum nicht richtig. Anstatt im Tor landet sein Schuss genau in Roefs Armen.

89., 4:1, Teodorczyk: Nach einer Ecke von Capel setzt sich Teodorczyk gegen Balogun durch und nickt zum 4:1 für die Belgier ein.

90+2., 5:1, Bruno: Hanni scheitert nach einem Konter zunächst aus kurzer Distanz an Lössl, der kann den Ball aber nicht festhalten und Hanni spitzelt die Kugel weiter zum eingewechselten Bruno, der nur noch einschießen muss.

90.+4., 6:1, Teodorczyk (HE): Bell springt der Ball im Strafaum an die Hand und es gibt Elfmeter für Anderlecht. Teodorczyk lässt sich nicht zweimal bitten und verwandelt sicher links unten.

Fazit: In einem lange Zeit relativ ausgeglichenen Spiel, das von etlichen individuellen Fehlern geprägt war, zerfiel Mainz in den letzten Minuten in seine Einzelteile. Der größte Unterschied zwischen dem RSC und dem FSV war die beeindruckende Kaltschnäuzigkeit der Belgier.

Der Star des Spiels: Nicolae Stanciu. Der Rumäne bewies gnadenlose Effizienz und schoss Anderlecht mit seinen beiden Treffern auf die Siegerstraße. Auch ansonsten war Stanciu ein belebendes Element.

Der Flop des Spiels: Jonas Lössl. Mit seinem kapitalen Fehler vor dem 0:1 aus Mainzer Sicht erwies er seiner Mannschaft einen Bärendienst. Auch beim Treffer zum 1:4 war er nicht unschuldig. Auszeichnen konnte sich Lössl nicht, immer wieder wirkte er unsicher und kassierte insgeamt sechs Gegentore.

Der Schiedsrichter: Andreas Ekberg (Schweden). Der Unparteiische hatte das Spiel zwar weitestgehend im Griff, entschied einige Zweikampfsituationen aber nicht wirklich konsequent. Ekberg unterliefen jedoch keine entscheidenden Fehler. Die Elfmeterentscheidung in der Nachspielzeit war zwar hart, aber wohl auch vertretbar.

Das fiel auf:

  • Mainz spielte bei eigenem Ballbesitz in einem klassischen 4-2-3-1-System. Griff der Gegner an, schoben die beiden Flügelspieler Onisiwo und de Blasis etwas nach hinten und bildeten eine zweite Viererkette. Malli und Cordoba störten das gegnerische Aufbauspiel.
  • Malli gab bei Mainz auf der Zehn den Freigeist. Er agierte flexibel, ließ sich auch mal auf die Flügel fallen oder kurbelte das Spiel aus der Tiefe an. Wirklich gefährliche Aktionen konnte aber auch er lange nicht kreieren; erst in der zweiten Halbzeit kam Malli in Abschlusspositionen.
  • Mainz versuchte in der ersten Halbzeit, das Spiel zu machen und hatte auch mehr Ballbesitz als der Gastgeber. Anderlechts Ausrichtung bestand darin, nach Ballgewinn schnell umzuschalten und den Weg in die Tiefe zu suchen. So entstand unter anderem der Treffer zum 2:1.
  • Beide Defensivreihen - aber speziell die der Mainzer - leisteten sich erstaunlich viele individuelle Schnitzer, was im Aufbauspiel zu etlichen frühen Ballverlusten führte. Auch das defensive Umschaltverhalten klappte in der Folge selten optimal, beiden Teams boten sich oft viel zu große Räume in gefährlichen Regionen. Anderlecht nutzte diese konsequenter aus.
  • Mainz wachte erst nach dem 1:3 kurzzeitig auf und erarbeitete sich einige Chancen. Diese vergaben die 05er aber teils kläglich. In den letzten Minuten brachen die 05er dann komplett auseinander und ergaben sich mehr oder weniger kampflos ihrem Schicksal.

RSC Anderlecht - FSV Mainz 05: Die Statistik zum Spiel

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