Jupp Heynckes verliert das Pokalfinale mit dem FC Bayern: Unter dem Strich wie bei Ancelotti

Sonntag, 20.05.2018 | 17:56 Uhr
Jupp Heynckes verpasste in Berlin seinen zweiten Pokalsieg als Trainer nach 2013.
© getty
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Jupp Heynckes hat in seinem letzten Spiel als Trainer des FC Bayern München das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt verloren. Trotz der bitteren Niederlage zeigte der 73-Jährige noch einmal Größe. Heynckes hat seine Aufgabe bei den Bayern in den letzten Monaten erfüllt, aber nicht übererfüllt. Der Umgang mit seiner sportlichen Bilanz legt ein Dilemma des deutschen Rekordmeisters offen.

Seinen endgültigen Abschied von der großen Fußball-Bühne hatte sich Jupp Heynckes mit Sicherheit anders vorgestellt. Ausgelassen auf dem Rasen, noch ein bisschen Gold-Konfetti im Haar, einen Pokal in der Hand.

Stattdessen stapfte er nach seinem letzten Spiel als Trainer des FC Bayern mit gesenktem Kopf und einer Silbermedaille um den Hals gemeinsam mit seinem Team in die Kabine. Und das bereits während der Ehrung des neuen Pokalsiegers Eintracht Frankfurt.

Eine Geste, die den Bayern viele als Respektlosigkeit auslegten. Heynckes verteidigte sich später entschieden gegen diesen Vorwurf: "Das war wirklich ein Missverständnis", sagte er: "Ich habe da überhaupt nicht dran gedacht, sonst hätte ich meine Mannschaft aufgefordert zu bleiben."

Heynckes: Fehlender Spalier für die Eintracht ein "Missverständnis"

Die Diskussion war am Ende eine Scheindiskussion. Die Eintracht konnte sicherlich damit leben, schließlich war sie damit beschäftigt, den ersten Titelgewinn seit 30 Jahren ausgelassen zu feiern. Das "Missverständnis" unterstrich jedoch mal wieder, dass eine Niederlage des haushohen Favoriten im Pokalfinale gegen die Eintracht nicht eingeplant war.

Nach der großen Enttäuschung des Champions-League-Ausscheidens im Halbfinale gegen Real Madrid sollte es wenigstens das Double für die Bayern sein. Letztlich stehen sie "nur" mit der Meisterschaft da.

Mit etwas Abstand ordnete Heynckes sein letztes Spiel als Trainer realistisch ein: "Wenn man die Chancen nicht verwertet, muss man sich nicht wundern, wenn man so ein Finale verliert."

Trotz der angesprochenen eigenen Unzulänglichkeiten gratulierte Heynckes dem siegreichen Gegner: "Der Gegner hat sein Spiel gespielt, sie sind kompromisslos, unheimlich körperbetont, aggressiv, sehr laufstark und deswegen muss man das Ergebnis einfach anerkennen. Frankfurt hat einen unbändigen Willen gehabt, das Finale für sich zu entscheiden."

Jupp Heynckes zeigt im Moment der Niederlage Größe

Heynckes zeigte in der Niederlage Größe. Er beschuldigte nicht Schiedsrichter Felix Zwayer, der den Bayern in der Nachspielzeit trotz Ansicht der TV-Bilder einen Elfmeter verwehrt hatte. Er teilte nicht gegen die Eintracht-Fans aus, die ihn vor dem Spiel mit einem geschmacklosen Spruchbanner beleidigt und nach dem Spiel gellend laut ausgepfiffen hatten. Nein, Heynckes blieb Gentleman und Sportsmann. Und als solcher "gehören Siege und Niederlagen dazu".

In seiner verqueren Logik verlor Heynckes sein letztes Spiel als Bayern-Trainer ohnehin nicht. Denn seine Karriere - das betonte er zuletzt immer wieder - endete 2013 mit dem Triple. Das Kurzengagement in dieser Saison sei ja nie geplant gewesen und zähle deshalb nicht.

Jupp Heynckes hat seine Aufgabe beim FC Bayern erfüllt

Trotz der Enttäuschung im Schlussakt hat Heynckes seine Mission bei den Bayern für eben dieses Kurzengagement grundsätzlich erfüllt.

Zum Ende der Amtszeit von Carlo Ancelotti im Herbst gab es in der Mannschaft tiefe Gräben, im Verein war eine Unzufriedenheit zu spüren, Nebenkriegsschauplätze nahmen den Fokus vom Fußball. Die sportliche Situation war mit fünf Punkten Rückstand auf den BVB in der Bundesliga und der bitteren 0:3-Niederlage gegen PSG in der Champions League aus Bayern-Sicht alarmierend.

Heynckes lieferte das, was Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge bei dessen Vorstellung von ihm verlangten: Er hat den Verein befriedet, die Mannschaft wieder zu einer Mannschaft geformt und zurück in die Erfolgsspur gebracht. Dass die Bayern am Ende mit 21 Punkten Vorsprung Deutscher Meister wurden, ist ein großer Verdienst des mittlerweile 73-Jährigen.

