Oranje überrennt auch Frankreich

Von Florian Bogner / Haruka Gruber
Freitag, 13.06.2008 | 22:40 Uhr
© Getty
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München/Bern - Die Niederlande haben sich mit einem beeindruckenden 4:1 (1:0)-Erfolg über Vize-Weltmeister Frankreich den Sieg in der Killer-Gruppe C gesichert und den Franzosen damit ein ungewolltes Endspiel gegen Italien beschert.

Vor 30.777 Zuschauern im ausverkauften Stade de Suisse in Bern erzielten Dirk Kuyt (10.), die eingewechselten Robin van Persie (59.) und Arjen Robben (72.) sowie Wesley Sneijder (90.+2) die Tore für das Oranje-Team. Thierry Henry gelang zwischenzeitlich nur der Anschluss für die schwache Equipe Tricolore (71.).

Dank des zweiten Erfolgs im zweiten Vorrundenspiel ist die Elftal nicht mehr von Platz eins zu verdrängen und trifft im Viertelfinale auf den Zweitplatzierten der Gruppe D.

Nach dem 1:1 zwischen Italien und Rumänien im anderen Gruppenspiel muss Frankreich nun die letzte Vorrundenpartie gegen Italien gewinnen und auf Schützenhilfe der Niederlande gegen Rumänien hoffen, um ins Viertelfinale einzuziehen.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Domenech wechselt im Vergleich zum Rumänien-Spiel auf drei Positionen. Evra verteidigt hinten links für Abidal, in der Offensive spielen Govou und Henry für Benzema und Anelka. Oranje mit der Elf, die Italien 3:0 bezwang.

10., 1:0, Kuyt: Ecke van der Vaart von rechts. Am kurzen Pfosten schlafen Thuram gegen Ooijer und Malouda gegen Kuyt, Letzterer wuchtet den Ball per Kopf ins kurze Eck.

20.: Thuram lenkt einen weiten Ball in die Spitze unbedrängt auf Gegenspieler Kuyt. Der schießt aus 20 Metern über das Tor.

35.: Ribery kommt mit viel Dampf von hinten, scheitert aber aus 13 Metern an van der Sar, der zuvor schon gegen Govou und Malouda sicher hielt.

49.: Knifflig! Henry zieht nach einem Getümmel im Strafraum aus sechs Metern ab. Ooijer wirft sich in den Ball und blockt die Kugel wohl mit dem Arm. Fandels Pfeife bleibt stumm.

54.: Malouda per Fallrückzieher auf Henry. Der Barca-Stürmer geht allein auf van der Sar zu, lupft den Ball aber allzu lässig übers Tor.

59., 2:0, van Persie: Blitzsauberer Konter über links. Der eingewechselte Robben flankt den Ball perfekt flach auf den eingewechselten van Persie, der aus fünf Metern eindrückt. Coupet noch dran, aber der Ball trudelt über die Linie.

61.: Ribery wühlt sich gegen zwei Mann durch, den abgefälschten Schuss aus spitzem Winkel fischt van der Sar reflexartig raus.

71., 2:1, Henry: Sagnols erster konsequenter Flankenlauf wird belohnt: Henry hält in der Mitte abseitsverdächtig den Fuß hin, links unten schlägt's ein.

72., 3:1, Robben: Weltklasse! Im Gegenzug spielt Sneijder den Ball aus dem Fußgelenk auf Robben. Der setzt sich aus spitzem Winkel gegen Thuram durch und nagelt den Ball unter die Latte. Coupet kuckt nur hinterher.

83.: Van Nistelrooy düpiert Coupet beinahe mit einem Kopfball-Heber. Der Lyon-Keeper kratzt den Ball gerade noch von der Linie.

90+2, 4:1, Sneijder: Sneijder bekommt am Sechzehner den Ball, tanzt zwei Mann aus und zimmert den Ball links oben in den Giebel. 

So lief das Spiel: Frankreich von der ersten Minute an offensiver und mutiger als gegen Rumänien, geriet aber durch die erste Offensivaktion der Niederländer in Rückstand. Das Oranje-Team danach kurze Zeit mit Oberwasser, Thurams Wackler ermöglichten zwei Chancen. Ab der 20. Minute nahm Frankreich das Heft wieder in die Hand. Jeder Angriff lief über den agilen Ribery, der mit allen Freiheiten ausgestattet hinter Sturmspitze Henry wirbeln durfe. Die Abschlüsse waren jedoch zu ungenau.

Auch nach der Pause diktierte Frankreich zunächst Ball und Gegner, biss sich an kompakten Niederländern aber immer wieder die Zähne aus. Ribery war bei seinen Kettenhunden de Jong und Ooijer mit Fortschreiten der Partie immer besser aufgehoben. Henry vergab fast alle seine Möglichkeiten leichtfertig. Oranje verlegte sich aufs Kontern und kam so letztendlich zum einem ungefährdeten Erfolg.

Der Star des Spiels: Ruud van Nistelrooy. Wird normalerweise als Mittelstürmer nur über seine Tore definiert, bot diesmal aber vor allem in punkto Laufbereitschaft und Einsatzwillen eine vorbildliche Leistung. Der Real-Stürmer war immer anspielbar und überzeugte als Vorarbeiter. Perfekt: Sein Hackentrick gegen Thuram und Sagnol, der das 2:0 einleitete.

Die Gurke des Spiels: Lilian Thuram. Man merkte ihm jedes einzelne seiner 142 Länderspiele an, der 36-Jährige war in Frankreichs Defensive ein permanenter Unsicherheitsfaktor. Sinnbildlich die Szene vor dem 1:3, als Robben mit ihm Tango tanzte.

Die Lehren des Spiels: Das Safety-First-Prinzip von Frankreich-Coach Domenech wurde mit dem frühen Rückstand über den Haufen geworfen. Ribery nicht auf den rechten Flügel fest zu tackern - wie noch im ersten Spiel geschehen - belebte das Spiel der Franzosen.

Allerdings fehlten dem Bayern-Profi oft die Anspielstationen, da Malouda und Govou schlecht einrückten und Henry gegen Mathijsen fast keinen Stich machte.

Die Niederländer boten 45 Minuten lang eine durchschnittliche Leistung. Zwischen dem Offensiv-Trio und van Nistelrooy klaffte oft eine zu große Lücke, dafür blieben Frankreichs Außen fast wirkungslos. Mit der Hereinnahme von Robben und van Persie setzte Bondscoach van Basten auf Konter - und das Konzept ging eindrucksvoll auf.

Service: Frankreich kommt weiter, wenn...? SPOX hat alle denkbaren Szenarien des letzten Spieltags zusammengefasst.

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