Dominanz und Kontrolle

Von Stefan Rommel
Freitag, 06.06.2008 | 14:46 Uhr
Leo Beenhakker ist auch Trainer der polnischen Nationalmannschaft
© Getty
Advertisement
League Cup
Di23.01.
Die Entscheidung: Bristol-ManCity & Chelsea-Arsenal
Copa del Rey
Do25.01.
Derby mit Druck: Dreht Barca den Rückstand?
Coupe de France
Nantes -
Auxerre
League Cup
Bristol City -
Man City
Premiership
Partick Thistle -
Celtic
Coupe de France
Epinal -
Marseille
Copa del Rey
FC Sevilla -
Atletico Madrid
Coupe de France
PSG -
Guingamp
Serie A
Lazio -
Udinese
Copa del Rey
Alaves -
Valencia
Serie A
Sampdoria -
AS Rom
League Cup
Arsenal -
Chelsea
Coupe de France
Monaco -
Lyon
Copa del Rey
Real Madrid -
Leganes
Indian Super League
Kalkutta -
Chennai
First Division A
Brügge – Oostende
Coupe de France
Straßburg -
Lille
Copa del Rey
FC Barcelona -
Espanyol
A-League
Melbourne Victory -
FC Sydney
Ligue 1
Dijon -
Rennes
Primera División
Bilbao -
Eibar
Primera División
La Coruna -
Levante
Championship
Bristol City -
QPR
Primera División
Valencia -
Real Madrid
Ligue 1
PSG -
Montpellier
Serie A
Sassuolo -
Atalanta
Primera División
Malaga -
Girona
Ligue 1
Angers -
Amiens
Ligue 1
Guingamp -
Nantes
Ligue 1
Metz -
Nizza
Ligue 1
St. Etienne -
Caen
Ligue 1
Toulouse -
Troyes
Primera División
Villarreal -
Real Sociedad
Serie A
Chievo Verona -
Juventus
Primera División
Leganes -
Espanyol
Eredivisie
Utrecht -
Ajax
Serie A
SPAL -
Inter Mailand
Eredivisie
Feyenoord -
Den Haag
Ligue 1
Lille -
Straßburg
Serie A
FC Turin -
Benevento
Serie A
Neapel -
Bologna
Serie A
Crotone -
Cagliari
Serie A
Florenz -
Hellas Verona
Serie A
CFC Genua -
Udinese
Premiership
Ross County -
Rangers
Primera División
Atletico Madrid -
Las Palmas
Ligue 1
Bordeaux – Lyon
First Division A
Lüttich – Anderlecht
Serie A
AC Mailand -
Lazio
Primera División
FC Sevilla -
Getafe
Primera División
FC Barcelona -
Alaves
Serie A
AS Rom -
Sampdoria
Ligue 1
Marseille -
Monaco
Primera División
Celta Vigo -
Real Betis
Primeira Liga
Belenenses -
Benfica
Coppa Italia
Atalanta -
Juventus
Premier League
Huddersfield -
Liverpool
Coupe de la Ligue
Rennes -
PSG
Premier League
West Ham -
Crystal Palace (Delayed)
Premier League
Swansea -
Arsenal (Delayed)
Coppa Italia
AC Mailand -
Lazio
Premier League
Tottenham -
Man United
Coupe de la Ligue
Monaco -
Montpellier
Primeira Liga
Sporting -
Guimaraes
Premier League
Man City -
West Bromwich (Delayed)
Premier League
Everton -
Leicester (Delayed)
Premier League
Stoke -
Watford (Delayed)
Premier League
Southampton -
Brighton (Delayed)
Premier League
Chelsea -
Bournemouth (Delayed)
Premier League
Newcastle -
Burnley (Delayed)
Indian Super League
Mumbai City – Jamshedpur
Primera División
Real Sociedad -
La Coruna
Primera División
Eibar -
FC Sevilla
Premier League
Burnley -
Man City
Premiership
Kilmarnock -
Celtic
Championship
Leeds -
Cardiff
Primera División
Real Betis -
Villarreal
Serie A
Sampdoria -
FC Turin
Premier League
Arsenal -
Everton
Primera División
Alaves -
Celta Vigo
Premier League
Man United – Huddersfield (Delayed)
Primera División
Levante -
Real Madrid
Serie A
Inter Mailand -
Crotone
Premier League
West Bromwich -
Southampton (DELAYED)
Premier League
Bournemouth – Stoke (DELAYED)
Premier League
Brighton -
West Ham (DELAYED)
Premier League
Leicester – Swansea (Delayed)
Primera División
Getafe -
Leganes
Serie A
Hellas Verona -
AS Rom
Serie A
Atalanta -
Chievo Verona
Serie A
Bologna -
Florenz
Serie A
Udinese -
AC Mailand
Serie A
Juventus -
Sassuolo
Serie A
Cagliari -
SPAL
Premier League
Crystal Palace -
Newcastle
Primera División
Espanyol -
FC Barcelona
Premier League
Liverpool -
Tottenham
Primera División
Girona -
Bilbao
Primera División
Atletico Madrid -
Valencia
Serie A
Benevento -
Neapel
Ligue 1
Monaco -
Lyon
Serie A
Lazio -
CFC Genua

