Fussball

Christian Heidel vom FC Schalke 04: "Dann haben wir auch gegen Bayern eine Chance"

Von SPOX
Christian Heidel sah ein 1:1-Unentschieden des FC Schalke 04 gegen den FC Porto.

Der FC Schalke 04 hat zum Auftakt der Champions League im Heimspiel in der Veltins Arena ein 1:1 gegen den FC Porto geholt. Im Anschluss daran sprach Manager Christian Heidel mit den anwesenden Medienvertretern.

Heidel über die Auswirkungen des schlechten Bundesligastarts, den aus seiner Sicht unberechtigten Elfmeter für die Portugiesen, den Bankplatz von Sebastian Rudy und das Spiel gegen den FC Bayern München am Samstag.

Frage: Herr Heidel, einige Schalker Fans schienen nach dem 1:1 gegen den FC Porto etwas ratlos, ob sich nun freuen oder ärgern sollen. Wie ergeht es Ihnen?

Christian Heidel: Da gehöre ich dann zunächst einmal zu den Ratlosen, muss ich gestehen. Momentan bin ich noch beim Ärgern, aber vielleicht verfliegt das noch im Laufe des restlichen Abends.

Frage: Inwiefern war das ein Schritt in die richtige Richtung nach drei Niederlagen in der Bundesliga?

Heidel: Das werden wir am Samstag sehen. Einem Schritt muss der nächste folgen. Mehr als das, was die Mannschaft kämpferisch reingehauen hat, geht nicht. Das war absolut an der Grenze. Ich glaube, dass wir über den Kampf noch mehr ins Spielerische hineinkommen, denn da hat das eine oder andere noch gehakt. Ich bin jedoch ganz, ganz sicher, dass wir da rauskommen.

Frage: Wie wichtig war der gehaltene Elfmeter von Ralf Fährmann beim Stand von 0:0 auch für die Stimmung im Stadion?

Heidel: Wir geraten ja in letzter Zeit immer etwas kurios in Rückstand, gerade in Wolfsburg oder Gladbach. Wenn man eine schlechte Phase hat, dann kommt es darauf an, wie eine Mannschaft mit einem Rückstand umgeht. Das kann nämlich auch zum Bruch im Spiel führen. Deshalb war ich sehr froh, dass Ralle den rausgeholt hat - der war auch nicht einfach zu halten. Dann sind wir endlich in Führung gegangen und haben gehofft, dass wir es nach Hause fahren.

Schalke-Manager Heidel über die aktuelle Form der Mannschaft

Frage: Nach den bisherigen Pleiten war die Reaktion in der Champions League in Ordnung, oder?

Heidel: Natürlich. Es braucht sich darum auch niemand Gedanken machen: Diese Mannschaft ist hundertprozentig intakt. Sie glaubt auch an sich. Da fehlt momentan so ein bisschen die kleine Explosion. Wir dachten, die wäre mit der Führung heute da. Es sitzt jetzt aber keine Mannschaft in der Kabine, die an sich zweifelt. Es ist das Gegenteil. Wir werden das schaffen, auch wenn jetzt wieder manche sagen werden, dass jetzt die Bayern kommen. Ja, dann kommen sie eben. Die kommen immer einmal im Jahr und es ist nicht so, dass wir am Samstag deshalb ängstlich aufs Feld gehen werden. Die Jungs werden sich so reinhauen, wie sie es heute gemacht haben - und dann haben wir auch gegen Bayern eine Chance.

Frage: Glauben Sie, eine solche Leistung wie gegen Porto würde gegen die Bayern reichen?

Heidel: Es hängt immer auch davon ab, was die Bayern auf den Platz bringen. Das ist doch völlig klar. Es wird aber nicht so sein, dass wir aufgrund der Tabellensituation auf schlotternden Knien ankommen.

Schalke in der Champions League Heidel schwärmt von Embolo

Frage: Die Führung durch Breel Embolo war schön herausgespielt. Verlernt hat es Schalke ja nicht.

Heidel: In der Theorie ist das auch alles wunderbar. Wenn man es dann umsetzen muss auf dem Platz, ist es ab und zu etwas schwieriger. Es gibt ja keinen, der das nicht umsetzen möchte. Das war in diesem Fall ein Umschaltspiel, so wie wir uns das vorstellen. Weston McKennie bringt mit 20 Jahren eine starke Leistung in der Champions League, Suat Serdar hat es auch prima gemacht. Und für Breel Embolo ist es immerhin das zweite Tor in dieser Saison. Wie er sich reingehauen hat und gesprintet ist, war phänomenal. Mit diesem Mix werden wir gemeinsam wieder erfolgreich werden.

