Freitag, 30.05.2008

Problemzonen im DFB-Team

Die Suche nach dem Feinschliff

Gelsenkirchen - Am Ende waren die Beine schwer. Zu schwer sogar für einen Gegner wie Weißrussland, Nummer 60 der Weltrangliste.

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© Getty

Das 2:2 vom vergangenen Dienstag hinterließ vor der Generalprobe gegen Serbien (Sa., 17.15 Uhr im SPOX-TICKER) einige Fragen. Die meisten davon beantworteten die DFB-Kicker und -Verantwortlichen mit einer schlichten, aber einleuchtenden Erklärung: "wir waren platt", war neben dem "ich weiß es nicht, ich lasse mich überraschen" der Wackelkandidaten die meist verwendete Floskel.

In der Tat ließ Joachim Löw seine Jungs im Trainingslager auf Mallorca mindestens zweimal am Tag antreten und schraubte die Intensität der Einheiten auf ein außergewöhnlich hohes Maß.

Den anstrengenden Teil der Vorbereitung haben die EM-Fahrer mittlerweile hinter sich, seit Mittwoch arbeitet das Team am so genannten Feinschliff. "Ab jetzt geht es nur noch um taktische Dinge", sagte Löw.

Dass in diesem Bereich noch einiges aufzuarbeiten und zu verbessern ist, zeigte nicht zuletzt der Test gegen die Weißrussen.

SPOX.com zeigt die Problemzonen der deutschen Mannschaft und mögliche neue Varianten.

Die linke Abwehrseite

Natürlich war Thomas Hitzlsperger als linker Verteidiger in der Abwehrkette nicht mehr als eine Verlegenheitslösung. Gesetzt ist dort Marcell Jansen, der zusammen mit Bastian Schweinsteiger das Pärchen auf links bilden wird.

In der Vorwärtsbewegung klappte das Zusammenspiel der beiden Bayern zuletzt Ende März beim 4:0 gegen die Schweiz schon ganz gut. Im Defensivverhalten klafften jedoch immer wieder große Lücken. Vor allem, weil die Abstimmung noch nicht passt.

Schweinsteiger rückt nicht schnell genug nach hinten, um seinen Partner zu unterstützen und produziert in Strafraumnähe immer noch zu viele Fouls, aus denen sich dann gefährliche Standardsituationen für den Gegner ergeben.

Die Abstimmung in der Viererkette

Der Müdigkeit waren viele ungewohnte Abstimmungsprobleme zwischen Per Mertsacker und Christoph Metzelder in der Innenverteidigung beim Weißrusslandspiel geschuldet. Das Zusammenspiel mit Hitzlsperger klappte fast nie.

Nun wird der gelernte Verteidiger Jansen dort Abhilfe schaffen können. Im Zentrum aber standen Mertesacker und Metzelder zu oft vertikal und horizontal nicht auf einer Linie, beziehungsweise nicht im richtigen Abstand zueinander. Folge war unter anderem das Gegentor zum 1:2.

"Die Basics sind schon da", sagt Co-Trainer Hansi Flick. Basics allein reichen aber nicht. Auch hier besteht noch Handlungsbedarf.

Spielverlagerungen

Nur Bastian Schweinsteiger und ganz selten auch Torsten Frings versuchten den Seitenwechsel, um das Spiel aufzureißen und dem schnellen Odonkor den nötigen Platz für dessen Sprinteinlagen auf der rechten Seite zu verschaffen.

Zum Beispiel besteht das Spiel der Spanier zu großen Teilen aus plötzlichen Spielverlagerungen, um dann mit dem gewohnt sicheren Kurzpassspiel die Überzahlsituation auszunutzen und bis zur Grundlinie vorzudringen.

Die Standards

Das leidige Thema der DFB-Elf. Weder Schweinsteiger noch Frings konnten mit ihren Ecken und Freistößen für Gefahr sorgen. Einen echten Spezialisten hat die deutsche Elf dafür nicht in ihren Reihen. Mit Abstrichen noch Piotr Trochowski, doch dessen Einsatzzeit wird sich im überschaubaren Rahmen bewegen.

Umso mehr muss auf einstudierte Varianten Wert gelegt werden. Bisher war davon allerdings kaum etwas zu sehen. Seit Jahren schon darbt der Einfallsreichtum bei deutschen Standards. Für europäisches Toplevel ein ungenügender Zustand.

Tempowechsel

Das deutsche Spiel folgt zu oft einem bestimmten Rhythmus. Das kann ein Vorteil sein, wenn zum Beispiel schon früh und tief in der gegnerischen Hälfte Druck aufgebaut werden soll.

Gegen spielstarke Gegner muss in 90 (oder mehr) Minuten aber auch das Tempo variiert werden. Anschauungsunterricht diesbezüglich boten die Italiener im WM-Halbfinale vor zwei Jahren mit ihrem Regisseur Andrea Pirlo. Frings und Michael Ballack stehen dabei in der Pflicht.

Die Abseitsfalle

Ein sehr vernachlässigtes taktisches Mittel im deutschen Spiel. Zwar hat die Abseitsfalle im Laufe der Jahre viel von ihrer Wirkung verloren. Ab und an eingestreut, ist sie aber immer noch ein probates Mittel, besonders bei schnellen Gegenstößen des Gegners.

Sie bedarf aber einer eindringlichen Trainingsphase und einer perfekt aufeinander abgestimmten Viererkette. Im Testspiel gegen die Schweiz funktionierte die Abseitsfalle gut, Per Mertesacker ist Auslöser und gibt die Kommandos.

Für SPOX.com in Gelsenkirchen: Stefan Rommel

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