Erkenntnisse der Systemumstellung

Experiment Dreierkette: Mit Sinn und Verstand

Von Stefan Rommel
Sonntag, 13.11.2011 | 20:32 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw versammelt seine Spieler zu einer Besprechung im Training
© Getty
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Joachim Löws Systemumstellung gegen die Ukraine wurde teilweise heftig kritisiert. Aber warum eigentlich? Schließlich hat der Test einige wichtige Fragen beantwortet.

Eigentlich musste Joachim Löw den Ukrainern am Freitag doch sehr dankbar sein. Zum einen durften er und seine Mannschaft schon mal reinschnuppern in das Stadion, das im kommenden Jahr die letzte und dann hoffentlich auch erfolgreiche Station von zwei Jahren harter Arbeit sein soll.

Und zum anderen genügte die Mannschaft von Oleg Blochin gerade vorzüglich als Testspielgegner fast wie vom Reißbrett. Durch den Rückstand zur Pause wurde Löws Vorhaben quasi potenziert, die zweite Halbzeit zu einer perfekten Generalprobe für den Ernstfall.

Löw sammelte "viele Erkenntnisse"

Umso erstaunlicher, dass sich die teilweise völlig überzogene Kritiken auf Löws Spielsystem und natürlich die drei Gegentreffer fokussierten. "Wenn man die Schwierigkeiten im Spiel gegen die Ukraine aber auf das System oder die Abwehr schieben will, ist das in die falsche Richtung diskutiert", sagte Löw mit fast zwei Tagen Abstand.

Dass der Bundestrainer die Chance in Kiew nutzte, um noch einmal etwas völlig Neues auszuprobieren, lag auf der Hand. Gegen die letzten beiden Gegner vor der EM-Vorbereitung Niederlande und Frankreich wäre ein solches Unterfangen schlicht unangebracht.

Zumal es in diesen Spielen eher darum gehen dürfte, der Konkurrenz einen dezenten Hinweis auf die Stärke der deutschen Mannschaft zu geben. "Viele Erkenntnisse" habe Löw in der Ukraine sammeln können. Aber welche?

Die Grundidee: Die Nationalmannschaft hat eine Langzeit-Baustelle - rechts hinten in der Viererkette. Nach Philipp Lahms Rückkehr auf die linke Seite sucht der Bundestrainer verzweifelt nach einer geeigneten Lösung. Im Gegenzug offenbart sich ihm ein Überangebot an hochqualifizierten Mittelfeldspielern.

Die Lösung liegt förmlich auf der Hand: Man reduziere die Abwehrkette um das eine (schwer zu findende) Glied und gönne sich noch einen Kreativspieler mehr im Mittelfeld. Die klassische Variante, um auf einen Rückstand zu reagieren, wenn man die Viererkette auflöst und vorne aufstockt.

In Nuancen erinnerten die Protagonisten und das System an eine Mischung aus Barcelona und Real Madrid. Sehr oft lässt Jose Mourinho in dieser Saison mit einer Dreierkette spielen, um Linksverteidiger Marcelo als zusätzlichen Spieler ins Mittelfeld zu ziehen. Hier tummeln sich bei Barca bis auf Abräumer Sergi Busquets kleine, wendige Spieler, die eine hohe Ballzirkulation und -kontrolle garantieren sollen.

In Ansätzen griff diese Symbiose auch bei der deutschen Mannschaft, mit ihren vielen Vor-, aber auch Nachteilen.

Ordentliches Pressing: Sehr auffällig war gleich von der ersten Minute an, wie tief die deutsche Mannschaft - oder besser: vereinzelte Mitglieder - versuchten zu pressen. Sami Khedira oder Toni Kroos machten den langen Weg raus aus dem Zentrum, um die Ukrainer schon auf Höhe ihrer Innenverteidiger abzuholen.

Abwechselnd betätigten sich auch Mesut Özil, Mario Götze und Mario Gomez, was zu frühen Ballgewinnen führte, oft auch noch weit vor der Mittellinie. Die extrem hoch stehende Dreierkette machte den Spielraum für die Gastgeber noch kleiner, insofern waren hier fast alle Kriterien erfüllt.

Mit einer entscheidenden Ausnahme: Im Ablauf war das Pressing nicht immer genau. Einige Male liefen vereinzelte Spieler den Gegner zwar in hohem Tempo an, der Rest der Mannschaft verschob dann aber nicht konsequent und ließ den Ukrainern damit immer auch wieder einige Schlupflöcher.

Gelungene Mittelfeldrochade: Was sich im letzten EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien schon angedeutet hatte, fand in Kiew seine Fortsetzung: Löw ließ sein Mittelfeld fast nach Belieben rochieren. Bis auf die beiden Außenspieler Christian Träsch und Dennis Aogo durften sich alle fast frei bewegen und überall auf dem Feld auftauchen.

Die Variabilität machte dem Gegner teilweise schwer zu schaffen. Besonders bei der Spieleröffnung aus der Abwehr heraus fanden sich durch das fließende Modell immer wieder verschiedene Anspielstationen, Deutschland war so relativ schwer auszurechnen. Oder aber einer der Mittelfeldspieler ließ sich tiefer fallen, um die Bälle kurz von den Innenverteidigern abzuholen und den Angriff selbst zu initiieren.

Was allerdings weniger gut war: Es gab, gerade wenn die Ukraine schnell umschaltete, immer wieder Abstimmungsprobleme bei der Übernahme der Gegenspieler im Mittelfeld, nicht nur bei den Gegentoren.

