Gruppe C, 3. Spieltag

Italien hat's doch noch geschafft

Von Stefan Moser / Andreas Allmaier
Dienstag, 17.06.2008 | 22:40 Uhr
em 2008, fußball, frankreich, italien, pirlo, perrotta, grosso, jubel, azzurri, cassano
© Getty
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München/Zürich - Weltmeister Italien hat sich durch ein 2:0 (1:0) gegen Frankreich am letzten Spieltag der Gruppe C einen Platz im Viertelfinale gesichert.

Im mit 30.000 Zuschauern ausverkauften Letzigrund in Zürich erzielten Andrea Pirlo (25.) per Foulelfmeter und Daniele De Rossi (62.) per Freistoß die Treffer für Italien.

Frankreich musste bereits ab der 10. Minute ohne Franck Ribery auskommen. Der Bayern-Spieler wurde nach einem Zweikampf mit Gianluca Zambrotta mit Verdacht auf Unterschenkelbruch in ein Krankenhaus gebracht. Eric Abidal sah nach einer Notbremse gegen Luca Toni in der 24. Minute die Rote Karte von Schiedsrichter Lubos Michel.

Als Zweiter der Gruppe C trifft Italien am Sonntag in Wien auf Spanien, den Sieger der Gruppe D.

Der SPOX-Spielfilm:

4.: Erste Chance für Italien! Abidal verschätzt sich und kann einen langen Ball von Pirlo nicht klären. Toni setzt sich durch und zieht aus 16 Metern ab. Doch der Ball geht knapp links vorbei.

10.: Das sieht überhaupt nicht gut aus für Ribery. Der Franzose foult Zambrotta, bleibt dabei mit den Stollen im Rasen hängen und liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen. Er muss vom  Feld, für ihn kommt Nasri ins Spiel.

24.: Elfmeter und Rot für Abidal! Der Franzose verliert erneut einen Zweikampf gegen Toni und kann sich nur mit einer Notbremse im Strafraum helfen. Klare Sache: Elfmeter für Italien, Platzverweis für Abidal. Bitter für Frankreich!

25., 1:0, Pirlo: Pirlo legt sich den Ball auf den Punkt und versenkt souverän links oben. Keine Chance für Coupet.

26.: Kurzer Auftritt für Nasri. Der Jung-Star muss nach 16 Minuten wieder runter. Boumsong kommt für ihn und übernimmt die Position in der Innenverteidigung.

34.: Ein Lebenszeichen der Franzosen! Toller Pass von Toulalan auf Henry. Der Stürmer setzt sich gegen Chiellini durch und zieht aus 16 Metern ab. Doch die Kugel geht knapp links vorbei.

44.: Pfosten! Freistoß Italien aus 22 Metern. Grosso knallt den Ball flach ins Torwart-Eck. Coupet macht sich lang und lenkt den Ball noch an den linken Pfosten!

45.: Gelb für Pirlo nach einem taktischen Foul an Benzema. Damit fehlt Pirlo im Viertelfinale.

 

54.: Auch Gattuso sieht Gelb. Damit fehlt auch er im Viertelfinale.

62., 2:0, De Rossi: De Rossi schießt aus 30 Metern einen Freistoß flach aufs Tor. Henry fälscht in der Mauer den Ball mit der linken Fußspitze unhaltbar für Coupet ins Tor ab.

79.: Frankreich rennt an, findet aber kein Mittel gegen die italienische Abwehr. Die Messe ist hier wohl gelesen.

90.: Noch mal die Italiener! Cassano spielt auf Toni. Der knallt die Kugel aus 17 Metern an die Latte.

So lief das Spiel: Extrem chaotische Anfangsphase: Frankreich präsenter und aggressiver im Mittelfeld mit deutlich mehr Ballbesitz. Italien aber gefährlich mit langen Bällen von Pirlo auf Toni. Nach sieben Minuten dann der Schock für die Franzosen mit der schweren Verletzung von Ribery. Damit riss der Faden im Spiel der Franzosen. Nach dem erneuten Nackenschlag für die Equipe Tricolore durch Rückstand und Platzverweis für Abidal übernahm Italien endgültig die Kontrolle und erspielte sich zahlreiche Torchancen. Erst kurz vor der Pause fand Frankreich langsam wieder zurück ins Spiel.

Nach der Halbzeit versuchten die Franzosen, die Partie mit viel Engagement noch zu drehen, ohne allerdings zu zwingenden Chancen zu kommen. Nach dem 0:2 war die weiter ziemlich fahrige Partie entschieden. Italien verwaltete die Führung letztlich souverän.

Der Star des Spiels: Andrea Pirlo. Praktisch jeder Angriff lief über den unumstrittenen Chef im italienischen Mittelfeld. Auch wenn der 29-Jährige auf ungewohnter Position im linken Mittelfeld kleinere Schwächen in der Defensive zeigte, sind seine chirurgisch präzisen Pässe auf Luca Toni in der Spitze die stärkste Waffe der Italiener. Mit dem souverän verwandelten Elfmeter krönte Pirlo seine bärenstarke Leistung.

Die Gurke des Spiels: Das Letzi-Mobil. Im Züricher Letzigrund ersetzt das Letzimobil die traditionelle Trage beim Krankentransport. Seinen Auftritt hatte das hässliche Elektrogefährt, als Franck Ribery in der 9. Minute mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Rasen gebracht wurde. Der Franzose war bis dahin bester Mann auf dem Platz. Nun lautet der Verdacht: Unterschenkel-Fraktur. Wir wünschen gute Besserung.

Die Lehren des Spiels: Das Wichtigste vorweg: Die Niederlande schenkte gegen Rumänien nicht ab, so kam es zur sportlich fairen Entscheidung im Endspiel.

Frankreich ist raus, und nun wird es allerhöchste Zeit für einen Umbruch in der Equipe Tricolore. Vor allem auf der Trainerposition. Raymond Domenech traf auch gegen Italien wieder die eine oder andere merkwürdige Entscheidung wie etwa die Aufstellung von Abidal in der Innenverteidigung, die auch prompt nach hinten losging. Auch die Auswechslung von Nasri konnte nicht jeder so nachvollziehen. Insgesamt wirkte Domenech nach dem Platzverweis auch in seiner Körpersprache ziemlich hilflos.

Italien war mal wieder da, als es wirklich darauf ankam. Nach der Führung spielte die Elf von Roberto Donadoni auch eine bärenstarke und selbstbewusste Viertelstunde. Mit Gattuso und Pirlo fallen für das Viertelfinale gegen Spanien aber zwei Schlüsselspieler gelbgesperrt aus. Vor allem das Fehlen von Pirlo wird schwer zu kompensieren sein. Gegen Frankreich ging praktisch jede Offensivaktion vom 29-Jährigen aus. Eine Lösung für die Rolle hinten den Spitzen ist dagegen nicht in Sicht. Diesmal versuchte sich Perrotta als Regisseur, konnte aber ebenso wenig überzeugen wie Camoranesi gegen Rumänien.

Die Dreierkette im Mittelfeld wirkte vor allem auf den Flügeln zudem nicht immer sicher in der Defensive. Man darf gespannt sein, wie sie mit dem spielstarken Fünfer-Mittelfeld der Spanier zurecht kommen wird.

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