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Das Ende der Wundertüte?

Von Stefan Zieglmayer
Mittwoch, 15.02.2017 | 09:36 Uhr
Paris Saint-Germain bezwang den FC Barcelona mit 4:0
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Paris Saint-Germain vermöbelt den gefürchteten FC Barcelona. Die katalanische Offensive kommt überhaupt nicht zum Tragen, während die Wundertüte aus der französischen Hauptstadt zuschlägt. Doch wohin geht die PSG-Reise nun? Ist sogar der Titel in der Königsklasse machbar?

Denkwürdige 90 Minuten unter dem Nachthimmel von Paris. Das gefürchtete katalanische Triumvirat namens MSN entmachtet. Keine Spur vom Kontrollfußball am Firmament von La Masia. Zum letzten Mal war der FC Barcelona 2013 so von den Bayern vorgeführt worden.

Dabei standen die Vorzeichen exakt andersrum. Barcelona ging gerade wegen der unwiderstehlichen Offensive als Favorit in dieses Achtelfinal-Hinspiel. Seit Juli 2014 hatte die Mannschaft von Trainer Luis Enrique 73 Tore in der Königsklasse erzielt.

Dass selbst Lionel Messi nach zehn Treffern in der Gruppenphase keinerlei Akzente setzten konnte, spiegelte die kollektive Ernüchterung des Überteams wider.

Andre Gomes' Großchance nach 27 Minuten blieb der einzige Schuss auf den Kasten von Kevin Trapp. Völlige Inexistenz von Gefahr beim vermeintlich größten Abwehr-Schreck Europas.

Dabei wurde im Vorfeld der Partie die Innenverteidigung der Franzosen als möglicher Schwachpunkt ausgemacht, ob des Fehlens des verletzten Thiago Silva. Europapokal-Debütant Presnel Kimpembe (21) hatte Suarez und Co. im Griff. Paris hat Barca den Zahn gezogen und die Lust genommen.

In allen Belangen überlegen

Die Mannschaft von Unai Emery zeigte eine kollektive Höchstleistung. Die Spielidee, wegen der der spanische Trainer aus Sevilla geholt wurde, griff gegen Barca so gut wie nie zuvor. In Sachen Aggressivität und Laufbereitschaft war der französische Meister den Katalanen deutlich überlegen.

Selbst die Passsicherheit der Gäste verflüchtigte sich aufgrund der Pariser Präsenz. "Sie waren besser als wir. Sie spielten besser, sie agierten taktisch besser, sie haben uns physisch ausgestochen", lautete das so nüchterne wie zutreffende Fazit von Busquets nach der Demontage.

Die Hausherren liefen acht Kilometer mehr und gewannen 55 Prozent aller Zweikämpfe. Barcas Prunkstück, das Zentrum um Iniesta und Busquets, kam nicht zur Entfaltung, weil Paris effektiv Passwege zustellte und dem Ball kontrolliert hinterherjagte.

Barcas Mittelfeld wirkte bisweilen lustlos. In der Königsklasse. In einem Achtelfinale. Gegen PSG. Ist es fehlende Gier nach Titeln, die man einem Team wie Barca, das alleine in den vergangenen beiden Spielzeiten sieben Titel eingesackt hat, unterstellen kann?

Oder war es das Zusammenspiel aus überraschender Präsenz der Pariser und einem rabenschwarzen Tag der Katalanen?

Nachhilfe bei Tom Brady

Für Barcelona bedeutet das wohl das Aus im europäischen Wettbewerb. Nie holte eine Mannschaft eine 0:3-, geschweige denn eine 0:4-Pleite auf. Es würde eines Meisterstücks a la Tom Brady bedürfen.

Doch welche Lehren zieht PSG aus dieser Gala-Vorstellung?

Wie aus dem Nichts avancierte der französische Meister, der nach der Ibrahimovic-Ära noch in der Findungsphase zu sein schien und in der heimischen Liga um die erneute Meisterschaft bangen muss, zum ernsthaften Titelaspiranten in der Königsklasse.

Die Einzelteile der Mannschaft sind top besetzt. Vor allem das Dreigespann im Zentrum um (den möglicherweise länger verletzten) Verratti, Matiudi und Rabiot demonstrierte das perfekte Zusammenspiel aus rabiater Zweikampfschule und technischer Elite.

Hinzu kommen mit Di Maria und nun Draxler zwei Akteure, die aus wenig viel kreieren können. Auf Cavani ist ohnehin seit Wochen Verlass.

Ohne Konstanz nur Potenzial

"Es scheint, als habe Draxler das richtige Team für ihn in Paris gefunden", twitterte ein sichtlich beeindruckter Michael Ballack nach dem Spektakel im Parc des Princes. Und tatsächlich beruht dieser Wohlfühlfaktor auf Gegenseitigkeit. Der ehemalige Wolfsburger fand sich bemerkenswert schnell in Paris ein. "Das war eine unglaubliche und nahezu perfekte Nacht für uns. Ich fühle mich sehr wohl in der Stadt und im Verein", bestätigte Draxler nach seinem bislang wohl besten Auftritt für den neuen Arbeitgeber.

Draxler verleiht Paris einen zusätzlichen Spritzer Unberechenbarkeit. Das bietet Raum für Akteure wie Di Maria. Die kreative Ader des ansonsten so schnörkellosen Offensivspiels der Pariser ist nun auf zwei Ballkünstler verteilt.

Aber genug der Lobeshymnen. Nur mit Beständigkeit wird aus Emerys Wundertüte ein echtes Spitzenteam. Das weiß der Trainer freilich: "Morgen ist wieder ein anderer Tag. Wir müssen weiter hungrig bleiben und diesen permanenten Siegeswillen beibehalten."

Paris Saint-Germain - FC Barcelona: Die Statistik zum Spiel

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