Die Spieleröffnung aus der Abwehr: Die Formation von drei gelernten, technisch beschlagenen Innenverteidigern hat für den Spielaufbau unter Umständen einen entscheidenden Vorteil: Durch die zentral angeordnete Aufstellung sind die Abwehrspieler quasi gezwungen, die Bälle vertikal und flach ins Mittelfeld zu spielen. Das hebelt die Offensivreihe des Gegners mit einem Pass aus und bringt das nötige Tempo ins Spiel.

Die Variation mit langen Diagonalbällen auf die Außen ist dabei aber schwierig. Der eigene Spieler steht dann allein, ein Hinterlaufen des Außenverteidigers findet nicht statt. Der schöne Vorteil der Spielverlagerung greift hier nicht.

Die Außenspieler: Im gestärkten Zentrum liegt zwar der Kern der Idee, die beiden Außenspieler sind trotzdem ungemein wichtig für den reibungslosen Ablauf. Aogo hatte dabei die größere Aufgabe zu bewältigen, weil es am Hamburger lag, die Abwehrkette bei gegnerischem Ballbesitz zur Viererformation aufzufüllen, um die gesamte Breite des Spielfelds wie gewohnt abzudecken. Dazu sollte Aogo aber auch für Akzente in der Offensive sorgen, vor allen Dingen mit Flanken. Auf der anderen Seite hatte Träsch deutlich mehr Freiheiten, wusste diese aber kaum zu nutzen.

Problematisch war die Tatsache, dass Deutschland auf den Flügeln sowohl defensiv als auch offensiv nicht gut doppeln konnte, weil den Mittelfeldaußen in Form des Außenverteidigers schlicht der fest zugeordnete Partner fehlte.

Dazu kommt, dass weder Aogo noch Träsch kreativ und explosiv genug sind, um sich im Dribbling entscheidend durchzusetzen oder mal zur Grundlinie zu gelangen. Mit Andre Schürrle und Thomas Müller beziehungsweise Lukas Podolski in der zweiten Halbzeit wurde dies deutlich besser.

Unterzahl im Strafraum: Gomez als einzige nominelle Spitze erfuhr besonders bei den wenigen Flanken, die dann doch den Weg in den Sechszehner fanden, aus dem Mittelfeld zu wenig Unterstützung.

Bis auf Khedira und eben Gomez hatte Deutschland keinen anderen kopfballstarken Spieler auf dem Feld, der mit den hohen Bällen etwas anfangen konnte. Für den Gegner waren hohe Flanken deshalb ein gefundenes Fressen, gegen allenfalls zwei Gegenspieler hatte die Viererkette leichtes Spiel.

Die Kinderkrankheiten: Die extrem offensive Ausrichtung birgt selbstverständlich auch viele Gefahren. Besonders in der zweiten Halbzeit gab es einige brenzlige Kontersituationen für den Gegner, allerdings waren diese dem Spielstand geschuldet und nicht unmittelbar Folge des Systems.

Auch die Gegentore sind nicht auf die grundlegende Spielausrichtung zurückzuführen, sondern das Ergebnis einer Kette von individuellen Fehlern. Bei den ersten beiden Toren nach eigenen Standards fehlt die doppelte Absicherung, wenn alle drei Innenverteidiger mit aufrücken. Dazu kommen vermeidbare Fehler (Fehlpass Hummels vor dem 2:0) und schläfriges Umschaltverhalten der Mittelfeldspieler (ebenfalls vor dem 2:0).

Dass mit Götze und Özil zwei Offensivkräfte im eigenen Strafraum in die entscheidenden Zweikämpfe müssen, wie beim 1:0 für die Ukraine, darf in der Form nicht passieren.

Oder wie es Hummels formulierte: "Wenn wir mit einer Viererkette spielen und der Gegner bekommt so viele Konter, dass er auf diese zulaufen kann, haben wir das gleiche Problem. Insofern war das nicht eine Frage der Dreier- oder Viererkette." Den dritten Gegentreffer per Fernschuss kann in der Form jede Mannschaft der Welt schlucken.

Fazit: Der Trainingseffekt hätte höher kaum sein können als bei der Partie in Kiew. Durch den relativ hohen Rückstand war die deutsche Mannschaft noch mehr gezwungen, ihr Spiel in die Hälfte des Gegners zu verlegen. In der zweiten Halbzeit rückte dann sogar noch Boateng mit nach, de facto standen dann mit Hummels und Badstuber zeitweise nur noch zwei Abwehrspieler als Absicherung parat.

Allein die Tatsache, dass Löw aber über 90 Minuten an seinem System festhielt, sollte anschaulich machen, wie sehr dem Bundestrainer das Spiel als Test für den Ernstfall dienen sollte und wie wenig er auf das Ergebnis schaute.

Schon vor wenigen Wochen nahm Löw von der lange gehegten Formel Abstand, die Spanien sowohl als Vorbild als auch großen Gegenspieler sieht. "Es gibt bei der EM wahrscheinlich eine Gruppe von Favoriten", meinte Löw damals und zählte neben Spanien auch Holland, Portugal, England und Frankreich auf.

Jeder dieser Kontrahenten spielt einen anderen Stil und manchmal muss man sich den Gegebenheiten auch anpassen. Deshalb muss die Mannschaft auch ihren Kanon vergrößern, muss breiter aufgestellt sein, in ihrem Spiel flexibler und variabler.

"Eine gute Mannschaft muss Varianten kennen. Wir haben ein Hauptsystem, das über viele Monate auch sehr gut funktioniert hat. Aber wir wollen uns weiterentwickeln und bei der EM unberechenbar und flexibel sein", begründete Löw seine Entscheidung.

Der Ausflug nach Kiew dürfte sich unterm Strich mehr gelohnt haben als jeder 2:0-Sieg mit einem der herkömmlichen Spielsysteme.

Ukraine - Deutschland: Fakten zum Spiel

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