Ruck über rechts

Von Für SPOX bei der Nationalmannschaft: Stefan Rommel
Sonntag, 29.03.2009 | 13:46 Uhr
Bastian Schweinsteiger, hier mit Lukas Podolski, erzielte 18 Tore in 64 Länderspielen
© Getty
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Das DFB-Team löste seine WM-Qualifikationsaufgabe gegen Liechtenstein souverän mit 4:0. Und zum ersten Mal seit langem dominierte Deutschlands rechte Angriffsseite ein Spiel. Der starke Bastian Schweinsteiger scheint eine neue Alternative als Spielpartner gefunden zu haben.

Es ist noch gar nicht so lange her, da feierten Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski in Leipzig ihren großen Durchbruch im Dress der Nationalmannschaft.

Beim Confed-Cup 2005 spielten sich die beiden Jungspunde im Spiel um Platz drei gegen Mexiko in die Herzen der Fans und spätestens da auch in die Schlagzeilen des Boulevards.

Schweinsteiger lässt Taten folgen

Das 4:3 damals war die Geburtsstunde von SCHWEINI, POLDI, GEILI. Vier Jahre ist das her. Bei der Rückkehr ins Zentralstadion beim 4:0-Erfolg im WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein war es vor allem Schweinsteiger, der ein sehr beherztes Länderspiel hinlegte.

Deutschlands 4:0 gegen Liechtenstein in der SPOX-Analyse

Jener Schweinsteiger also, der nach dem peinlichen 0:1 im Test gegen Norwegen noch mehr oder weniger offen zugegeben hatte, dass die Konzentration in Freundschaftsspielen naturgemäß nicht so hoch sei und die Mannschaft in einem echten Pflichtspiel wieder an die Grenzen gehen würde.

Nun musste Deutschland gegen die Nummer 151 der Weltrangliste zu keinem Zeitpunkt der Partie bis an die Grenzen gehen. Schweinsteiger aber wollte den Worten von damals offenbar beharrlich auch Taten folgen lasen.

Beck als starker Schweinsteiger-Partner

Der Münchener war bester deutscher Spieler und damit auch bester Mann auf dem Platz. Gegen die "Liechtensteinchen" (Bild-Zeitung) tobte sich der 24-Jährige nach Belieben aus.

Zwar hatten die Gäste nur vier Profis in ihren Reihen - der Rest verdingt sich bei Welt-Klubs wie dem USV Eschen-Meuren (4. Schweizer Liga) oder dem FC Hard (3. österreichische Liga) - aber Schweinsteiger gewann neben ein wenig Lust am Spiel auch eine neue Erkenntnis: In Andreas Beck könnte hinter ihm eine echte Alternative für seine rechte Seite erwachsen.

Zum ersten Mal nach gefühlten ewigen Zeiten war die rechte deutsche Angriffsseite mal wieder stärker als die linke. Dort spielt ja Philipp Lahm, was ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für den jeweiligen linken Mittelfeldspieler ist.

Lahm ist in seinem Vorwärtsdrang im Offensivspiel der ideale Spielpartner für einen Mittelfeldspieler. Immer zum Doppelpass bereit, Lücken reißend und auch selbst ausnutzend.

Friedrich nicht die 1A-Lösung

Schweinsteiger hatte bisher immer den Nachteil, vorzugsweise in Arne Friedrich zwar einen soliden Verteidiger, aber keinen spektakulären Angriffsstrategen hinter sich zu wissen.

Friedrich ist für Spiele gegen starke Gegner mit einem starken linken Mittelfeldspieler ein sehr guter Rechtsverteidiger. Gegen tief stehende Kontrahenten - und damit hat es die DFB-Auswahl naturgemäß oft zu tun - aber nicht die 1A-Lösung.

Unter anderem deshalb sieht Bundestrainer Joachim Löw den Berliner auch eher in der Innenverteidigung neben Per Mertesacker.

Schweini leidet auch bei Bayern

Schweinsteigers Spiel in der Nationalmannschaft leidet darunter. Beim FC Bayern ist das im Prinzip genau so, wo Lahm und der Franzose Franck Ribery für viele das beste linke Pärchen der Welt bilden.

Während auf der linken Seite regelmäßig im Tandem die Post abging, musste Schweinsteiger auf rechts die Dinge im Offensivspiel sehr oft alleine regeln.

Demzufolge fiel seine Seite stark ab, Schweinsteigers Leistungen erscheinen immer einen Tick schlechter als sie in Wirklichkeit waren.

Neue Facette im deutschen Spiel

Mit Andreas Beck scheint das ein wenig anders. Beck hat die Offensiv-Penetranz in seinem Spiel, die Schweinsteiger die nötige Unterstützung und Impulse liefern kann.

Das DFB-Team in der Einzelkritik: Beck und Schweini überzeugen

Der Hoffenheimer geht sehr oft hohes Tempo, fordert den Doppelpass oder marschiert einfach die Linie konsequent runter, wenn Schweinsteiger mal wieder zur Mitte zieht und damit Platz schafft.

Es war erst Becks zweites Länderspiel und der Gegner hieß nur Liechtenstein. Und dennoch zeigte der 21-Jährige sehr feine Ansätze und bringt eine neue Facette ins deutsche Spiel, die lange Zeit schmerzlich vermisst wurde.

Wales als erster Prüfstein

Gegen Wales wartet ein erster echter Prüfstein. Im Test gegen Norwegen spielte Beck in einer schwachen Mannschaft nur 45 Minuten, Liechtenstein war eben Liechtenstein.

Gegen die aggressiven Waliser, die am Samstag etwas überraschend zu Hause mit 0:2 gegen Finnland verloren, wird dem Hoffenheimer zum ersten Mal der raue Wind eines echten Pflichtspiels um die Ohren wehen.

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"Gegen Liechtenstein war es eine Pflichtaufgabe, mehr nicht. Aber es war wichtig, dass wir ein gutes Spiel abgeliefert haben. Jetzt muss die Konzentration schnell auf Wales gelenkt werden, wir brauchen die drei Punkte", sagte Beck schon ganz routiniert.

Podolski mit Tor-Geschenk

Im Kampf um einen Stammplatz hat er gegen Andreas Hinkel derzeit klar die Nase vorn. Vermutlich wird Beck auch in Cardiff wieder auf der rechten Verteidigerposition beginnen. Hinter Schweinsteiger.

Dessen Wege kreuzten sich mit seinem schicksalhaft verbundenen Bruder im Geiste Podolski nur einmal. Nach Podolskis Schuss drückte Schweinsteiger den Ball kurz nach der Pause aus einem Meter Entfernung endgültig über die Linie.

Was aussah wie ein dreister Torklau unter Freunden war aber nur eine kleine Weichenstellung für das anstehende Spiel in Wales. "Er hat mir kein Tor geklaut, sondern ich habe ihm eins geschenkt", sagte Podolski.

Revanche gegen Wales?

Freilich nicht ohne gleich die fällige Ausgleichszahlung zu fordern: "Dafür muss er sich jetzt in Wales revanchieren."

Dem deutschen Spiel ist das sehr zuträglich. Denn ähnlich wie bei den Bayern konzentriert sich der Gegner zumeist auch auf die linke Seite.

Anders als beim Rekordmeister kann sich Schweinsteiger in der Nationalelf aber immer befreien vom Druck, befreiter aufspielen und sich Selbstvertrauen holen.

Deutschland - Liechtenstein: Daten und Fakten

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