Löws Personalpuzzle mit einigen Fragezeichen

"Wollen nicht rumjammern"

SID
Donnerstag, 09.10.2014 | 14:09 Uhr
Joachim Löw muss im Spiel gegen Polen seine Künste als Improvationskünstler zeigen
© getty
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Wegen der zahlreichen Ausfälle ist Bundestrainer Joachim Löw beim EM-Qualifikationsspiel in Polen als Improvisationskünstler gefordert. Jammern will er nicht.

Bloß kein Selbstmitleid! Trotz der äußerst angespannten personellen Situation mit dem Ausfall von gleich sechs wichtigen Spielern gehen die deutschen Weltmeister voller Selbstbewusstsein in das wegweisende EM-Qualifikationsspiel am Samstag (20.45 Uhr/RTL) in Warschau gegen Polen. "Wir haben trotzdem genügend Qualität im Kader und wollen nicht rumjammern. Die, die dabei sind, brennen auf ihren Einsatz", sagte der neue Co-Trainer Thomas Schneider am Donnerstag bei seiner ersten offiziellen Pressekonferenz in Frankfurt/Main - ganz im Sinne seines Chefs Joachim Löw.

Der Auftrag an die Mannschaft ist trotz des Fehlens einer halben Star-Truppe um Kapitän Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil klar: Ein Sieg gegen Weltklasse-Stürmer Robert Lewandowski und Co. Und dann am Dienstag in Gelsenkirchen gegen Irland nachlegen. "Gefühlsmäßig", sagte Thomas Müller entsprechend ungerührt zur Personalsituation, "bringt mich das Ganze jetzt nicht ins Wanken. Wir sind Weltmeister und müssen schauen, dass wir die nächsten drei Punkte einheimsen."

Doch das dürfte bei der Rückkehr in das Stadion, in dem die deutsche Elf im EM-Halbfinale 2012 an Italien (1:2) gescheitert war, schwerer werden, als es Polens Weltranglisten-Platz 70 ausdrückt. "Wir brauchen eine gute Mentalität und werden an unsere Grenzen gehen müssen", sagte Müller, "Polen ist kein Gegner, den man locker-leicht im Dreivierteltakt austanzt."

Im Team gut verteidigen

Vor allem, betonte der Offensivspieler des FC Bayern, werde die "gesamte Mannschaft gut verteidigen müssen". Doch genau da fangen die Probleme und fängt Löws Aufstellungspuzzle mit vielen Fragezeichen an. Die Abwehr stellt sich angesichts der Absenz von Benedikt Höwedes und der Nicht-Berücksichtigung von Kevin Großkreutz fast von alleine auf. Vor dem unumstrittenen Ersatz-Kapitän Manuel Neuer im Tor bilden der zuletzt ebenfalls angeschlagene Jerome Boateng und der formschwache Mats Hummels die Innenverteidigung. Links dürfte erneut Erik Durm beginnen, rechts könnte der Stuttgarter Antonio Rüdiger den Vorzug vor Sebastian Rudy erhalten, der zum Auftakt beim 2:1 gegen Schottland angefangen hatte.

Ähnlich klar, aber auch ähnlich schwierig ist die Lage im defensiven Mittelfeld. In Abwesenheit von Schweinsteiger und Sami Khedira sollen Toni Kroos und Christoph Kramer in der Schaltzentrale Takt und Rhythmus bestimmen. Während Kroos betonte, er nehme die Rolle als Führungsspieler an, sieht sich Kramer noch nicht so weit. Mit seinen erst sieben Länderspielen sei er "definitiv kein Leader auf dem Platz", meinte der Gladbacher am Donnerstag. Doch zum Duo Kroos-Kramer gibt es keine Alternative.

Dicke Fragezeichen stehen derweil hinter der Besetzung der vier Offensiv-Positionen. Mario Gomez wäre in der Sturmspitze die logische, weil aus Löws Sicht einzige Wahl, wenn er mit einem Stoßstürmer agieren wollte. Doch der Italien-Legionär ist mal wieder verletzt. Deshalb dürfte WM-Held Mario Götze dort den Vorzug vor Rückkehrer Max Kruse erhalten. Dahinter könnte Müller, der gegen Schottland beide Tore erzielt hatte, auf Özils Position des Spielmachers rücken.

Schürrle wieder zurück

Bleiben die Außen. André Schürrle, der zuletzt wegen muskulären Problemen ausgesetzt hatte, meldete sich wie der von seiner Grippe genesene Julian Draxler fit und dürfte spielen. Alternativen gibt es wenige, weil neben Özil auch Marco Reus verletzt fehlt. Möglich scheint deshalb, dass Löw den einzigen Neuling im Kader, Leverkusens Karim Bellarabi, debütieren lässt. Möglich auch, dass Lukas Podolski ran darf, obwohl der Edelreservist des FC Arsenal aktuell die schwierigste Phase seiner Karriere durchläuft. Im Training ließ Löw Podolski zuletzt auf dessen angestammter linken Seite stürmen.

All die Probleme änderten jedoch "nichts an der Aufgabe, dass wir nach Polen fliegen und dort gewinnen wollen", betonte Schneider. Eine Nachnominierung sei nicht geplant. "Wir haben 16 Feldspieler und sind mit dem bestehenden Kader sehr, sehr zufrieden." Klar sei die Lage knifflig, ergänzte Kramer, weil nach der WM viele Spieler "mit Wehwehchen zu kämpfen haben. Aber das soll gar keine Ausrede sein. Die Elf auf dem Platz werden fit sein." Und bereit für Lewandowski und Co.

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