Fussball

DFB-Neuling Niklas Stark: Das schwere Erbe der Nummer 17

Von Gianluca Fraccalvieri
Niklas Stark wurde erstmals für die A-Nationalmannschaft nominiert.

Niklas Stark steht für die anstehenden Länderspiele gegen Serbien (20.45 Uhr im LIVETICKER) und die Niederlande erstmals im Kader der A-Nationalmannschaft. Nach den EM-Titeln mit der U19 und U21 will der gebürtige Bayer nun auch im DFB-Team Fuß fassen und Teil des Löw'schen Europameister-Projekts 2020 werden. Das Potenzial dafür bringt er definitiv mit - doch das Erbe, das er antritt, wiegt schwer.

Überraschend kam der Anruf von Joachim Löw nicht. Auch wenn Starks Puls kurz in die Höhe schoss. "Er hat mir gesagt, dass in der Nationalmannschaft ein Umbruch stattfindet und sich daher bewusst einige Chancen für jüngere Spieler bieten. Zudem habe er mich schon länger auf dem Zettel gehabt", erzählt Stark im Interview mit dfb.de.

Vollkommen aus der Luft gegriffen war Starks Nominierung nicht. Schließlich durchlief er alle U-Nationalmannschaften und gewann 2014 die goldene Fritz-Walter-Medaille für den besten U19-Spieler. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Löw zum Hörer greift. Nun will sich Stark für weitere Anrufe empfehlen.

Michael Wiesinger überrascht Nominierung von Niklas Stark nicht

Dass Stark beim Blick auf sein Handy noch öfter die Nummer von Löw auf seinem Display aufleuchten sehen wird, steht für dessen ehemaligen Jugendtrainer Michael Wiesinger außer Frage.

"Wenn er eine Chance bekommt, dann wird er sie packen", sagte Wiesinger exklusiv gegenüber SPOX und Goal. Er hatte den damals 18 Jahre alten Stark beim 1. FC Nürnberg trainiert: Wiesinger erkannte das Talent des 1,90 Meter großen Innenverteidiger früh und zog ihn von der U19 zu den Profis hoch.

Beim FCN überzeugte Stark als Vorzeige-Profi, arbeitete hart und verdiente sich nach und nach seinen Stammplatz. 2015 folgte der Wechsel zur Hertha. Von der Weinprovinz Neustadt an der Aisch in die Weltmetropole Berlin.

Neue Stadt, alte Arbeitsmoral, selber Lohn. "Er ist bei uns zum absoluten Führungsspieler herangewachsen", schwärmte Hertha-Coach Pal Dardai jüngst im kicker von seinem Schützling. "Er bringt für einen Nationalspieler alles mit!"

Niklas Stark ist ein Anführertyp

Und nicht nur irgendein Nationalspieler kann Stark werden. "Niklas ist ein Anführertyp", meint sein ehemaliger U21-Trainer Stefan Kuntz. "Er kann sich artikulieren und hat eine klare eigene Meinung. Was die Belange der Mannschaft angeht, war er tonangebend bei uns 2017", erklärte Kuntz gegenüber Spiegel Online.

Schon zu seinen Nürnberg-Zeiten war Stark einer, der vorausging, der Verantwortung übernahm - das entging auch seinem damaligen Trainer nicht. "Es war schon auffällig, dass er in unserer U19 und in den Jugendnationalmannschaften einer war, der in eine Leader-Position reinwachsen kann", bestätigte Wiesinger.

Diese Führungsqualitäten verschafften ihm nicht nur seinen ersten Bundesligastart im zarten Alter von 18 Jahren, sondern in der Folge auch schnell einen Stammplatz beim Club - damals noch im defensiven Mittelfeld. "Ich traute ihm auch direkt zu, eine Rolle bei den Profis einzunehmen und von Anfang an in einem Bundesligaspiel aufzulaufen", sagte Wiesinger.

Der Sprung zum Stammspieler in der Nationalmannschaft ist jedoch ein weiter.

Niklas Stark in der überbesetzten DFB-Innenverteidigung

Beim DFB trägt Stark in Zukunft die Rückennummer 17 von Jerome Boateng - einem Ex-Hertha-Profi, der bezeichnenderweise in der Nationalmannschaft immer als Leader und meinungsstark galt. Dessen Rolle wird Stark kaum auf Anhieb übernehmen können, denn das Erbe der Nummer 17, die über Jahre so brillant verteidigte und traumhafte Bälle schlug, wiegt schwer.

Und selbst nach der Ausbootung von Hummels und Boateng ist die deutsche Innenverteidigung noch so gut besetzt, das Stark erstmal nur einen Schnupperkurs erhält.

Löw setzt wohl auf ein 3-4-3-System, was auch mit Blick auf den Kader deutlich wird. Den drei gelernten Außenverteidigern Lukas Klostermann, Marcel Halstenberg und Nico Schulz stehen gleich sechs Innenverteidiger gegenüber, von denen Niklas Süle und Antonio Rüdiger derzeit gesetzt sein dürften.

Dahinter scharren Matthias Ginter, Jonathan Tah und Thilo Kehrer schon länger mit den Hufen - und nun eben auch Niklas Stark.

Dass der 23-Jährige dadurch aber jetzt "überpowert" und einen Einsatz um jeden Preis erzwingen wolle, glaubt Wiesinger nicht: "Er ist jemand, der das ganz gut einschätzen kann", erklärte der 46-Jährige. Seiner Meinung nach wird sich diese "Beharrlichkeit" in Verbindung mit "ein bisschen Glück" früher oder später auch auszahlen.

Niklas Stark: Bayern und BVB strecken schon ihre Fühler aus

Starks Nominierung zum DFB-Team dürfte auch dem Rest der Bundesliga nicht entgangenen sein. Schon länger kursieren Gerüchte um ein mögliches Interesse seitens des FC Bayern und des BVB, die nun wohl noch einmal genauer hinschauen werden, wenn der Nationalspieler in spe bald wieder für die Hertha auf dem Platz steht.

Nach seinem Aufstieg unter Löw wäre ein Wechsel zu einem großen Verein im Sommer zudem der nächste große und auch logische Karriereschritt. "Wie ich ihn als 17-Jährigen wahrgenommen habe, war mir klar, dass der Weg absehbar ist und Hertha für ihn nicht die Endstation sein muss", meint auch Wiesinger, der sich sicher ist, dass "die Verlockungen kommen werden".

Gleichzeitig wisse er aber auch, dass sein ehemaliger Schützling "eine gute Entscheidung treffen" werde. Angeblich ist in Starks bis 2022 laufendem Vertrag in der Hauptstadt eine Ausstiegsklausel in Höhe von 25 Millionen Euro verankert.

Glücklicherweise gibt Stark nicht viel auf Zahlen, Mathematiker wäre er wohl nicht geworden: "Ich wollte immer schon was mit Autos machen." 25 Millionen Euro? "Das ist doch nur eine Zahl!"

Niklas Starks Leistungsdaten in dieser Saison

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