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Bestätigung für Tuchel

Mittwoch, 28.10.2015 | 10:30 Uhr
Der FC Bayern München hat beim VfL Wolfsburg 45 exzellente Minuten abgeliefert
© getty
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Der unangefochtene Sieg des FC Bayern München beim VfL Wolfsburg bestätigte das, was BVB-Trainer Thomas Tuchel kürzlich zur enormen Stärke des Rekordmeisters äußerte. Gegen den chancenlosen Titelverteidiger wurde jedoch auch ein anderer Aspekt augenscheinlich.

Wer als geprügelter Hund vom Platz geht und wenig später erste Statements abgeben muss, der wählt mitunter verschiedene Wege der Kommunikation.

Wolfsburg-Coach Dieter Hecking, ohnehin gerne einmal mit hochrotem Kopf unterwegs, regte sich nach der 1:3-Pleite gegen den FC Bayern mächtig über die schwache Leistung seiner Mannen auf. Zur unterirdischen ersten Halbzeit werde er interne Untersuchungen einleiten, denn: "Das geht so nicht."

Bayern: Gier, Lust, Bescheidenheit, Schärfe

Vor dreieinhalb Wochen wählte Thomas Tuchel, der mit Borussia Dortmund beim 1:5 in München ebenso chancenlos war, einen anderen Weg. Der BVB-Trainer sprach zwar ein paar Sätze zur Darbietung seiner Elf, geriet angesichts der puren Dominanz des Kontrahenten allerdings schnell ins Schwärmen.

Ungeachtet aller individuellen Qualität, die der deutsche Rekordmeister in seinen Reihen weiß, ging es Tuchel in erster Linie um die neu geschaffene Leistungsatmosphäre, die beim FC Bayern unter Pep Guardiola Einzug erhalten hat.

"Die Gier, die Lust, die Bescheidenheit, die Schärfe, immer das Top-Level abzurufen" mache den FCB aus, so Tuchel. Er wolle als Coach davon lernen und diese Eigenschaften mit seiner eigenen Mannschaft versuchen zu imitieren.

"Bayern-München-Fußball spielen"

Der Münchner Sieg in Wolfsburg, besonders aber die ersten 45 Minuten, waren eine erneute Bestätigung für Tuchel. In der ersten Halbzeit am Dienstagabend spielte Guardiolas Mannschaft, wenn auch gegen einen vom Fleck weg desorientierten Gegner, Fußball am Rande der Perfektion.

Eine Partie wie ein Finale, nannte Guardiola im Vorfeld das Zweitrundenspiel am Mittellandkanal. Dies bestätigte auch Sportvorstand Matthias Sammer, der kurz vor Anpfiff noch ankündigte, man wolle in Wolfsburg die eigene Spielweise durchsetzen. "Bayern-München-Fußball spielen", wie er es bezeichnete.

Der Pokal-Titelverteidiger rechnete sich bei seinem Heimspiel durchaus etwas aus, die Klatsche bei Robert Lewandowskis Fünf-Tore-Gala im September hat das Wolfsburger Selbstverständnis nicht in seinen Grundfesten erschüttert. Zumal der VfL, lässt man die zweiten 45 Minuten kürzlich in München außen vor, fünf Halbzeiten in Serie nicht mehr gegen die Bayern verloren hatte.

8:0 nach 90 Minuten

"Wir sehen uns in diesem Spiel nicht nur als Teilnehmer", machte Hecking daher vor dem Spiel deutlich. "Wir haben mehrmals bewiesen, dass wir mithalten können. Das sind keine Welten zwischen den Klubs."

Diese Ansicht gilt es nach dem Eindruck vom Dienstag nun allerdings zu revidieren. Zwar "gewannen" die Niedersachsen Halbzeit zwei mit 1:0, in den 90 Minuten davor steht jetzt allerdings ein 8:0 für die Münchner. Der Bayern-München-Fußball ist im dritten Jahr unter Guardiola dabei, seinen Zenit zu erreichen.

Die "große Haltung gegenüber ihren eigenen Leistungen", von der Tuchel sprach, hat den FCB zu einer unberechenbaren Maschine gemacht. Bei den Bayern wirkt alles harmonisch im Fluss, ideal aufeinander abgestimmt. Besonders in Begegnungen, bei denen große Leistungen verlangt werden.

16. Pflichtspiel, 15. Aufstellung

Das Positionsspiel ist herausragend, die Dynamik besonders in den Offensivaktionen schwer zu stoppen, die taktische Flexibilität von Trainer und Spielern für Gegner kaum greifbar - selbst dann, wenn einmal improvisiert werden und ein Matchplan während einer Partie umgeschrieben werden muss.

Die Bayern-Profis arbeiten ihre Aufgaben fokussiert und unnachgiebig ab. Und das auch in verschiedenen personellen Konstellationen. Guardiola wählte in Wolfsburg, dem 16. Bayern-Pflichtspiel der Saison, die 15. unterschiedliche Aufstellung.

Was ebenfalls augenscheinlich war: der VfL griff im Bundesligaspiel gegen die Bayern auf ein defensivtaktisches Rezept zurück, das den FCB 45 Minuten lang nicht zur Entfaltung kommen ließ. Am Ende hagelte es jedoch mit genau diesem Konzept fünf Gegentore.

Guardiola reagiert schlau

Hecking packte nun im Pokal dieselbe Marschroute erneut aus - und fuhr damit gegen Guardiola deftig an die Wand. Der hatte nämlich auf das, was im September geschah, schlau reagiert und die damalige Zentrumsproblematik dank diverser Positionswechsel von insbesondere Philipp Lahm, Xabi Alonso, Douglas Costa und Thomas Müller aufgelöst.

Angesichts der erneuten bayerischen Machtdemonstration wird die Diskussion um die Verhältnisse im deutschen Fußball sicherlich neue Nahrung erhalten.

Langweilig seien die deutlichen FCB-Siege, sagt eine Vielzahl von Beobachtern. Eine Meinung, die man leicht nachvollziehen kann. Allerdings erreicht diese Langeweile zusehends historische Dimensionen - da sollte doch Tuchel nicht der Einzige sein, der daraus auch etwas Positives für sich selbst zu filtern vermag.

VfL Wolfsburg - FC Bayern München: Die Statistik zum Spiel

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