FC Bayern befindet sich seit Jahren in einem Dilemma

Doch am Ende ist auch er ein Opfer des großen Dilemmas geworden, in dem sich der FC Bayern seit Jahren befindet. Die Saison ist nämlich für den Dauermeister gefühlt nur vier Wochen lang. Weil die Meistertitel mittlerweile wie eine Selbstverständlichkeit mitlaufen, geht eine Bayern-Saison erst Mitte bis Ende April los - und ist kurz danach auch wieder vorbei. Wenn es schlecht läuft, schneller als gedacht bzw. erhofft. Von dieser vergleichsweise kurzen Phase ist der Emotionshaushalt des kompletten Vereins abhängig.

Das Problem ist: In diesen entscheidenden Wochen ist der Erfolg eben nicht zu 100 Prozent planbar. In den finalen Spielen der Saison kommt es auf Kleinigkeiten an. Dass der Ball nicht an die Latte, sondern ins Tor fliegt. Dass der Schiedsrichter einen klaren Elfmeter auch gibt, Videobeweis hin oder her. Dass Leistungsträger nicht ausgerechnet in einem entscheidenden Spiel patzen.

Carlo Ancelotti lieferte in den entscheidenden Wochen nicht

Im Vorjahr hatten die Bayern bei Carlo Ancelotti alles auf die Karte gesetzt, dass dieser wisse, wie man die Mannschaft auf den Punkt fit und in Topform bekommt. Sie sahen über die teilweise durchwachsenen Leistungen hinweg, weil im April Ancelotti-Zeit sei. Doch die Münchner verloren im April alle wichtigen Spiele und standen "nur" mit der Meisterschaft da.

Nun war es Heynckes, dessen magische Fähigkeit jeder im und um den Verein beschwor. Der heilige Triple-Trainer werde den Einbruch in der Crunchtime verhindern. Auch Heynckes selbst gab sich selbstbewusst. Er werde auf gar keinen Fall einen Schlendrian zulassen. Einen Spannungsabfall werde es unter ihm auf gar keinen Fall geben.

Dieses zugegebenermaßen sehr ambitionierte Versprechen konnte er nicht halten. Mit dem verlorenen Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid war der Stecker bei den Bayern gezogen.

Champions-League-Aus als Bruch des FC Bayern

Als das große Ziel Henkelpott nicht mehr möglich war, war es offenbar der Mannschaft auch nicht mehr wirklich möglich, sich zu motivieren. Gegen Köln hätten die Bayern zur Halbzeit bereits deutlich zurückliegen können, doch sie drehten es noch irgendwie. In den letzten beiden Pflichtspielen gegen den VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt gelang das nicht mehr. Weil der Gegner jeweils galliger und eben motivierter war. Gegen den VfB: geschenkt. Gegen die Eintracht: Finale verloren, Double futsch.

Heynckes hat dem FC Bayern vor allem emotional einen riesigen Dienst erwiesen. Spieler, Fans und Verantwortliche waren wieder zufrieden und zerfleischten sich nicht gegenseitig. Seine Aura hat dem Verein vieles gebracht.

Die Bewertung von Guardiola, Ancelotti und Heynckes

Womöglich holte ihn genau diese Aura als Trainer des Triple-Wunders ein. Ein Triple ist einfach nicht planbar. Das war bei Pep Guardiola so, dessen Bewertung das Ausbleiben des Champions-League-Titels im Nachhinein teilweise völlig verzerrte. Das war bei Ancelotti so, der die in diesem Bereich unverhältnismäßigen Erwartungen nicht erfüllte. Und das war nun auch bei Heynckes so. Nicht einmal er kann den grenzenlosen Erfolg garantieren.

Unter dem Strich ist die Bilanz der Vereinsikone in dieser Saison wie die von Ancelotti im Vorjahr. Sie ist keineswegs verheerend, aber dass der FC Bayern qua Selbstverständnis mehr als einen Titel gewinnen will, betonte Uli Hoeneß nicht erst einmal. Auch Mats Hummels gab zu, dass die Meisterschaft in diesem Jahr "mit Sicherheit zu wenig" sei.

Für seinen Freundschaftsdienst gebührt Heynckes Hochachtung. Schließlich hat er seine Aufgabe in den Monaten seiner Tätigkeit erfüllt. Er hat sie jedoch auch nicht übererfüllt.

Heynckes geht als Vereinsikone, aber eben nicht als Lichtgestalt oder Gott, bei dem alles Gold wird, was er anfasst. Genau diese Normalität ist es, wonach sich Heynckes jetzt sehnt: "Mit 73 Jahren weiß man nicht, wie lange man noch zu leben hat. Ich möchte ab nächster Woche wieder mein Leben genießen." Das kann er. Ohne den täglichen Wahnsinn. Und zufrieden.

Die erfolgreichsten Trainer der Bundesligageschichte

NameMeistertitelJahre
Udo Lattek81972, 1973, 1974, 1976, 1977, 1985, 1986, 1987
Ottmar Hitzfeld71995, 1996, 1999, 2000, 2001, 2003, 2008
Hennes Weisweiler41970, 1971, 1975, 1978
Jupp Heynckes41989, 1990, 2013, 2018
Pep Guardiola32014, 2015, 2016
Felix Magath32005, 2006, 2009
Otto Rehhagel31988, 1993, 1998
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