Flexibel und gelassen

Von Stefan Rommel
Donnerstag, 10.11.2011 | 20:30 Uhr
Mit Gözilla gegen die Ukraine: Mario Götze (l.) und Mesut Özil sollen gemeinsam auflaufen
© Getty
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Die deutsche Nationalmannschaft geht selbstbewusst, aber nicht arrogant an die letzten Aufgaben des Jahres. Gegen die Ukraine (Fr., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) will Bundestrainer Joachim Löw wieder experimentieren, sein eingespieltes Kollektiv erlaubt ihm selbst größere Umstellungen oder kompensiert Ausfälle.

Der Weg ist noch unklar, das Ziel steht aber immerhin bereits fest. Und um sich schon mal ein wenig an das nagelneue Olympiastadion in Kiew zu gewöhnen, verabredete der Deutsche Fußball-Bund einen Ländervergleich auf Testbasis.

Der findet jetzt am Freitag bereits statt, rund acht Monate vor dem eigentlich anvisierten Ziel: Dem EM-Finale 2012.

Die deutsche Nationalmannschaft fühlt schon mal vor, dabei will die Mannschaft rund um das Spiel gegen den Co-Gastgeber der Titelkämpfe im nächsten Jahr aber keineswegs überheblich oder arrogant wirken. Im Gegenteil.

Ohne Klose, Schweinsteiger & Lahm

Dass das Turnier bereits jetzt von vielen auf einen Zweikampf zwischen Deutschland und seinem Angstgegner Spanien reduziert wird, schmeckt den Protagonisten gar nicht. "Wir dürfen uns nicht nur auf sie fokussieren. Die Niederlande, Frankreich, England, Italien und auch Portugal muss man immer auf dem Zettel haben", sagt Sami Khedira.

Trotzdem gehen die Mannschaft und ihr Trainer demonstrativ gelassen in die beiden letzten Länderspiele des Jahres. Mit Miroslav Klose (112 Länderspiele) und Bastian Schweinsteiger (90) fallen zwei erfahrene Führungsfiguren aus, zudem wird Kapitän Philipp Lahm, mit 85 Einsätzen für Deutschland dekoriert, geschont.

Es gab schon Zeiten beim DFB, da hätte der Ausfall drei der wichtigsten Spieler unweigerlich große Bedenken entfacht. Ein halbes Jahr vor der EM ist davon aber beim Tross um Bundestrainer Joachim Löw nichts zu spüren.

Improvisation und Flexibilität

"Unsere Mannschaft ist viel eingespielter als vor zwei Jahren, die Grundelemente stimmen", sagt Löw. "Wir haben genügend Qualität und Klasse, um Ausfälle auf der einen oder anderen Position zu kompensieren - das haben wir geschafft in den vergangenen Jahren."

Die deutsche Mannschaft wirft seit der WM im letzten Jahr kaum noch etwas um, als im Vorfeld des Turniers fünf Spieler ausfielen, darunter unter anderem der zur Nummer eins erkorene Rene Adler und Kapitän Michael Ballack.

Die Improvisation und eine gewisse Flexibilität wurden damals aus der Not geboren, ein gutes WM-Turnier und eine perfekte EM-Qualifikationsrunde später sind es auch Markenzeichen dieses deutschen Teams.

Kein großer Substanzverlust

Löw ist mittlerweile soweit, freiwillig oder unfreiwillig Experimente wagen zu können, ohne dass er einen zu großen Substanzverlust bei seiner Mannschaft befürchten müsste.

"Wir verstehen uns auf dem Platz immer besser. Das dokumentieren unsere Ballpassagen. Wenn bei uns mittlerweile mal ein, zwei Spieler ausfallen, können wir das kompensieren, ohne dass das groß auffällt", sagt Khedira.

Auch Teammanager Oliver Bierhoff sieht die Lage ähnlich. "Schwer war früher, dass wir wichtige Spieler nicht ersetzen konnten. Michael Ballack im WM-Finale 2002, Torsten Frings im WM-Halbfinale 2006 oder Thomas Müller im WM-Halbfinale 2010. Jetzt fehlt mal im Mittelfeld einer, und dann zaubert plötzlich Toni Kroos."

"Unglaublich interessante Spieler"

Beim letzten Testspiel in Danzig probierte Löw insgesamt acht Spieler aus der zweiten Reihe aus, gegen den anderen EM-Gastgeber Polen reichte es auch mit einer 1B-Elf immerhin zu einem 2:2.

"Das ist absolut Jogis Mannschaft, die haben seine Gedanken inhaliert. Dieses Team hat sich weiterentwickelt, da etliche junge Spieler wie Özil, Müller oder Neuer wertvolle Erfahrungen sammeln konnten", so Bierhoff.

"Und es sind sehr schnell unglaublich interessante Spieler nachgekommen. Denken Sie an Götze, die Bender-Zwillinge, Hummels, Schürrle, Schmelzer oder Reus. Alles Spieler, die in jungen Jahren schon Stützen in ihrem Klub sind."

Chance für Zieler, Schmelzer und Aogo

"Wir können uns Umstellungen und Experimente leisten, weil die Dinge greifen und das Team immer gefestigter wird." Also wird Löw auch in Kiew die Chance nutzen, um sich von den Spielern aus dem Hintergrund ein Bild zu machen.

Ron-Robert Zieler wird zumindest eine Halbzeit lang spielen, "vielleicht sogar 90 Minuten", wie Löw sagt. Hier muss er noch mehr testen als auf anderen Positionen - hinter Manuel Neuer als Nummer eins sind weder das personal noch die Rangliste fix definiert.

In Abwesenheit von Lahm dürfen Marcel Schmelzer und Dennis Aogo vorspielen. Einer von beiden wird im kommenden Juni mit ziemlicher Sicherheit die Reise nach Polen und in die Ukraine mit antreten. Der befindet sich dann schon in den großen Ferien.

Özil und Götze im 4-1-4-1

Die Ukraine gilt nicht als einer der großen Favoriten im nächsten Jahr, auch wenn die Osteuropäer ein unbequemer Gegner sein können.

In die Preisklasse der Niederländer und Franzosen, die beiden letzten deutschen Gegner vor der unmittelbaren EM-Vorbereitung, schafft es das Team von Trainer Oleg Blochin aber nicht.

Insofern wird es für die deutsche Auswahl auch der letzte Test, ihren dominierenden Fußball gegen einen schwächeren Gegner zu verfeinern. Mesut Özil und Mario Götze sollen dafür zum ersten Mal gemeinsam auf dem Platz stehen.

Özil in der offensiven Schaltzentrale, Götze einen Tick weiter nach hinten versetzt, als der von Löw gewissermaßen erfundene Zwischenspieler. In einem 4-1-4-1 wartet die DFB-Auswahl auf.

Zuletzt wurde damit Rekord-Weltmeister Brasilien besiegt.

DFB-Team on tour: alle Länderspiele 2011 auf einem Blick

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