Standesgemäßer Sieg in der WM-Quali

Viermal Jubel und ein bisschen Glanz

Von Thomas Gaber/Benny Semmler
Samstag, 28.03.2009 | 21:58 Uhr
Michael Ballack (l. mit Bastian Schweinsteiger) erzielte gegen Liechtenstein sein 40. Länderspieltor
© Getty
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Die deutsche Nationalmannschaft hat im Qualifikationsspiel zur WM 2010 in Südafrika beim 4:0 (2:0)-Sieg gegen Liechtenstein einen standesgemäßen Sieg eingefahren und die Tabellenführung in der Gruppe 4 vor Russland verteidigt.

Vor 43.400 Zuschauern im ausverkauften Leipziger Zentralstadion erzielten Kapitän Michael Ballack (4.), Marcell Jansen (9.), Bastian Schweinsteiger (48.) und Lukas Podolski (50.) die Tore für die Mannschaft von Joachim Löw. "Wir haben die Pflicht erfüllt. Ein paar Tore mehr hätten wir sicher noch erzielen können. Aber es war okay", urteilte der Bundestrainer.

In der Tabelle liegt Deutschland vor dem Spiel in Cardiff gegen Wales am kommenden Mittwoch mit 13 Punkten vor Russland (9) und Finnland (7) an der Spitze. Liechtenstein bleibt ohne Punkt und Tor Tabellenletzter.

In den Mittelpunkt rückte Mario Gomez, der seit nunmehr 13 Spielen auf einen Treffer im DFB-Dress wartet. Der Stuttgarter wurde von den Zuschauern in Leipzig etliche Male ausgepfiffen. Gomez ratlos: "Es ist sehr, sehr bitter. Ich hatte mir viel vorgenommen, hatte auch viele Chancen und habe nicht getroffen. Ich weiß auch nicht, woran es liegt. Keine Ahnung."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: In der Innenverteidigung der DFB-Elf bekommt Serdar Tasci überaschenderweise den Vorzug vor Heiko Westermann. Marcell Jansen beginnt im linken Mittelfeld, Lukas Podolski neben Mario Gomez im Sturm.

1.: 18 Sekunden rum. Flanke Jansen von links, Kopfball Gomez aus acht Metern, knapp links am Tor vorbei.

4., 1:0, Ballack: Schweinsteiger löffelt den Ball von links an die 16er-Linie zu Ballack. Der DFB-Kapitän nimmt die Pille volley und huft sie stramm unter die Latte ins Netz. Ein Traumtor, dieser 40. Länderspieltreffer von Ballack.

9., 2:0, Jansen: Ballack marschiert durchs Mittelfeld und passt links raus auf Podolski. Der zieht sofort aus knapp 16 Metern ab. Keeper Jehle klatscht den Ball Jansen vor die Füße. Der Hamburger knallt die Kugel kompromisslos ins Tor. 

38.: Gomez setzt per Hackentrick Podolski brillant in Szene. Poldi zieht aus 15 Metern mit einem flotten Flachschuss ab. Doch der Ball fliegt Zentimeter am rechten Pfosten vorbei.

40.: Lupfer-Freistoß von Schweinsteiger auf Hitzlsperger. Der Stuttgarter probiert's per Volleyabnahme aus 20 Metern. Doch Ballacks Rücken klärt...Schade!

48., 3:0, Schweinsteiger: Schweini per Hacke auf Podolski. Der stochert den Ball aus sieben Meter irgendwie über Keeper Jehle. Schweinsteiger "klaut" Podolski das Tor und schießt aus einem Meter ein.

50., 4:0, Podolski: Gomez bereitet per Flanke von links vor. Stocklasa versucht noch zu klären, schnibbelt den Ball aber unglücklich zu Podolski. Der zieht aus sieben Metern sofort ab, unten rechts schlägt's ein.

70.: Gomez fehlt einfach das Quäntchen Glück. Schweinsteiger setzt sich prima über rechts durch und pfeffert den Ball flach in den Strafraum. Fast-Empfänger Gomez kommt aber nicht an den Ball.