Frage: Wie hat denn Last-Minute-Neuzugang Sebastian Rudy auf seinen Bankplatz reagiert?

Heidel: Das weiß ich nicht. Er hat neben mir getobt und hat sich mit dem Schiedsrichter angelegt. Er war bis in die Haarspitzen motiviert. Der Junge hat aber ganz wenig Spiele über 90 Minuten gemacht, das muss man auch verstehen. Er hat in Gladbach auch gemerkt, dass es am Ende weniger bei ihm wurde. Am Samstag haben wir das nächste Spiel und am Dienstag schon wieder eins. Der Trainer hat von vornherein gesagt, dass rotiert wird und wir es auf mehrere Schultern verteilen. Dann trifft das sicherlich irgendwann jeden Spieler.

Frage: Die großen Aufreger des Spiels waren beide Elfmeter für Porto, besonders natürlich der zweite, der zum Ausgleich führte. Wie haben Sie diese Situation gesehen?

Heidel: Das ist eben Fußball. Beim zweiten Elfmeter muss ich schon sagen: Die Herren reisen in voller Mannstärke an, einer steht am Strafraum und ich habe mir die Szene mittlerweile zehn Mal angeschaut, ich weiß nicht, wie man da überhaupt auf die Idee kommen kann, Elfmeter zu geben. Es ist aber passiert. Mich würde jetzt interessieren, was die Leute sagen, die gegen den Videobeweis sind. (lacht) Ich glaube, heute hätte er eingegriffen. Es nutzt am Ende aber nichts. Glück und Pech gehören dazu und heute hatten wir Pech. Porto ist eine gute Mannschaft und das Ergebnis entspricht insgesamt sicherlich auch dem Spielverlauf.

Heidel über Schalkes Abwehrboss Naldo und den Elfmeterpunkt

Frage: Die Frage ist, ob Naldo bei seinem Foul den Gegner auch wirklich richtig berührt hat.

Heidel: Das Lustige ist ja, wie der dann noch fällt. Man kann vielleicht darüber diskutieren, dass es eine ganz leichte Berührung gibt, doch da kommt der Fuß des Gegners und nicht der von Naldo - und davon fällt man aber nicht um. Daher ist es einfach sehr, sehr schade, denn ich glaube, Porto hätte kein Tor aus dem Spiel heraus gemacht.

Frage: Für Sie also eine klare Fehlentscheidung?

Heidel: Ja. Ich glaube, es ist nicht verboten, das zu sagen. Der zweite Elfmeter war ein bisschen Comedy.

Frage: Wie bewerten Sie sonst die Leistung des Schiedsrichters?

Heidel: Das Spiel war nicht so einfach zu pfeifen. Es waren zwei Mannschaften, die kämpferisch an die Grenzen gegangen sind. Unsere Jungs haben auch ausgeteilt. Bei Porto sind sie mir ein bisschen zu lange liegen geblieben und wenn sie gemerkt haben, das Spiel geht weiter, sind sie wieder aufgestanden. Aber mein Gott, das gehört dazu. Das Spiel war nicht unfair.

Frage: Nach dreieinhalb Jahren spielte Schalke mal wieder in der Champions League, doch es sind einige Plätze leer geblieben und nur knapp 46.000 Zuschauer im Stadion gewesen. Wie bewerten Sie das?

Heidel: Ich kann das noch nicht so gut einschätzen, aber die Stimmung war grandios und hat die aus der Bundesliga noch getoppt. Das steht für mich im Vordergrund. Ich mache mir weniger Gedanken, ob jetzt ein paar Plätze frei waren um 21 Uhr - gerade wenn man weiß, woher die Schalke-Fans überall kommen. Dann ist das schon heftig für sie. Ich glaube, dass es null Komma null damit zu tun hat, dass wir in der Bundesliga drei Spiele verloren haben. Gegen Galatasaray sind wir bereits ausverkauft und gegen Moskau wird es auch voll sein, weil es da für uns bestimmt noch um etwas gehen wird.

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