Fussball

Tottenham trauert: Pochettino zwischen Kane-Kritik und Zukunftsfragen

SID
Harry Kane bleib im Finale wirkungslos.

Mit dem Einsatz des lange verletzten Starstürmers Harry Kane im Champions-League-Finale hatte Tottenhams Erfolgstrainer Mauricio Pochettino kein Glück. Dennoch ist sein Anteil am Siegeszug des Überraschungsfinalisten groß. Nun könnte der Argentinier gehen.

Mauricio Pochettino stand auf dem Rasen des Wanda Metropolitano und versuchte vor der Kurve der trauernden Tottenham-Fans klare Gedanken zu fassen. Der 47 Jahre alte Argentinier wusste, was ihm nach der bitteren Niederlage im größten Spiel seiner Trainerkarriere blühen würde: Diskussionen über den unglücklichen Einsatz des lange verletzten Superstars Harry Kane. Und bohrende Fragen nach seiner eigenen Zukunft.

"Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, zu viel zu reden", sagte der Teammanager der Spurs nach dem 0:2 (0:1) im Finale der Champions League gegen den FC Liverpool, seine Aussagen würden nur wieder unterschiedlich interpretiert werden. Zweifel an seinem Verbleib bei den Nord-Londonern hatte Pochettino in den vergangenen Wochen selbst gesät, nun betonte er, dass der Moment für Gespräche komme.

Was Pochettino will, ließ er durchblicken: die Chance auf Titel. Noch in Madrid dachte er schon an ein nächstes Champions-League-Endspiel. "So etwas möchte man wieder erleben. Es ist das beste Spiel der Welt nach dem WM-Finale", sagte der charismatische Coach, der Tottenham in seiner fünfjährigen Amtszeit Stück für Stück zu einem Topteam entwickelt hat. Ohne die ganz großen Mittel für Transfers, denn die Spurs investierten zuletzt vor allem in ihr neues Stadion. Dennoch gab es nach dem ersten Königsklassen-Finale in der Klub-Historie durchaus auch Kritik.

Pochettino: "Bereue nicht, Kane aufgestellt zu haben"

Sie entzündete sich an Kane, der nach langer Verletzungspause in Madrid von Anfang an spielte. "Die Harry-Kane-Zockerei geht nach hinten los. Aber nicht nur der Angreifer verwelkt in der Hitze von Madrid", schrieb der Telegraph. Auch die Startrainer Arsene Wenger und Jose Mourinho kritisierten als TV-Experten den Einsatz des 25 Jahre alten Angreifers. Kane habe sich "versteckt", sagte Mourinho, auf Wenger wirkte der Nationalmannschafts-Kapitän nicht fit.

Kane hatte seit dem 9. April, dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Manchester City, keine Partie mehr bestritten, eine Bänderverletzung im linken Knöchel zwang den Starstürmer zum Zuschauen. In seiner Abwesenheit hatte sich Lucas Moura beim Halbfinal-Triumph gegen Ajax Amsterdam mit drei Toren in die Herzen der Spurs-Fans geschossen, nun musste der Brasilianer bis zur 66. Spielminute auf der Bank schmoren. Tottenham konnte 61 Prozent Ballbesitz kaum in Torgefahr ummünzen, ein Funke Torgefahr ging allein vom früheren Bundesliga-Star Heung-Min Son aus.

Pochettino stand aber zu seiner Entscheidung für Kane. "Er hat nicht getroffen, aber die anderen Spieler haben auch nicht getroffen. Ich bereue nicht, ihn aufgestellt zu haben", sagte er. Seine Aufstellung habe er sehr "analytisch" ermittelt.

Mit der gleichen Sorgfalt wird er nun über seine Zukunft nachdenken, womöglich könnte der FC Chelsea eine Option werden - obwohl sein Vertrag bei Tottenham eigentlich noch bis 2023 läuft.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung