Ein Pfiff reicht Borussia Mönchengladbach

SID
Donnerstag, 09.02.2012 | 13:26 Uhr
Vor allem dank Igor de Camargos (r.) Schauspiel durften die Borussen in Berlin feiern
© Getty
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Am Ende hatte er sie ganz schön zum Narren gehalten: die meisten der knapp 47.000 Fans im Berliner Olympiastadion, den Gegner - vor allem aber Schiedsrichter Felix Brych. Stürmer Igor de Camargo von Borussia Mönchengladbach war nach dem Pokalsieg seiner Mannschaft bei Hertha BSC der große Bösewicht - dabei hatte ihm sein Gegenspieler Roman Hubnik die Bühne für seine heimtückische Darbietung bereitet. 2:0 (0:0) siegte Gladbach nach der Verlängerung und zog damit ins Halbfinale des DFB-Pokals ein.

Hertha-Trainer Michael Skibbe, sonst ein Freund der eingehenden Analyse, machte es diesmal recht knapp und eindimensional: "Dieses Spiel lässt sich auf einen Pfiff reduzieren. Wir sind durch einen unfassbaren Fehler eines Schiedsrichters aus dem Pokal geflogen."

Gemeint war der Pfiff in der 100. Minute. Dem unmittelbar vorausgegangen war ein Laufduell zwischen Hubnik und de Camargo, in welchem der Gladbacher dem Hertha-Verteidiger einen kleinen Schubser mitgab. Die Szene war längst bereinigt, als Hubnik erzürnt auf de Camargo zulief.

Wie das im Fußball manchmal vorkommt, schauten sich die beiden Streithähne anschließend ganz böse an; de Camargo senkte den Kopf Richtung Hubnik, berührte diesen und ließ sich dann wie vom Blitz getroffen fallen. Brych ahndete das Schauspiel mit Rot für Hubnik. Schlimmer noch für die Berliner: Die Aktion fand im Strafraum statt, und der Ball befand sich in den Händen von Torhüter Kraft und somit im Spiel.

Folgerichtig entschied Brych auf Strafstoß, den Filip Daems zum 1:0 verwandelte (101.). Oscar Wendt besorgte kurz vor dem Abpfiff den Endstand (120. + 2).

Perfide Vorstellung von de Camargo

"Der Brych sieht als einziger Mensch in ganz Deutschland hier einen Elfmeter. Unfassbar, unfassbar", schimpfte Skibbe, der sich nicht mehr einkriegen wollte. Was verständlich war. Die Fehlentscheidung war für ihn offensichtlich. Die Schauspielkunst des Gladbachers war so gut, dass Schiedsrichter Brych, dem die TV-Zeitlupe nicht zur Verfügung stand, sich täuschen ließ.

Bereits in der 76. Minute hatte de Camargo seinen an diesem Abend ausgeprägten Hang zur Fallsucht demonstriert - was Brych auch als solche entlarvte und de Camargo mit Gelb bestrafte. Dass der Belgier sich 24 Minuten später nochmals theatralisch auf den Boden warf, kann durchaus als perfider Trick interpretiert werden.

Bei einer Rangelei mit dem Berliner hätte er erneut Gelb und damit seinen Platzverweis riskiert. Eher unwahrscheinlich auch, dass Brych erneut auf eine Schwalbe entscheiden würde.

Ottl: "Eine harte Entscheidung"

Die Spieler von Hertha BSC bewerteten die Szene differenzierter als ihr Trainer. Es sei eine "harte Entscheidung", aber "sicher auch eigene Dummheit" gewesen, sagte Andreas Ottl. Peter Niemeyer tadelte die "Schauspielkunst" de Camargos, befand aber, dass es nicht "so geschickt war, da nochmal hinterherzugehen". Für sie war die Niederlage auch deshalb so bitter, weil Hertha BSC über weite Strecken die bessere Mannschaft war.

Niemeyer und Ottl im defensiven Mittelfeld verliehen Hertha Struktur und Stabilität. Der nach einer Sperre zurückgekehrte Raffael hatte zwar wenig lichte Momente, doch die reichten schon aus, um das Offensivspiel im Vergleich zu den vergangenen Wochen besser zu machen.

Bei Gladbach stand wie immer die Defensive gut, aber von der in der Liga so gefährlichen Angriffsreihe um Marco Reus, Patrick Herrmann und Mike Hanke war am Mittwoch nichts zu sehen. "Ich denke, wir sind glücklich weitergekommen, Hertha hatte die besseren Chancen", sagte Hanke.

Favre mit aufmunternden Worten

Auch sein Trainer Lucien Favre stellte fest, dass Hertha zumindest in der ersten Halbzeit das bessere Team war. Natürlich wurde der frühere Hertha-Trainer auch auf die entscheidende Szene angesprochen. Er habe es gar nicht gesehen, sagte er und fügte kurz darauf an, dass er sich um die Zukunft seines ehemaligen Klubs keine Sorgen mache.

Es beschlich einen das Gefühl, dass die Hertha-Verantwortlichen mit den aufmunternden Worten ihres früheren Trainers an diesem Abend so gar nichts anfangen konnten.

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