Polizei riegelt Geschäftsstelle ab

SID
Donnerstag, 01.10.2015 | 15:39 Uhr
Das Polizeiangebot an der Geschäftsstelle hatte für Aufsehen gesorgt
© getty
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Am Ende eines hässlichen Führungskampfes musste Michael Dahlmann gehen.Er reagierte mit seinem Rücktritt auf die Ermittlungen der Rostocker Staatsanwaltschaft. Die Behörde hatte in der Nacht zu Donnerstag die Geschäftsstelle verriegeln lassen, nachdem zuvor eine Anzeige gegen den Klub-Boss eingegangen war.

"Ich wünsche mir, dass die Fans meine Entscheidung respektieren und im Spiel gegen Dynamo Dresden unsere Mannschaft friedlich und gewaltfrei unterstützen", erklärte Dahlmann mit Blick auf das Heimspiel von Hansa am Samstag (14.00 Uhr im LIVETICKER).

Zunächst führen die verbliebenen Vorstandsmitglieder Rainer Friedrich und Constanze Steinke den Klub, hieß es in einer Mitteilung.

Zuvor hatte das Polizeiaufgebot an der Geschäftsstelle für Aufsehen gesorgt. "Es liegt eine Anzeige gegen Herrn Dahlmann wegen des Verdachts der Untreue vor. Dieser Vorwurf wird geprüft", sagte Harald Nowack, Sprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft, dem SID.

Dahlmann ist eine zu große Nähe zu den Ultra-Gruppierungen des Vereins zum Verhängnis geworden.

Polizei bewachte Gebäude

Laut NDR habe Dahlmann versucht, in der Nacht Unterlagen aus der Geschäftsstelle zu holen. Der Vorstands-Boss wurde angeblich von Personen aus der Ultra-Szene begleitet. Auch deshalb bewachte die Polizei offenbar das Gebäude.

Wie die Ostseezeitung weiter berichtet, sollen interne Mails belegen, das Dahlmann sich vor einer Sitzung mit dem Aufsichtsrat Handlungsanweisungen von Ultra-Gruppierungen geholt haben soll."Moin, kurze Frage: Mit welcher Strategie soll ich morgen in die AR Sitzung gehen", soll der Hansa-Chef in einer Mail an einen Vorsitzenden der Fan-Szene gefragt haben.

Außerdem würde der Mail-Verkehr zeigen, dass Dahlmann in Zusammenarbeit mit einem Investor versuchte, Aufsichtsratsmitglieder zu entmachten.

"Ahrens muss weg", soll im Betreff einer Mail zwischen Dahlmann und dem Investor gestanden haben. Aufsichtsratschef Harald Ahrens habe sich gegen eine Klausel in der Satzung gewehrt, wonach das Engagement des Investors an die Person von Dahlmann geknüpft werde.

Nähe zu der Ultra-Szene

Dahlmanns Nähe zu den Ultra-Fans hatte bei der Polizei bereits im Anschluss an die Krawalle beim Ostderby gegen den 1. FC Magdeburg (1:1) am 23. September für Unmut gesorgt.

Der 37-Jährige hatte zwar mit verbaler Entrüstung reagiert ("Wir sind sauer und wütend über das, was dort passiert ist"), tat aber nach Meinung von Rostocks Polizeipräsident Michael Ebert und Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) zu wenig.

"Ich würde mich freuen, wenn der Vorstandsvorsitzende die Phase der plakativen Entrüstung verlassen und wieder zu einer Zusammenarbeit mit den gesellschaftlichen Partnern zurückfinden würde", hatte Ebert gesagt.

Dahlmann indes wies die Kritik zurück und verteidigte sein Verhältnis zu den Fans. "Ich muss mit allen Fans und allen Problemen umgehen", sagte er der Ostseezeitung: "Natürlich spreche ich mit den Ultras, Ausgrenzung hat noch nie etwas gebracht."

Sudtribüne gesperrt

Angeblich als Konsequenz aus den Krawallen ließ Dahlmann für das Derby gegen Dresden am Samstag die Südtribüne für 2500 Ultras sperren.

Dahlmann überraschte mit der Ankündigung, dass das Geld für bereits erstandene Karten nicht zurückgezahlt werde. Wahrscheinlich wusste der Klub-Chef durch seinen guten Kontakte, dass es weder einen Proteststurm noch Geldforderungen geben würde.

Zudem waren zu dem Zeitpunkt noch rund 8000 Karten im freien Verkauf, die auch die Hansa-Ultras erwerben konnten.

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