Mittwoch, 11.06.2008

Gruppe A, 2. Spieltag

Ronaldos Geniestreiche bringen den Sieg

München/Genf - Portugal hat im zweiten Spiel der Gruppe A den zweiten Sieg gelandet, Tschechien mit 3:1 (1:1) geschlagen und steht damit bereits als Gruppensieger fest.

Die Tore für den EM-Finalisten von 2004 erzielten Deco (8.) sowie Cristiano Ronaldo (63.) und Ricardo Quaresma (90.+1.).

Vor 29.000 Zuschauern im ausverkauften Stade de Geneve gelang Libor Sionko per Kopfball der zwischenzeitliche Ausgleich (17.). In der zweiten Partie des Tages warf die Türkei Gastgeber Schweiz durch einen 2:1-Erfolg aus dem Turnier.

Dadurch kommt es am letzten Spieltag zum Endspiel um Platz zwei zwischen der Türkei und Tschechien. Sollte diese Partie nach 90 Minuten remis enden, findet auf Grund von Punkt- und Torgleichheit beider Teams unmittelbar nach dem Schlusspfiff ein Elfmeterschießen statt.

Unterdessen wurde bekannt das Portugals Coach Luiz Felipe Scolari zur kommenden Saison neuer Coach beim FC Chelsea wird.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Bei Tschechien sitzt überraschend Jan Koller nur auf der Bank. Für ihn darf Milan Baros als einzige Sturmspitze ran.

8.: 0:1, Deco. Ronaldo spielt am Sechzehnmeterraum Doppelpass mit Nuno Gomes und steht dann allein vor Cech. Beim Versuch, Cech zu umkurven, bleibt Ronaldo hängen. Vom tschechischen Keeper prallt der Ball aber nach links ab, wo Deco steht und die Kugel über die Linie stochert.

17.: 1:1, Sionko. Plasil bringt die Ecke von rechts an den Fünfmeterraum, wo Sionko von hinten anrauscht und die Kugel wuchtig einköpft. Petit hat geschlafen.

24.: Deco mit einer klasse Einzelaktion. Er zieht von links nach innen und sucht aus 20 Metern den Abschluss. Knapp rechts oben vorbei.

42.: Ronaldo erobert sich die Kugel und hält sofort mit links drauf. Cech reagiert stark.

48.: Dicke Möglichkeit für Tschechien. Sionko wird auf Rechts freigespielt und ist im Strafraum. Scharfe Hereingabe, doch in der Mitte verpasst Baros.

55.: Pass in die Tiefe von Moutinho, Fehler von Rozehnal. Gomes setzt sich durch und schießt aufs kurze Eck. Wieder pariert Cech zur Ecke, die abermals nichts einbringt.

62.: Wieder Ecke von Plasil von rechts auf den kurzen Pfosten. Dort steigt Ujfalusi hoch und köpft knapp links neben das Tor.

63.: 1:2, Ronaldo. Schöner Pass nach Rechtsaußen, wo Deco völlig freisteht. Der zieht nach innen, behält die Übersicht und passt an den Strafraum zurück. Ronaldo zieht direkt ab und versenkt die Kugel links unten.

83.: Riesengelegenheit für Tschechien. Langer Ball von rechts von Plasil auf Sionko, der im Strafraum freisteht, aber über das Tor köpft. Das hätte es sein müssen.

90.+1.: 1:3, Quaresma. Schnell ausgeführter Freistoß im Mittelfeld. Ronaldo ist gestartet und steht alleine vor Cech. Pass nach links, wo Quaresma nur noch einschieben muss.

So lief das Spiel: Nichts zu sehen von Portugals Ballsicherheit aus dem Türkei-Spiel. Viele Fehlpässe, Ungenauigkeiten und leichte Fehler. Da die Tschechen in nichts nachstanden, eine recht zerfahrene erste Halbzeit. Portugal meist gefährlich durch Einzelaktionen von Deco oder Ronaldo. Tschechien mit den besten Möglichkeiten nach Standards oder wenn Sionko alleine los zog.

In Durchgang zwei deutlich mehr Drive in der Partie. Tschechien wurde in die eigene Hälfte gedrängt und war nur noch gefährlich, wenn's schnell ging. Portugal darum bemüht, das Tempo hochzuhalten und Tschechien frühzeitig zu attackieren. Nach dem 1:2 agierte die Brückner-Elf wieder deutlich mutiger. Portugal wirkte nicht sattelfest und schaffte die endgültige Entscheidung erst in der Nachspielzeit.

Der Star des Spiels: Deco. Der kleine Spielmacher zwar nicht alles überragend, in den entscheidenden Momenten aber eben da. Stark sein Durchetzungsvermögen beim ersten Treffer, grandios seine Übersicht beim Tor von Ronaldo. Auch wenn sich Deco dieses Mal den ein oder anderen Fehlpass leistete, war er der beste Mann auf dem Platz.

Die Gurke des Spiels: Portugals Schwäche bei gegnerischen Standards. Tschechien relativ limitiert im Spiel nach vorne, bei Standards aber immer gefährlich. Ricardo segelte ein ums andere Mal völlig planlos durch den Strafraum. Blieb Portugals Keeper auf der Linie, ließen sich seine Verteidiger regelmäßig überspringen oder reagierten zu langsam, wie Petit beim 1:1.

Die Lehren des Spiels: Tschechien vollzog den Kurswechsel: Weg von Koller und langen hohen Bällen, hin zu drei schnellen Offensivkräften und dadurch mehr Variation im Angriff. Vor allem Sionko profitierte von den vielen Positionswechseln, stieß auch mal durch die Mitte in die Schnittstelle der Viererkette. Dennoch: Den Tschechen fehlt ein starker Individualist, der durch eine Einzelaktion ein Spiel alleine entscheiden kann.

Davon haben die Portugiesen mehr als genug. Das Problem gegen die Tschechen: Deco und Ronaldo wollten es alleine erzwingen. Kaum gezielte Angriffe über die sonst so offensivstarken Außen, kaum Direktspiel im Mittelfeld, kaum schnelle Spielverlagerung. Simao und vor allem Ronaldo zogen immer wieder viel zu früh in die Mitte und wurden dann von den Tschechen mit zwei Mann gestellt. Dennoch ist diese geballte individuelle Stärke über 90 Minuten einfach nicht zu kontrollieren.

Daniel Börlein / Haruka Gruber

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