Fussball

Selbst Mini-Ronaldo sitzt auf der Bank

Von Torsten Adams
Stand in vier WM-Spielen erst einmal in der Startelf: Gremio-Youngster Douglas Costa
© Imago

Offensiv unterlegen, individuell limitiert: Endet der Höhenflug der deutschen U 20 im Viertelfinale gegen WM-Favorit Brasilien (16.15 Uhr im LIVE-TICKER)? Horst Hrubeschs Assistent Thomas Nörenberg hat aber eine entscheidende Schwäche der Selecao ausgemacht.

Die deutsche U-20-Nationalmannschaft übertrifft bei der WM in Ägypten trotz der zahlreichen Absagen im Vorfeld des Turniers alle Erwartungen. In einem packenden Achtelfinal-Duell gegen Nigeria kamen die Schützlinge von Trainer Horst Hrubesch zweimal nach Rückstand zurück und entschieden die Partie mit einem Last-Second-Tor von Björn Kopplin.

"Die Spieler haben verstanden, dass sie ihre Berechtigung haben, diese WM zu spielen", sagt Hrubesch. "Ich habe ihnen erklärt, dass sie nicht der zweite Anzug sind. Und sie haben sich in dieses Turnier richtig reingebissen." Selbst der Titel scheint nicht mehr illusorisch, obwohl Viertelfinal-Gegner Brasilien (16.15 Uhr im LIVE-TICKER) der "eindeutige Turnierfavorit ist", wie Uruguay-Coach Diego Aguirre nach der Achtelfinal-Niederlage gegen die Selecao sagte.

SPOX stellt die brasilianische U 20 gemeinsam mit Hrubesch-Assistent Thomas Nörenberg vor und hat alle Zahlen und Fakten zum Duell der Kontinentalmeister aus Südamerika und Europa.

Die Ausgangslage:

Bereits in der Vorrunde bewies Brasilien eindrucksvoll seine WM-Ambitionen. Costa Rica wurde mit 5:0 weggeputzt, Australien mit 3:1. Gegen die starken Tschechen gab es ein 0:0. Im Achtelfinale dann das bisherige Highlight: Brasilien ließ beim 3:1 Uruguay nicht den Hauch einer Chance. Ein Torverhältnis von 11:2 aus vier Spielen spricht eine eindeutige Sprache.

Deutschland qualifizierte sich ebenfalls als Gruppenerster für die Runde der letzten 16 und rang Nigeria in einer dramatischen Partie trotz zweimaligen Rückstandes und einer fast halbstündigen Unterzahl mit 3:2 nieder.

Das ist Brasiliens Stärke:

"Im offensiven Bereich sind uns die Brasilianer überlegen. Da hilft kein Herumreden, wir sind individuell limitiert", sagt Nörenberg. Der geballten Offensivwucht soll die deutsche Mannschaft mit Teamwork und Kampfwillen begegnen, so klischeehaft es klingt.

Nörenberg: "Wir werden sehen, wie Brasilien reagiert, wenn jemand richtigen Widerstand leistet. Das waren sie im bisherigen Turnierverlauf - anders als wir - nicht gewohnt."

Das ist Brasiliens Schwäche:

Das Umschalten. "Wenn Brasilien im Spielaufbau den Ball verliert, können wir sie knacken, denn in der Rückwärtsbewegung stehen sie nicht so kompakt. Manchmal klafft eine Lücke zwischen 50 und 55 Metern", sagt Nörenberg.

"Daher werden wir nach Ballgewinn so schnell wie möglich versuchen, diesen Bereich zu überbrücken."

Das sind Brasiliens Schlüsselspieler:

Angesichts der überragend besetzten Offensive fällt es selbst Nörenberg schwer, den entscheidenden Schlüsselspieler auszumachen. Egal ob Mittelstürmer Alan Kardec (drei Tore in vier Spielen) oder die drei offensiven Mittelfeldspieler Giuliano (Kapitän und Dribbelkönig) Alex Teixeira (Doppelpack gegen Uruguay) und Paulo Henrique: "Wenn man einem von ihnen zu viel Platz lässt, wird man bestraft", sagt Nörenberg.

Der deutsche Co-Trainer weiter: "Alleine dass ein Spieler wie Douglas Costa nur auf der Bank sitzt, zeigt die Tiefe des Kaders." Costa, bereits als Wunderkind bejubelt, galt vor dem Turnier als der kommende Superstar und wurde von Giovane Elber bereits mit Cristiano Ronaldo verglichen.

Das sagen die Beteiligten:

Rogerio Lourenco (Trainer, Brasilien): "Wir träumen natürlich vom Titelgewinn, aber das tun alle Mannschaften, die noch im Wettbewerb vertreten sind. Ich bin sehr zufrieden mit unserer bisherigen Leistung, auch wenn wir uns zu Beginn des Turniers ein wenig schwer getan haben. Aber die Hauptsache ist, dass wir weiterhin auf bestem Weg sind, unser Ziel, den Einzug ins Finale, zu erreichen. Das ist angesichts der harten Konkurrenz kein einfaches Ziel, wir sind jedoch fest entschlossen und vertrauen in die Fähigkeiten unserer Spieler.

Horst Hrubesch (Trainer, Deutschland): "Wir haben eine gute Mannschaft, die weiß, worum es geht. Wir werden versuchen, auch in der nächsten Runde weiterzukommen. Es wird ein schweres Spiel, aber auch in diesem Spiel werden wir unsere Chancen bekommen. Wir werden nicht so blauäugig in die Partie gehen wie die Uruguayer. Wenn man ihnen die Luft zum Atmen nimmt, dann sind auch die Brasilianer zu schlagen. Dann haben wir auch eine Chance auf das Halbfinale."

Lewis Holtby (Deutschland): "Brasilien gegen Deutschland ist ein Klassiker des Weltfußballs. Wir werden alles geben und wollen unser Ziel, unter die besten Vier zu kommen, unbedingt erreichen. Die Chancen dafür sind da."

Alan Kardec (Brasilien): "Ich weiß nicht, ob wir die Zeit haben werden, uns die Pyramiden oder andere Sehenswürdigkeiten anzuschauen, aber ehrlich gesagt ist das für uns nicht so wichtig. Hier in Kairo werden die entscheidenden Spiele ausgetragen. Und hier werden wir hoffentlich auch unseren letzten großen Schritt in Richtung Titelgewinn machen."

Björn Kopplin im Porträt: Kein Interesse an Notebook

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