Ascona - Auch weise Menschen können mal irren. "Er ist von seiner Verletzung voll genesen", sagte Leo Beenhakker vor ein paar Tagen.

Gemeint war damit Jakub "Kuba" Blaszczykowski. Der Dortmunder hatte mit einer hartnäckigen Oberschenkelverletzung zu kämpfen und war wohl auf dem Weg der Besserung.

Mittlerweile sitzt Kuba schon zu Hause auf dem Sofa. Er hat den Wettlauf gegen die Zeit verloren und kann bei der EM (Deutschland - Polen am Sonntag, ab 20.45 Uhr im SPOX-Ticker) nicht mitwirken.

Streit und Grüppchenbildung

Das ganze Unternehmen begann eigentlich mit einem großen Irrtum. Spätsommer 2006: Beenhakker stand vor seiner Premiere als polnischer Nationalcoach. Vor dem ersten Testspiel gegen Dänemark erwartete er eine hoffnungsvolle, hungrige Mannschaft.

Schließlich versagten die Polen bei der WM ein paar Wochen zuvor komplett und hatten einiges gutzumachen.

Wer wird Europameister? Jetzt nachrechnen im EM-Rechner! 

Das Spiel in Odense (0:2) aber öffnete ihm schnell die Augen: Das Team lag in Trümmern, Grüppchen hatten sich gebildet, die Spieler waren untereinander zerstritten. Keine guten Voraussetzungen für Mannschaftssportler.

Beenhakker musste handeln - und zwar schnell. Erfahrung hatte er ja, jede Menge Erfahrung sogar. Mit den Niederlanden und Trinidad & Tobago nahm er an zwei Weltmeisterschaften teil. Als Vereinstrainer war er in Spanien, in der Schweiz, Saudi-Arabien, der Türkei und Mexiko beschäftigt, spricht insgesamt sechs Sprachen.

Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle

Traditionell war Polen immer ein Team, das nur darauf bedacht war, einfach ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Im Grunde gefiel Beenhakker diese Ausrichtung, schließlich war er auch Leiter der Ajax-Akademie, wo das anarchische 4-3-3-System gelehrt wurde bis zum Erbrechen.

Für sein neues Betätigungsfeld aber eine gänzlich unbrauchbare Variante. "Man versucht, seine Erfahrung mit den Gegebenheiten des Arbeitsplatzes in Einklang zu bringen. Man kann nun nicht hergehen und in Polen sagen, ab heute spielen wir holländischen Fußball."

