Freitag, 13.06.2008

EM 2008

Bundestrainer Löw am Scheideweg

Tenero - Erstmals in seiner Amtszeit steht Joachim Löw richtig unter Druck, aber die ganze Dimension des Gruppen-Endspiels gegen Österreich will der Bundestrainer nicht an sich heranlassen.

EM 2008, Fussball, Deutschland, Löw
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Als am Tag nach dem 1:2-Schock gegen Kroatien erwartungsgemäß die Frage kam, ob er seinen Weg als DFB-Chefcoach auch bei einem Vorrunden-K.o. in Wien weitergehen würde, antwortete Löw: "Das ist eine Frage, die sie mir so natürlich nicht stellen dürfen. Wir denken nicht an Dinge, die möglicherweise passieren könnten."

Unsanfter Fall von Wolke sieben

Ausscheiden, Rücktritt, Entlassung - die Eigendynamik und Wucht des Ergebnis-Fußballs bei einem großen Turnier wie WM oder EM holte den beliebten und allseits geschätzten Klinsmann-Nachfolger quasi über Nacht ein.

Nach dem 2:0 gegen Polen schwebte Fußball-Deutschland auf Wolke sieben - nur wenige Tage später steht auch Löw in Wien am Scheideweg. Abreise oder Weiterreise nach Basel zum Viertelfinale gegen Portugal, der Grat ist schmal geworden. "Jetzt gibt es eine Drucksituation - absolut", gestand Löw ein.

Kämpferischer Krisenmanager

Nachdem er in Klagenfurt nach seiner bislang bittersten und folgenschwersten Niederlage geschockt und im ersten Moment sogar ratlos wirkte, präsentierte sich der Schwarzwälder nur 17 Stunden später auf dem Podium im DFB-Medienzentrum in Tenero als kämpferischer Krisenmanager.

"Wir werden nicht aus dem Turnier ausscheiden", versprach er. Die Schmach von Cordoba - sie soll und wird sich aus Sicht von Löw 30 Jahre danach nicht wiederholen.

Erste Unkenrufe

Von DFB-Präsident Theo Zwanziger gab es eine Job-Garantie für den bis zur Weltmeisterschaft 2010 vertraglich gebundenen Nationalcoach. "Die Mannschaft war mit Joachim Löw erfolgreich und wird mit ihm wieder erfolgreich sein, egal, wie es am Montag ausgeht", versicherte Zwanziger am Freitag.

So waren die Voraussetzungen aber auch vor vier Jahren, als Rudi Völler - trotz Kontraktes bis zur WM 2006 - in Portugal noch in der Nacht nach dem Vorrunden-K.o. gegen Tschechien persönlich die Konsequenzen zog und das Handtuch warf.

Rückendeckung für Löw

Derartige negative Gedanken muss Löw jetzt beiseiteschieben. Der Weg, den sein Vorgänger und damaliger Partner Jürgen Klinsmann 2004 einschlug und den er nach der WM 2006 konsequent fortgeführt hat, soll nicht enden. "Wir sind von ihm überzeugt", betonte Löw.

Tatsächlich besteht ja immer noch viel mehr Grund zum Optimismus als zum Pessimismus. Schon ein Punkt reicht gegen Österreich, und die "Bergtour 2008" würde im Viertelfinale gegen die Portugiesen unter wiederum ganz anderen Vorzeichen weitergehen.

Löw ließ wissen, dass auch er persönlich seine Schlüsse aus dem Rückschlag gegen die Kroaten ziehen will. Auch er werde sich hinterfragen, "alle haben Fehler gemacht".

Zum zweiten Mal maßlos enttäuscht

Erst zum zweiten Mal war es ihm nicht gelungen, die Mannschaft nach etwas Erreichtem zur Bestleistung und hundertprozentigen Einstellung zu pushen. Ähnlich war es beim 0:3 gegen Tschechien im vergangenen Oktober gewesen, als die Nationalmannschaft vier Tage nach der zuvor geschafften EM-Qualifikation die höchste der bislang nur drei Niederlagen in den 24 Länderspielen unter ihm erlitt.

Seine Marschroute, von der er total überzeugt ist, wird Löw aber nicht verlassen, wie er in von ihm so noch nicht gehörten Parolen verdeutlichte. "Ich bin nicht der Trainer, der sagt, wir müssen jetzt Gras fressen", sagte er zur Besinnung auf die "deutschen Tugenden", wie sie Kapitän Michael Ballack anmahnte.

"Wir werden nicht alles über den Haufen werfen." Das "Endspiel" von Wien, das 13 Tage vor dem angestrebten echten EM-Finale stattfindet, ist auch eines für ihn geworden. Aber Löw will es im Löw-Stil gewinnen. "Wir werden nicht von unserem Kurs abweichen. Ich will spielerische Lösungen."


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