Fünf Kandidaten für das Kapitänsamt

SID
Montag, 01.09.2014 | 13:44 Uhr
Philipp Lahm trat nach 53 Einsätzen als Kapitän zurück
© getty
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Einen Tag vor der Neuauflage des WM-Finales zwischen Deutschland und Argentinien lässt Joachim Löw die Katze aus dem Sack. Der Bundestrainer gibt noch vor dem Saisonauftakt des Weltmeisters gegen die Albiceleste am Mittwoch in Düsseldorf den Nachfolger von Philipp Lahm bekannt, der die DFB-Auswahl 53-mal als Kapitän anführte und nach der WM in Brasilien überraschend seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hat.

Für die Nachfolge des Münchners gibt es in dessen Vereinskollegen Manuel Neuer(28), Bastian Schweinsteiger (30) und Thomas Müller (24) sowie Sami Khedira (27) von Real Madrid und Mats Hummels (25) von Borussia Dortmund fünf aussichtsreiche Kandidaten.

Favoriten auf das Kapitänsamt sind WM-Held Schweinsteiger und Torwart Neuer, die beide schon ihre Bereitschaft erklärt haben, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. "Wenn der Trainer es mir zutraut, würde ich es machen", bekräftigte Neuer noch einmal am Montag kurz nach der Ankunft in der NRW-Landeshauptstadt auf der Pressekonferenz.

Schweinsteiger - "logische Nachfolger"

Für Deutschlands Fußball-Kaiser ist allerdings der 108-malige Nationalspieler und bisherige Lahm-Stellvertreter Schweinsteiger der "logische Nachfolger" von Lahm. Neuer sieht der frühere DFB-Teamchef nur bedingt als geeignet an.

"Von einem Torhüter bin ich nicht sehr begeistert, auch wenn er so ein Superstar wie Manuel Neuer ist. Er hat kaum Einfluss auf das Spiel und den Schiedsrichter", merkte Beckenbauer an, der selbst 50-mal die Binde getragen hat.

Dass in Oliver Kahn ein Keeper der Rolle des Kapitäns aber ebenfalls 50-mal gerecht geworden ist, weiß aber auch Löw. Der war allerdings als Assistenzcoach auch dafür mitverantwortlich, dass Bundestrainer Jürgen Klinsmann 2004 in einer seiner ersten Amtshandlungen als Bundestrainer Kahn die Binde abnahm und an Michael Ballack weiterreichte.

"Auch ohne Binde glücklich"

Klar ist, dass Schweinsteiger am Mittwoch auf keinen Fall als Kapitän aufläuft, da er verletzungsbedingt nicht zum Aufgebot für den ersten Doppelpack der neuen Spielzeit gegen Argentinien und am Sonntag gegen Schottland zählt.

Die Verletzungsanfälligkeit seines "emotionalen Leaders", wie Löw seinen Vorkämpfer gerne bezeichnet, könnte verhindern, das Schweinsteiger den Weltmeister als Kapitän zur EM 2016 nach Frankreich führt. Der Münchner, der stellvertretend schon neunmal die Kapitänsbinde getragen hat, stellte aber bereits in den vergangenen Tagen klar, dass er "auch ohne Binde glücklich" sei.

Neuer sagte, dass Löw auf alle Fälle eine "gute Lösung" präsentieren werde, da es ausreichend Spiele gebe, die dieses Amt ausfüllen könnten. Deutschlands Fußballer des Jahres würde als Coach einen Mittelfeldspieler bevorzugen: "Da ist die Kommunikation mit dem Schiedsrichter besser gegeben."

"Position etwas überschätzt"

Müller ließ derweil durchblicken, dass er "nicht unbedingt scharf" auf dieses Amt sei. Dies wird Löw zur Kenntnis genommen haben und den WM-Torschützenkönig von 2010 wohl "nur" für den neu zu bildenden Mannschaftsrat vorschlagen, der nach den Rücktritten von Miroslav Klose (36) und Per Mertesacker (29) ebenfalls neues Personal benötigt.

Sami Khedira und Mats Hummels haben da weitaus bessere Karten. Hummels, seit dieser Saison auch Spielführer von Borussia Dortmund, steht in der Hierarchie der DFB-Auswahl nach seiner starken WM-Vorstellung ganz weit oben und wurde von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach explizit ins Spiel gebracht. Der Innenverteidiger ist sicher im Auftreten und trägt zur Meinungsbildung innerhalb des Teams bei.

Im Gegensatz zu Schweinsteiger sind Hummels und Neuer auch äußerst kommunikativ und empfinden Pressekonferenzen und andere öffentliche Auftritte nicht als lästige Pflicht. Mit "nur" 36 Länderspielen verfügt Hummels aber noch nicht über eine allzu große Nationalmannschaftserfahrung.

Champions-League-Sieger Khedira hat mit 51 Länderspielen zwar auch nicht viel mehr Einsätze vorzuweisen, er steht bei Löw aber hoch im Kurs, wie nicht zuletzt die WM bewiesen hat. Er war der einzige Spieler, dem der Bundestrainer nach dessen schwerer Knieverletzung sozusagen eine Wildcard einräumte. Löw schätzt Khediras vorbildlichen Einsatz und dessen professionelles Auftreten. Als Kapitän der deutschen U21, die 2009 Europameister wurde, hat er zudem schon seine Führungsqualitäten unter Beweis gestellt.

"Grundsätzlich wird diese Position etwas überschätzt. Aber der Kapitän sollte schon eine große Persönlichkeit und ein guter Kommunikator sein, der die Belange der Mannschaft vertritt", sagte Teammanager und Ex-Kapitän Oliver Bierhoff zu Wochenbeginn.

Das DFB-Team im Überblick

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