77.: Rumms! Podolski packt aus 20 Metern den linken Hammer aus. Einfach mal aus 20 Metern mit seinem starken linken Fuß ab. Und der Flatterball kommt verdammt gefährlich auf Jehle zu. Doch der Keeper pariert mit dem Fuß.

So lief das Spiel: Die deutsche Mannschaft war sofort auf Betriebstemperatur. Nach 18 Sekunden die erste Chance, nach vier Minuten das erste Tor. Der Ball lief schnörkellos durch die Reihen, Deutschland nutzte die sich bietenden Räume. Nach Jansens 2:0 sah es nach einer ordentlichen Abreibung für Liechtenstein aus. Doch nach 20 Minuten ließ die DFB-Elf die Zügel schleifen. Die Fehlpässe häuften sich, Torchancen gab es kaum noch.

Erst kurz vor der Pause nisteten sich die Deutschen wieder im Strafraum der tapfer fightenden Gäste ein, doch Podolski und Jansen ließen gute Chancen ungenutzt.

Unmittelbar nach der Pause machte Podolski seinen Job wesentlich besser. Am 3:0 maßgeblich beteiligt, das 4:0 selbst gemacht. In der Folge schnürte die DFB-Elf Liechtenstein ein und erspielte sich weitere Chancen. Konzentrationsmängel im Abschluss verhinderten aber einen Kantersieg.

Der Star des Spiels: Andreas Beck. Viel Offensivdrang beim Hoffenheimer. Wieso auch nicht? Schließlich gewährte ihm das grunddefensive 4-5-1 der Gäste erhebliche Räume. Zudem bekam er durch Schweinsteigers häufiges Einrücken immer wieder eine Extra-Portion Platz. Nicht immer zielstrebig genug in seinen Aktionen, aber enorm engagiert und mit einem immensen Laufpensum. Beinahe wäre dem 22-Jährigen zudem sein erstes Länderspieltor gelungen, doch Liechtensteins Torwart Jehle parierte Becks 20-Meter-Schuss.

Die Gurke des Spiels: Die Stuttgarter Kombo Thomas Hitzlsperger/Mario Gomez. Hitzlsperger war unauffälligster Mittelfeldspieler, verschleppte ein ums andere Mal das Tempo und leistete sich vor allem in der zweiten Halbzeit einige furchtbare Pässe. Gomez fehlte abermals im DFB-Trikot das Glück. Der Stürmer kam oft den berühmten Schritt zu spät. Die Pfiffe der Zuschauer verunsicherten Gomez zusätzlich. 

Die Lehren des Spiels: Bei allem Respekt - aber Liechtenstein war wie erwartet kein Prüfstein für Deutschland. Wiedergutmachung für die zwei Pleiten gegen England und Norwegen war angesagt. Dieses Ziel hat die DFB-Elf erreicht.

Bis auf einen Hänger zwischen der 20. und 40. Minute war die Leistung der Löw-Truppe höchst ansehnlich. Die Mannschaft war viel in Bewegung, das Offensivspiel variabel und die Tore größtenteils fein herausgespielt. Ab und an übertrieben es die Deutschen mit den Hackentricks, anstatt gradlinig den Abschluss zu suchen.

Die Spieler ohne Stammplatz, Serdar Tasci, Andreas Beck, Marcell Jansen und Lukas Podolski, machten fleißig Eigenwerbung und empfahlen sich für weitere Einsätze.

Das ewige Manko im deutschen Spiel war auch gegen Liechtenstein unverkennbar: die Standards. Schema F, null Variation. Ecken und Freistöße aus dem Halbfeld brachten kaum Gefahr für Torwart Jehle.

Wie gut die deutsche Mannschaft funktioniert, wird aber erst das nächste WM-Quali-Spiel in Wales am kommenden Mittwoch zeigen. Auch wenn die Waliser fußballerisch ebenfalls limitiert sind, dürfte es in Cardiff deutlich härter zur Sache gehen.

Deutschland - Liechtenstein: Daten und Fakten

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