Mittwoch, 04.04.2012

Champions League: Viertelfinale, Rückspiel

FC Barcelona: Eine Ära ohne Ende

Der FC Barcelona steht zum fünften Mal in Folge im Halbfinale der Champions League. Der 3:1-Sieg gegen den AC Milan war erneut eine Demonstration der eigenen Stärke. Für Ärger sorgten nur ein Elfmeterpfiff und Zlatan Ibrahimovic.

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Der FC Barcelona feiert den Einzug ins Halbfinale der Champions League
© Getty
Der FC Barcelona feiert den Einzug ins Halbfinale der Champions League

Jose Mourinho wird von all dem nicht viel mitbekommen haben. Der Trainer von Real Madrid hatte am Dienstagnachmittag angekündigt, sich das Spiel Bayern gegen Marseille und nicht Barcelona gegen Milan anzuschauen.

Und ausnahmsweise war der Portugiese auch nicht verantwortlich für die nach Abpfiff entbrannte Schiedsrichterdebatte in Barcelona.

Trotzdem stand Mourinho plötzlich im Zentrum der Diskussion. "Langsam verstehe ich, warum sich Mourinho immer beklagt, wenn er im Camp Nou spielt", sagte Milans Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic und brachte damit die Verärgerung der Italiener über die Strafstoßentscheidungen des niederländischen Schiedsrichters Björn Kuipers zum Ausdruck.

Ibrahimovic beklagt Barca-Fallen

Vor allem der zweite Elfmeter, den Alessandro Nesta an Sergio Busquets verursachte, brachte die Italiener auf die Palme. Der italienische Routinier hatte Barcas Mittelfeldspieler bei der Ausführung einer Ecke am Trikot gezogen. Kuipers zeigte mit kurzer Verzögerung auf den Punkt. Eine harte, aber durchaus vertretbare und regelkonforme Entscheidung.

Beim AC Milan sah man das selbstredend anders. Insbesondere, da die Italiener den Ball bei Nestas Vergehen noch gar nicht im Spiel wähnten. "Ich verstehe nicht, warum Barca solche Fallen stellt. Ich kann nicht glauben, dass sie einen Elfmeter bekommen, wenn der Ball gar nicht im Spiel ist", schimpfte Ibrahimovic.

Was natürlich schlichtweg falsch war. Nesta hatte sich trotz seiner 36 Jahre derart tölpelhaft angestellt und Busquets lange vor, während und nach Hereingabe der Ecke festgehalten.

Guardiolas Spitze gegen Ibra

Barca-Trainer Pep Guardiola wollte nicht allzu viele Worte über diese Situation verlieren. "Es waren zwei Elfmeter. Wir haben uns im Hinspiel nicht beklagt und werden es auch jetzt nicht tun", sagte der 41-Jährige. Vor einer Woche in San Siro hatte der Schwede Jonas Eriksson Barca nach Fouls an Alexis Sanchez und Carles Puyol zwei klare Strafstöße verweigert.

Eine kleine Spitze Richtung "Mourinhos Freund" Ibrahimovic feuerte aber auch Guardiola ab. "Senor Ibrahimovic kann sagen, was er will. Die Wahrheit liegt auf dem Platz", sagte Guardiola im besten Otto-Rehhagel-Duktus.

Auf die Frage, wie er die Leistung seines ehemaligen Stürmers gesehen habe, verwies er zunächst auf seinen Kollegen Massimiliano Allegri. Er, Guardiola, könne nur die Leistungen Ibrahimovic' vor zwei Jahren im Halbfinale gegen Inter bewerten. Und? "Die Erinnerungen sind frisch, aber die Bewertungen behalte ich lieber für mich", meinte Guardiola vielsagend.

Barcas Mittelfeld der Giganten

Und überhaupt wollte er vielmehr über das Spiel sprechen, schließlich sei Barca "völlig verdient" weiter gekommen. Die Torschussstatistik (21:3) spreche eine ebenso deutliche Sprache. "Wir hatten eine Vielzahl an guten Torchancen und haben das mit einer Drei- und Vier-Mann-Abwehr geschafft", erklärte Guradiola.

Der Barca-Trainer bot sein Mittelfeld der Giganten (Xavi, Iniesta, Busquets, Fabregas) auf, flankiert von einem sehr weit vorne agierenden Dani Alves. Barca spielte in letzter Linie nur mit drei Mann und konnte so von der ersten Minute an viel Druck auf die Milan-Defensive aufbauen.

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Lionel Messi weiter auf Rekordjagd

Veredelt wurde der technisch und spielerisch überlegene Auftritt mal wieder von Lionel Messi. Der kleine Argentinier war fast an jeder Barca-Chance beteiligt und behielt bei seinen beiden Elfmetertoren die Nerven.

Es waren seine Treffer 13 und 14 in dieser Saison - Rekord in der Champions League. Außerdem stellte er die Bestmarke von Milans Jose Altafini ein, der im Landesmeisterwettbewerb 1963 auch 14 Mal traf. Wie Altafini benötigte Messi ebenfalls nur neun Spiele für diese Leistung.

Messi ist damit auf dem Weg, zum vierten Mal in Folge Torschützenkönig der Champions League zu werden, in der ewigen Rangliste der Königsklasse liegt er mit 51 Treffern auf Rang drei hinter Ruud van Nistelrooy (56) und Raul (71). Nebenbei beendete Messi auch sein Trauma gegen italienische Teams, gegen die er zuvor zuhause noch nie getroffen hatte.

Sollte Messi auch im Halbfinale gegen Chelsea oder Benfica Lissabon und in einem möglichen Finale so weitermachen, ist sogar der Europapokalrekord von Falcao aus dem Vorjahr mit 17 Toren in Gefahr.

Wer soll den FC Barcelona schlagen?

Barcelona erreichte damit sein fünftes Champions-League-Halbfinale in Folge. Die Ära der Katalanen befindet sich weiter auf ihrem Höhepunkt - ein Ende ist nicht in Sicht. Sechs Punkte Rückstand in der Liga und einige Ausrutscher in der spanischen Provinz sollten darüber nicht hinwegtäuschen.

Zumal diese Ära eine langfristig geplante ist: Gegen Milan schickte Guardiola eine Mannschaft mit neun Spielern aus dem eigenen Nachwuchs auf dem Platz, er konnte sich sogar den Luxus leisten, Spieler wie Pedro und Alexis Sanchez nicht einzusetzen.

Die Serie zeige "die Stärke dieses Klubs", meinte Guardiola. "Es ist eine besondere Leistung, dieses Niveau auf Dauer zu halten."

Barca kann in den entscheidenden Momenten seine besten Spiele zeigen. Im Moment scheint es unvorstellbar, dass Chelsea oder Benfica die Blaugrana von ihrem dritten Endspiel in vier Jahren abhalten können. Das fand auch Milan-Trainer Allegri in seinem Schlusswort: "Barcelona ist der Favorit auf den Champions-League-Sieg."

AC Milan - FC Barcelona: Fakten zum Spiel

Andreas Lehner

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