Der Kampf der Spezialisten

Von Stefan Rommel
Montag, 26.05.2008 | 10:08 Uhr
flick, jones, fritz, trochowski, odonkor
© Imago
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München - Jens Lehmann lieferte neulich eine amüsante Episode.

Die Nationalspieler wurden ja vom Sponsor eingekleidet. Der Stamm der Mannschaft wurde Wochen zuvor schon vermessen, die Klamotten hingen bereits fertig auf der Stange.

Die Nachzügler dagegen mussten warten - und wurden dabei vermessen. Marko Marin erspähte Jens Lehmann. Lehmann spielt ja seit fünf Jahren in England, offenbar wird dort über die deutsche Zweite Liga relativ wenig berichtet.

"Ich kannte ihn nicht. Ich wusste nicht, ob er einer von uns ist oder ein Angestellter der Bekleidungsfirma Strenesse", meinte der 38-Jährige. Zwar schwang ein unübersehbarer Hauch von Ironie mit, der Satz offenbart im Kern aber nur eines: Der Kerl ist neu hier, den haben wir noch nie gesehen.

Vier Bundesliga, null Länderspiele

In der Sache natürlich absolut richtig, ist Marin doch mit der Empfehlung von vier Bundesliga- und null Länderspielen mit nach Mallorca geflogen.

Und fast scheint es, als habe sich der kleine Gladbacher ins Herz von Joachim Löw trainiert. "Er hat etwas Besonderes. Marko ist außergewöhnlich. So einen gibt es sonst nicht in Deutschland", hatte der Bundestrainer schon mitgeteilt, als er Marin auf der Zugspitze aus dem Hut zauberte.

Fortan steht er auf dem Prüfstand. Wenn es darum geht, die so genannten Wackelkandidaten für die endgültige Kadernominierung zu benennen, fällt sein Name als erster.

Vieles spricht für Marin

Dabei wäre eine Ausbootung Marins gar nicht mehr nachvollziehbar. Löw lieferte die Begründung schon in vorauseilendem Gehorsam. Und außerdem: Warum einen Zweitligaspieler ohne Länderspieleinsatz vor dem Turnier einladen, nur um ihn zehn Tage später wieder auszusortieren?

Zum Reinschnuppern hätte sich auch noch der erste Test nach der EM im August angeboten. Heimspiel zu Gunsten der Egidius-Braun-Stiftung, Gegner Belgien.

Die Zauberstunde auf der Zugspitze würde im Nachlauf als lächerlicher PR-Gag verpuffen.

Und außerdem: Hatte nicht Löw selbst gefordert, junge Spieler mehr zu fordern und damit zwangsläufig auch zu fördern? Als Paradebeispiel nannte er Barcelonas Lionel Messi.

Neuville oder Helmes

Beim Spiel gegen Weißrussland (Di., 17.45 Uhr im SPOX-TICKER), der letzten Bewährungschance vor der finalen Nominierung, stehen vielmehr andere auf dem Prüfstein. Angesichts von drei fixen Torhütern und dem knapp bemessenen Kontingent an Abwehrspielern (sieben), dürfte feststehen, dass es zwei Mittelfeldspieler und einen Stürmer treffen wird.

Im Angriff ist die Sache eindeutig: Entweder Patrick Helmes oder aber Oliver Neuville. Der Gladbacher scheint die Nase einen Hauch vorn zu haben, ist von sich selbst auch dementsprechend überzeugt. "Ich muss niemandem mehr etwas beweisen", sagte er im SPOX-Interview. "Ich gehe davon aus, dass ich dabei sein werde."

Schlechte Karten für Trochowski

Bleiben noch zwei Planstellen im wichtigsten Mannschaftsteil. Viele Experten sehen David Odonkor im Kampf der Spezialisten gegen Marin. Hier Marin, der Dribbler. Dort Odonkor, der Sprinter, die Mutter aller Überraschungskandidaten.

Aber: Wer Löw kennt, der weiß um sein Faible für "Spezialfähigkeiten", wie er es nennt. Warum also nicht Marin und Odonkor?

Piotr Trochowski hat bei solchen Überlegungen weniger Chancen. Der Hamburger ist von allem etwas, ist wendig, spielintelligent, hat einen satten Schuss und spielt vernünftige Standards. Aber er ist kein echter Spezialist.

Jones ist einer zu viel

Jermaine Jones dagegen schon. Der Schalker kann ganz prima Löcher stopfen oder das Spiel des Gegners zerstören.

Jones' Problem: Er hat sich auf eine Position spezialisiert, die zuerst Torsten Frings und dann Thomas Hitzlsperger und danach Simon Rolfes und erst dann Jones spielen können.

Und vier Alternativen für den Posten im zentralen defensiven Mittelfeld...?

Hinter vorgehaltener Hand wird übrigens getuschelt, dass auch Bayerns Toni Kroos bei Löw gute Chancen gehabt hätte. Uli Hoeneß soll der Gedanke aber gar nicht gefallen haben. Schade eigentlich. Den Kroos hätte Jens Lehmann bestimmt sofort erkannt.

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