WM-Affäre zieht weiter Kreise

DFB stellt Radmann Zahlungsbefehl zu

SID
Dienstag, 09.02.2016 | 15:07 Uhr
Radmann hat 2002 angeblich persönlich mit Ex-FIFA-Boss Blatter einen Deal eingefädelt hat
© getty
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Der DFB hat dem ehemaligen OK-Vizepräsidenten Fedor Radmann in der WM-Affäre einen Zahlungsbefehl über 6,7 Millionen Euro zugestellt. Radmann bestätigte dem SID am Dienstag einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung und erklärte, er habe "selbstverständlich sofort reagiert und die Zahlung abgelehnt".

Er habe das Schreiben vom Betreibungsamt seines Schweizer Wohnortes Teufen bereits am 8. Januar erhalten. "Nun muss der DFB beweisen, dass er überhaupt eine berechtigte Forderung hat", sagte Radmann: "Aber dafür gibt es null Anlass." Das Verhalten des DFB sei "völlig absurd, hanebüchen und bar jeder Grundlage".

Das Vorgehen des Verbandes ist üblicher Teil eines sogenannten Betreibungsverfahrens in der Schweiz, mit dem der DFB die Verjährung möglicher Ansprüche gegen den engen Vertrauten Franz Beckenbauers verhindern will. "Es geht auch in diesem Fall darum, Rechtspositionen zu erhalten", sagte ein DFB-Sprecher der Bild-Zeitung: "In der Schweiz geschieht dies durch das Betreibungsverfahren. Die dazu notwendigen Schritte haben wir fristgerecht eingeleitet."

Güteanträge eingereicht

Ähnlich wie im Falle Radmanns war der DFB zuvor bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle in Hamburg vorgegangen und hatte Güteanträge eingereicht. Damit wird die Verjährung möglicher Ansprüche gegen Beckenbauer, der das WM-OK leitete, sowie die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach verhindert.

Die 6,7 Millionen entsprechen der Summe, die das Organisationskomitee für die WM 2006 im Jahr 2005 auf ein Konto des Weltverbandes FIFA überwies, verschleiert als Beitrag zum Kulturprogramm. Die Unterschrift leisteten damals DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und der spätere DFB-Präsident Zwanziger, zuständig für Recht und Finanzen im OK. Mutmaßlich sollte das Geld an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus weitergeleitet werden, der exakte Verbleib der Millionensumme ist ungeklärt.

Radmann ist ein enger Vertrauter Beckenbauers, der 2002 angeblich persönlich mit FIFA-Boss Joseph S. Blatter einen Deal eingefädelt hat. Demnach sollten 6,7 Millionen Euro an die FIFA überwiesen werden, laut Beckenbauer zur Sicherung eines späteren Zuschusses zur WM-Organisation seitens des Weltverbandes in Höhe von 170 Millionen Euro. Die Summe soll Dreyfus vorgestreckt haben. Blatter bestreitet den Vorgang. Radmann ist im Juni 2003 aus dem WM-OK ausgeschieden.

"Das würde ich so nicht noch einmal sagen"

Außerdem bereut Radmann den Schwur auf das Leben seiner Kinder in der Affäre um die Fußball-WM 2006. "Das war damals unglücklich von mir", sagte er: "Das würde ich so nicht noch einmal sagen."

In einem Interview mit der Zeit hatte Radmann Anfang November erklärt: "Ich könnte beim Leben meiner sechs Kinder beschwören, dass ich felsenfest davon überzeugt bin, dass nicht ein Mensch von uns bestochen wurde." Er sei dieser Meinung weiterhin, sagte er nun: "Nach meinem Kenntnisstand ist niemals bestochen worden. Es ist nichts Unredliches passiert."

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