Türkei bejubelt Viertelfinal-Einzug

"Wir haben es der Welt gezeigt!"

SID
Montag, 16.06.2008 | 14:10 Uhr
EM, Türkei
© Getty
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Genf - Die Spieler trugen ihren Trainer auf Händen, der überglückliche Fatih Terim forderte seine Landsleute zum kollektiven Jubel auf und die völlig deprimierten Tschechen konnten ihr Pech nicht fassen.

"Wir haben der Welt gezeigt, was wir können. Jetzt geht auf die Straßen und feiert!", sagte der türkische Coach nach dem dramatischen und nicht mehr für möglich gehaltenen 3:2(0:1)-Erfolg über Tschechien und dem zweiten EM-Viertelfinaleinzug in der türkischen Fußball-Geschichte.

"Das ist unglaublich. Die Gefühle sind enorm und nicht zu beschreiben", meinte Mittelstürmer Nihat, der sich und sein Team nach einem 0:2-Rückstand mit zwei Treffern in der 87. und 89. Minute ins Rampenlicht der großen Fußball-Bühne schoss.

"Wollen in Wien bleiben" 

Tausende rotgekleidete und Fahnen schwenkende türkische Fußball-Fans strömten daraufhin in vielen Ländern auf die Straßen und feierten den außergewöhnlichen Sieg ihrer Mannschaft, die nun am nächsten Freitag in der Runde der letzten acht Teams gegen Kroatien um den ersten Einzug in ein EM-Halbfinale kämpft.

"Wir gehen jetzt nach Wien und wollen dort auch bleiben", versprach Terim, der mit diesem Erfolg endgültig zum König vom Bosporus aufgestiegen ist und seinen größten Triumph mit dem Nationalteam feierte.

Türkische Zeitungen feierten die Auswahl überschwänglich. "Das ist wie ein Heldenepos", titelte "Milliyet". Und "Fanatik" schrieb: "Ein solches Spiel hat es in der Geschichte des Fußballs noch nicht gegeben."

Matchwinner für die Türken war Spanien-Profi Nihat Kahveci vom FC Villarreal. "Bis heute habe ich viele Tore geschossen, aber das heute war etwas ganz Besonderes", sagte der Mannschaftskapitän, dessen Glück das große Pech von Petr Cech war.

Ausgerechnet einer der weltbesten Torhüter leistete sich beim Ausgleichstreffer einen schweren Fauxpas, als er den nassen und glitschigen Ball nach einer Flanke durch die Hände rutschen ließ und Nihat so den Ausgleich ermöglichte. "Ich dachte, ich bekomme den Ball im Nachfassen. Aber dann stand plötzlich dieser Spieler da", sagte der Torhüter vom FC Chelsea London und ergänzte, "Das passt zu meiner scheiß Saison".

Und es kam noch schlimmer: Nur 120 Sekunden später gelang dem einzigen echten türkischen Angreifer mit einem sehenswerten Schuss der Siegtreffer.

Desolat in Hälfte eins 

Nach der desolaten Vorstellung der Türkei im ersten Abschnitt, als Jan Koller in seinem 90. Länderspiel die Tschechen mit 1:0 in Führung schoss und Jaroslav Plasil später sogar noch auf 2:0 erhöhte, konnte niemand mehr mit dieser Leistungssteigerung rechnen.

Als der Himmel über dem Genfer See seine Schleusen öffnete und heftige Regengüsse über das Stade de Geneve niedergingen, drehten die Türken wie schon zuvor in der "Wasserschlacht von Basel" beim 2:1-Sieg gegen die Schweiz die Partie. Zunächst traf wieder Arda, dann Nihat. Terim hatte sein Team zuvor extra auf einen stark gewässerten Rasenplatz trainieren lassen, um sie besser auf die bevorstehenden Bodenverhältnisse vorzubereiten.

Zudem änderte der Coach nach der Pause seine Taktik und nahm einige Umstellungen vor. "Der Trainer hat uns einen Arschtritt verpasst. Das war auch nötig. Das und die taktischen Umstellungen waren ausschlaggebend", sagte Bundesligaprofi Hamit Altintop, der mit seiner Leistung maßgeblich am Erfolg beteiligt war und nun auf einen weiteren Coup hofft.

"Das ist unfassbar"

"Die Kroaten haben eine sehr erfahrene Mannschaft. Aber wenn wir den Ball gut laufenlassen, dribbeln und schießen, dann bin ich sehr optimistisch. Ich glaube fest, dass wir weiterkommen können." Allerdings fehlen den Türken im Viertelfinale neben einigen verletzten Spielern auch der in der Schlussphase des Feldes verwiesene Torhüter Volkan und Mehmet Aurelio (Gelbsperre).

Die Tschechen hingegen konnten ihr Unglück kaum fassen. "Ich werde viele Nächte nicht schlafen können", sagte der 68 Jahre alte Trainer Karel Brückner nach seinem letzten Spiel als Nationaltrainer. Auch David Jarolim vom Hamburger SV war untröstlich. "Das ist unfassbar. Wir standen mit einem Bein im Viertelfinale und dann das".

So diskutierten die mySPOX-User nach dem Spiel

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