Ein Spiel Sperre

Team-Schelte für Schweinsteiger

SID
Freitag, 13.06.2008 | 13:13 Uhr
EM 2008, Fussball, Deutschland, Schweinsteiger, Rote Karte
© DPA
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Tenero - Erst zeigte Rotsünder Bastian Schweinsteiger den Kroaten noch den Vogel, dann verdrückte er sich wortlos durch einen Seitenausgang des Wörthersee-Stadions in den Mannschaftsbus. Dafür machten die Teamkollegen unverhohlen ihrem Ärger Luft.

"Es ist immer unnötig, wenn man sich provozieren lässt und Rote Karten kassiert, die vermeidbar sind. Er ist ein junger Spieler, aber er ist mit über 50 Länderspielen auch erfahren genug, dass ihm das nicht passieren sollte", war Kapitän Michael Ballack mächtig sauer: "Und nicht nur ich als Kapitän."

Schweinsteiger wird dem deutschen Team beim entscheidenden EM-Gruppenspiel am Montag gegen Österreich fehlen.

Ein Spiel Sperre 

In einem möglichen Viertelfinale wäre der Mittelfeldspieler aber wieder einsatzbereit. Wie der DFB in Tenero mitteilte, verhängte die UEFA ein Spiel Sperre als Strafe für die Rote Karte des Nationalspielers beim 1:2 gegen Kroatien.

Damit wertete der Verband Schweinsteigers Stoß in der Nachspielzeit gegen Jerko Leko nach einem Foul als Unsportlichkeit und nicht als Tätlichkeit.

Keine Entschuldigung beim Team

Erst am Tag nach dem Blackout beim 1:2 beendete Schweinsteiger sein Schweigen - wenn auch nicht direkt.

"Der Platzverweis ist natürlich frustrierend. Aber ich habe nach dem Tritt von hinten in meinen ohnehin schon lädierten Knöchel einen stechenden Schmerz verspürt und dann falsch reagiert", ließ der Mittelfeldspieler seine Rechtfertigung über den DFB verbreiten.

Eine öffentliche Entschuldigung an die enttäuschten Mannschaftskameraden und den Bundestrainer blieb zunächst aus.

Schweinsteiger ließ sich provozieren

"Wir haben vor dem Spiel gesagt, wir dürfen uns nicht provozieren lassen", monierte Joachim Löw, wollte aber den Sünder nicht völlig abstrafen. Nach dem Foul von Jerko Leko drehte sich Schweinsteiger postwendend um und revanchierte sich mit einem Stoß.

Auf dem Weg Richtung Kabine fühlte sich der 23-Jährige dann noch von der kroatischen Bank provoziert, ließ sich zu der abfälligen Geste hinreißen und tippte sich - von den TV-Kameras eingefangen - mit dem Zeigefinger gegen die Stirn.

Keine Ausreden

"Schweini darf sich nicht provozieren lassen", ärgerte sich auch Torsten Frings, wenngleich sich der Bremer auch etwas mehr "Fingerspitzengefühl" vom Unparteiischen gewünscht hätte. Doch das wollte keiner im Team als Ausrede gelten lassen.

"Er kam rein und wollte das Spiel umbiegen, aber so darf er nicht reagieren", meinte Miroslav Klose nach der ersten Roten Karte für den DFB bei einem Turnier seit zehn Jahren. Damals war Christian Wörns bei der WM in Frankreich vom Platz geflogen, in Unterzahl hatte Deutschland im Viertelfinale gegen Kroatien alle Hoffnungen begraben müssen.

Schweini vor dem Karriere-K.o.

Nun droht das Aus bei der EM 2008. Schweinsteiger fehlt beim schweren Kampf gegen den dritten Vorrunden-K.o. nach 2000 und 2004. "Da haben wir jetzt eine Option weniger in den nächsten Spielen. Das trifft uns, weil er ein guter und wichtiger Spieler ist", beklagte Ballack.

Irgendwie passte die Rote Karte ins Bild einer bislang für ihn frustrierenden EM, die zu einem Karriereknick werden könnte. Während er im Verein den Stammplatz an Franck Ribery verloren hatte, lief ihm im Nationalteam ausgerechnet der einstige WM-Kumpel Lukas Podolski links im Mittelfeld den Rang ab.

Nach seiner 14. Einwechslung im DFB-Trikot war Schweinsteiger aber gegen Kroatien auf dem besten Weg, sich zurück ins Team zu spielen. Doch vor den Augen seiner Freundin Sarah auf der Tribüne beendete der Mann, der den oft unbeherrschten Zinedine Zidane als Vorbild hat, seinen 24-minütigen Kurzauftritt selbst mit einer Dummheit.

Podolski verletzt

Für das entscheidende letzte Gruppenspiel gegen Gastgeber Österreich hat Löw Veränderungen in der Startelf angekündigt: "Es gibt Überlegungen, dass wir auf der einen oder anderen Position etwas ändern werden. Und müssen", so der Bundestrainer auf der Pressekonferenz.

Philipp Lahm, Lukas Podolski und Marcell Jansen sind verletzt. "Podoslski hat eine Kapselverletzung im Sprunggelenk, er konnte heute morgen nicht einmal laufen", so Löw weiter. 

An ein Aus in der Vorrunde will Löw nicht denken und gibt sich kämpferisch: "Wir werden nicht ausscheiden, wir sind stark genug, um die Punkte zu holen für das Viertelfinale."

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