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Der Krisenherbst ist wieder da

Donnerstag, 24.11.2016 | 09:00 Uhr
Franck Ribery am Boden: Ein Symbolbild für den FC Bayern in diesem Moment
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Der Niederlage in Dortmund folgt die Niederlage in Rostov. Beim FC Bayern schrillen die Alarmglocken, auch wenn sich Kapitän Philipp Lahm gegen das Wort Krise noch wehrt. Trainer Carlo Ancelotti nimmt sich selbst in die Pflicht.

Es etwas mehr als vier Jahre her, als das Wort "lätschern" in Deutschland die Runde machte. Es spielt dabei erstmal keine Rolle, dass es diesen Begriff in der Form nicht gibt, sondern im Bayerischen eigentlich "lätschert" heißt.

Aber dem Sachsen Matthias Sammer sei dieser sprachliche Fehltritt verziehen, es wusste auch so jeder, was gemeint war. Denn Sammer hat noch ein paar mehr Worte fallen lassen nach diesem 2:0-Sieg des FC Bayern bei Werder Bremen Ende September 2012.

Nicht hellwach sei die Mannschaft gewesen, nicht gallig genug, nein, im Prinzip war das Spiel ein richtiger Käse. Zur Erinnerung: Die Bayern hatten gerade ihr sechstes Ligaspiel in Folge gewonnen. Doch vier Tage später folgte das, was Sammer befürchtet hatte. In der Champinos League verloren die Bayern bei Bate Borissov mit 1:3.

13 Gegentore in den letzten 11 Spielen

Am Mittwoch hat der FC Bayern in Osteuropa wieder eine unerwartete Niederlage kassiert. Beim FK Rostov unterlag der Rekordmeister trotz Führung mit 2:3. Matthias Sammer ist mittlerweile nicht mehr beim FC Bayern, aber einen Sportvorstand in spe haben die Münchner mit Philipp Lahm auf dem Rasen.

Lahm, gebürtiger Münchner und der bayerischen Sprache mächtig, verzichtete auf das kleine, feine "lätschert", er nannte das Auftreten seiner Mannschaft "sorglos". Man sei in den letzten Wochen nicht zu hundert Prozent konzentriert und mache zu viele Fehler. "Wir wissen nicht, dass der Gegner auch Tore machen kann."

Dabei sollte den Bayern das nach den letzten Wochen durchaus bewusst sein. In den letzten elf Pflichtspielen kassierte der FCB 13 Gegentore und blieb dabei nur gegen Gladbach am 8. Spieltag (2:0) ohne Gegentor. In den ersten 8 Pflichtspielen hatte es nur ein Gegentor gegeben.

Die FCB-CL-Statistiken in den Spielzeiten 2016/17 und 2015/16 im Vergleich

Keine Krise?

Auch in diesen acht Partien waren die Münchner nicht immer souverän (BVB, S04, FCI, HSV), aber mittlerweile ist ihnen jegliche Selbstsicherheit abhandengekommen. Von einem Klassenunterschied wie noch im Hinspiel war in Rostov nichts zu sehen.

Ein kurzer Weckruf von Karl-Heinz Rummenigge nach dem 2:2 bei zehn Frankfurtern ("Einstellung hat nicht gestimmt", "Das war nicht Bayern München") sorgte für kurzfristige Stabilisierung, aber nach den jüngsten Niederlagen gegen Dortmund und Rostov wird es in München wieder ungemütlicher, auch wenn Lahm den Zustand nicht als Krise bezeichnen wollte.

Vor der Reise nach Russland hat Rummenigge Trainer Carlo Ancelotti demonstrativ den Rücken gestärkt. "Gequatsche" sei diese Diskussion über den Trainer, der Vorwurf zu lascher Arbeitsmethoden "kalter Kaffee".

Ancelotti und das Team fremdeln

Ancelotti ist ein Trainer, der mehr mit dem Zuckerbrot als mit der Peitsche coacht. Er gilt in der Branche weltweit als einer der besten Manager von Gruppen. Seinen Führungsstil hat er in seinem Buch "Quiet Leadership" ausführlich beschrieben. Es sollte also jedem klar sein, dass er seine Herangehensweise nicht ändern wird, immerhin ist er damit seit mehr als einem Jahrzehnt sehr erfolgreich.

Der Italiener kennt die Reflexe des Geschäfts. "Man stellt mich ein, damit ich freundlich und ruhig mit den Spielern umgehe - und sobald die ersten Schwierigkeiten auftreten, ist es genau diese Eigenschaft, die als Problem ausgemacht wird", schreibt Ancelotti in seinem Buch.

Aber auch dem 57-Jährigen dürfte nicht entgangen sein, dass er und seine Mannschaft noch etwas fremdeln. Nach Jahren gnadenloser Dominanz ist der Krisenherbst zum FC Bayern zurückgekehrt. Ein Phänomen, das über Jahre verlässlich an der Säbener Straße zu beobachten war.

Das gute Omen aus der Triple-Saison

Er stehe nun in der Verantwortung, die Mannschaft schnell wieder in die Spur zu bringen, sagte Ancelotti. Einen Sportvorstand, der ihm die öffentliche Schelte abnimmt hat er nicht. Das hat zu einem kleinen Teil wieder Rummenigge übernommen, der sich vor allem Jerome Boateng und dessen Lebenswandel vorknöpfte.

Für bisschen Beruhigung könnte bei den Münchnern die Erinnerung an Borissov 2012 dienen. Nach der Niederlage in Minsk marschierte die Mannschaft unter Jupp Heynckes zum Triple. In der restlichen Saison gab es nur noch eine weitere Pleite - zuhause gegen Bayer Leverkusen. Das ist ausgerechnet der Gegner am kommenden Samstag.

FK Rostov - FC Bayern München: Die Statistik zum Spiel

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