Dortmund brilliert in Europa und verliert Punkte

Von SPOX
Donnerstag, 04.10.2012 | 11:21 Uhr
Schiri Pavel Kralovec (2.v.r) entscheidet auf Handspiel von Neven Subotic
© Getty
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Spielzüge wie aus dem Lehrbuch, 20 Torschüsse, zehn hochkarätige Chancen, zwei Aluminiumtreffer, aber nur ein Tor durch Marco Reus. Am Ende sorgt Mario Balotelli per Handelfmeter in der 90. Minute für die ganz große Ernüchterung.

Große Ernüchterung dominierte die Gefühlslage der Stars von Borussia Dortmund nach einer Vorstellung der Extraklasse beim englischen Meister Manchester City und dem Beweis internationaler Reife. Das war an diesem Mittwochabend mehr als nachvollziehbar, weil der Italiener Mario Balotelli die Führung durch Deutschlands Fußballer des Jahres (62.) per Handelfmeter in der 90. Minute ausgeglichen hatte.

Besonders tief getroffen war Neven Subotic. Der Innenverteidiger bekam den Ball im Strafraum an die Hand - und Schiedsrichter Pavel Kralovec (Tschechien) zeigte auf den Punkt. "Ich bin sehr traurig, das war ein Albtraum. Ich kann mir ja nicht die Hand abschneiden", sagte der Serbe. Es war keine Skandal-Entscheidung, Deutschland-Schreck Balotelli verwandelte ebenso lässig wie sicher gegen BVB-Keeper Roman Weidenfeller. Anstatt gleichauf mit sechs Punkten gemeinsam mit dem nächsten Gegner Real Madrid die Tabelle der Gruppe D anzuführen, hat man nun zwei Zähler weniger.

Reus in 34,3 km/h zum Tor

"Einige City-Spieler sagten mir, dass sie hier noch nie so an die Wand gespielt wurden. Ein 8:6 für uns wäre gerecht gewesen. Das war das beste internationale Spiel von uns", sagte Subotic weiter. Der 23-Jährige traf mit diesem Satz den Kern. Vorzuwerfen ist den Spielern von Trainer Jürgen Klopp nach dieser Glanzleistung nur der fahrlässige Umgang mit den Torchancen.

Klopp ließ das erst gar nicht zu. "Es war ein fantastisches Fußball-Spiel. Ich bin sehr zufrieden und tendenziell stolz, wie wir das hinbekommen haben. Wir haben einen Punkt gewonnen und nicht zwei verloren", sagte der 45-Jährige. Nach den drei verlorenen Auswärtsspielen im Vorjahres-Wettbewerb bei Olympique Marseille, Olympiakos Piräus und beim FC Arsenal waren die Dortmunder Spieler als Greenhorns und für ihre naive Spielweise verhöhnt worden. In Manchester zeigten sie, wie rasend schnell sie lernen.

Beide Torhüter mit überragender Leistung

"Wir wollten den BVB in diesem Jahr anders darstellen als im vergangenen, und das ist uns gelungen", sagte der Coach. 43.657 Zuschauer im City of Manchester Stadium, darunter 3.000 Dortmunder Fans sowie Manchester Uniteds Teammanager Alex Ferguson und Ex-BVB-Star Shinji Kagawa, wurden von den 22 Spielern prächtig unterhalten. Auf der einen Seite standen beim Scheichklub elf Spieler mit einem Marktwert von 220 Millionen Euro auf dem Platz.

Der spanische Welt- und Europameister David Silva war an jedem Angriff der Citizens beteiligt, zwischen Diego Maradonas Schwiegersohn Sergio Agüero und Weidenfeller entwickelte sich ein Privatduell. Der Dortmunder parierte alles. Genauso wie Joe Hart, der gegen Mario Götze, Ilkay Gündogan und auch Reus großartig rettete.

Zweimal hatte er Glück bei einem Latten- und Pfostentreffer von Götze. Als Reus aber in der 62. Minute mit gemessenen 34,3 km/h auf ihn zu rannte, war der englische Nationalkeeper machtlos. "Wir müssen uns an die eigene Nase fassen und den Sack früher zumachen müssen", sagte Reus.

Frust überwiegt bei Weidenfeller

So zum Beispiel Robert Lewandowski, der den Ball aus kurzer Distanz am Tor vorbei zielte. "Natürlich überwiegt der Frust. Wir sind vom Schiedsrichter bestraft worden, den Elfmeter hätte er nicht pfeifen müssen", meinte Weidenfeller. "Aber wir sind auch stolz, dass wir so ein Spiel abgeliefert haben." Insbesondere Innenverteidiger Mats Hummels gehörte zu den überragenden Figuren auf dem Platz. Der Nationalverteidiger hatte sich über die zum Teil "gehässigen Aussagen", wie es der stolze BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke beschrieb, im vergangenen Jahr geärgert.

Für den 23-Jährigen endete das Spiel vorzeitig. Hummels vermutete etwas an der Hüfte, "vielleicht ein eingeklemmter Nerv. Im Moment kann ich nicht einmal Boccia spielen", sagte er. Eine Untersuchung sollte am Donnerstag Aufschluss geben, auch darüber, ob er gegen Hannover 96 am Sonntag auflaufen kann. Der Schmerz wurde bei ihm aber durch die Gala zuvor in Manchester gelindert. "Wichtig für uns ist zu zeigen, dass wir gegen jeden Gegner der Welt bestehen können", sagte er.

Manchester City vs. BVB: Daten zum Spiel

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