Von da an sollte es nur noch um eines gehen: Um Kontrolle. "Wir Holländer sind Kontrollfreaks, wir möchten das Spiel am liebsten immer unter Kontrolle haben und dirigieren", sagt Beenhakker.

"Aber dafür braucht man den Ball. Wenn wir ihn verlieren, wollen wir ihn gleich zurück. Das heißt, bei Ballverlust sofortige Versuche ihn zurückzuerobern."

Der Schlüssel des Spiels

Klingt ebenso einleuchtend wie banal. In seiner komplexen Umsetzung aber liegt der Schlüssel des modernen Fußballspiels. "Früher wurde abgewartet. Jetzt versuchen wir bei Ballverlust die Positionen zu halten und mit Pressing den Ball zurückzubekommen. Es geht um Spieldominanz und Kontrolle."

Die Mannschaft aber brauchte einige Zeit. Nach der Heimniederlage in der EM-Qualifikation gegen Finnland hagelte es Kritik. Der Wendepunkt zum Guten war der Sieg gegen den haushohen Favoriten Portugal zwei Spiele später.

Zum ersten Mal war dort ein Kollektiv zu sehen, eine Mannschaft, die diesen Namen auch verdiente. In den nächsten Monaten formte er aus einer Ansammlung von Einzelspielern eine echte Einheit, deren obersten Maxime taktische Disziplin in der Defensive und flexibles Konterspiel in der Offensive waren.

"Leo, Du bist unser Gott", ließen die Fans ihren Helden fortan bei jedem Spiel wissen.

Hier geht's zu den taktischen Aufstellungen aller 16 Mannschaften 

Der Übervater

Beenhakker wirkt nach außen immer knurrig und verbissen. Das mag an seiner hageren Erscheinung liegen, es trifft die Sache aber noch nicht mal annähernd. Für seine Spieler ist der Holländer vielmehr eine Art Übervater.

"Er hat uns neue Kraft und eine neue Vision gegeben. Wir können mit allen Problemen zu ihm kommen. Er ist wie ein Vater für uns, immer positiv und unterstützt jeden einzelnen Spieler", sagt Wolfsburgs Jacek Krzynowek.

Besonders augenscheinlich wurde das innige Verhältnis Beenhakkers zu Ebi Smolarek. Der ging bei der WM gnadenlos unter. Beenhakker, der geborene Rotterdamer, kam, machte Smolarek, den geborenen Rotterdamer, zu seinem Lieblingsschüler. Der zahlte es seinem Mentor und Polen mit neun Treffern in der Qualifikation zurück.

Alt und erfolgreich

In einer Zeit, in der eine neue Generation Trainer den Fußball reformiert und mit Heerscharen von Fitnesstrainern, Psychologen, Ernährungswissenschaftlern und Leistungsdiagnostikern arbeitet, lebt Beenhakker, 65, immer noch seinen ganz eigenen Stil.

Ganz so falsch kann er damit nicht liegen. Ebenso wenig wie die Herren Rehhagel (69), Europameister 2004, Ferguson (66), Champions-League-Sieger 2008, oder Advocaat (60), UEFA-Cup-Sieger 2008.

Zum ersten Mal überhaupt führte Beenhakker die Polen zu einer EM-Endrunde. Für seine Verdienste würdigte ihn der polnische Präsident mit dem Orden Polonia Restituta, der höchsten Würde des Landes.

Fehlgriff gegen Stuttgart

Nur einmal - und das bleibt eine seiner lustigsten und schmerzhaftesten Anekdoten zugleich - lag er völlig daneben. Vor zehn Jahren schlug er mit Feyenoord Rotterdam den VfB Stuttgart im Daimler-Stadion 3:1.

Auf die Frage, an was der deutsche Fußball denn nun kranke, erwiderte Beenhakker etwas arrogant: "Haben Sie eine Stunde Zeit?" Eine Woche später war Feyenoord aus dem UEFA-Pokal ausgeschieden. Der kranke deutsche VfB siegte in Rotterdam mit 3:0.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung