Ivica Olic: Noch immer 100 Prozent FC Bayern

Von Thomas Gaber
Mittwoch, 04.04.2012 | 13:06 Uhr
Wenn er auf dem Platz steht, ist voller Einsatz garantiert - Bayerns Matchwinner Ivica Olic (2.v.r.)
© Getty
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Mir seinem Doppelpack erledigte der Kroate Olympique Marseille. Heynckes stellt Olic weitere Einsätze in Aussicht, sein Abschied aus München wird dadurch aber allenfalls verlangsamt. Doch bis zum Saisonende gilt für Olic: Titel mit dem FC Bayern.

Der Schweiß perlte ihm auf der Stirn, während Ivica Olic die Ziehvorrichtung seines Trolleys fest umklammerte und permanent rauf und runter drückte. Unruhig verlagerte er sein Gewicht immer wieder von einem auf den anderen Fuß. Ivica Olic, das Nervenbündel. Eine Stunde nach dem 2:0 des FC Bayern München gegen Olympique Marseille und dem souveränen Einzug ins Halbfinale der Champions League.

Als Olic die Fragen der Journalisten zu seinem Startelfeinsatz, dem Doppelpack, seiner Zukunft und Real Madrid beantwortete, hatte er seine innere Ruhe noch längst nicht wiedergefunden. Die Ereignisse des Tages hatten ihn sichtlich mitgenommen.

"Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich spiele. Als mir der Trainer gesagt hat, dass ich in der ersten Elf stehe, war ich froh und nervös zugleich. Normalerweise schlafe ich nachmittags vor einem Abendspiel. Das war diesmal überhaupt nicht möglich. Ich war total nervös, aber es war eine positive Anspannung", sagte Olic.

Gleichzeitig glücklich und müde

Dieses Gefühl habe er in den letzten Monaten vermisst, wie auch das Gefühl, nach einem Spiel gleichzeitig glücklich und müde zu sein.

"Ich habe sehr wenig gespielt, in den letzten Wochen etwas mehr. Darüber bin ich sehr froh", so Olic. Trainer Jupp Heynckes habe immer wieder das Gespräch mit ihm gesucht und ihn daran erinnert, dass er noch wichtig werden könnte für den FC Bayern.

Wirklich daran geglaubt hat Olic nicht mehr. "Wenn man immer trainiert, aber wenig spielt, macht man sich Gedanken. Man denkt, dass man nicht mehr so wichtig ist für die Mannschaft, für den Trainer."

Das Marseille-Spiel war erst das vierte in dieser Saison von Beginn an für Olic. Im Dezember durfte er beim bedeutungslosen Gruppenspiel bei Manchester City über die volle Distanz ran, im DFB-Pokal-Achtelfinale in Bochum wurde er zur Pause ausgewechselt. Das letzte Mal stand Olic am 24. März beim 2:1 gegen Hannover in der Startelf.

Heynckes: "Ivica ist für die nächsten Spiele eine echte Alternative."

Seine Sorge, nicht mehr ein bedeutender Bestandteil des FC Bayern zu sein, ist gänzlich unbegründet. Bei den Spielern ist Olic nach wie vor sehr beliebt. "Es ist toll zu sehen, wie er sich wieder reingehängt hat. Er zieht immer voll mit und ich freue mich sehr, dass er zwei Tore geschossen hat", sagte Franck Ribery.

Jupp Heynckes betonte, dass man bei Olic gesehen habe, "wie wichtig es ist, einen Spieler zu motivieren und ihm Spielpraxis zu geben bekommt. Ivica ist für die nächsten Spiele eine echte Alternative."

Obwohl er seit dem Spätherbst mit einem Abschied vom FC Bayern kokettiert, ist Olic noch 100 Prozent bei der Sache. Sein Fleiß und seine Bereitschaft, sich jederzeit in den Dienst der Mannschaft zu stellen, imponieren den Kollegen. Mario Gomez sagte einmal über ihn: "Er ist verrückt. Manchmal steht er neben mir und ich denke, er stirbt gleich. Dann zieht er wieder 40 Meter zum Sprint an."

Ob Olic seine Meinung nach seinem Doppelpack gegen Marseille allerdings ändern wird, ist unwahrscheinlich. "Ich kann jetzt nicht sagen, dass mich mein Startelfeinsatz und die zwei Tore bestärkt haben, in München zu bleiben. Der Verein weiß, dass ich ein Spieler bin, der nicht zufrieden damit ist, wenn er nur auf der Bank sitzt und wartet."

Er habe nicht mehr so viel Zeit in seiner Karriere und wolle noch Spaß haben. "Ich weiß nicht, was in Zukunft passieren wird, aber ich hoffe, ich treffe die richtige Entscheidung. Es ist viel möglich und ich möchte festhalten, dass ich mich noch nicht mit einem anderen Verein geeinigt habe", sagte Olic.

Olic: "Ich würde gerne alles gewinnen"

Die Gespräche mit dem VfL Wolfsburg sollen aber sehr weit fortgeschritten sein. Bis Saisonende ist Olic aber noch Spieler des FC Bayern und sein Charakter verbietet es ihm, sich hängen zu lassen.

"Wir spielen jetzt gegen Real Madrid. Das werden zwei ganz große Spiele. Ich hoffe, dass ich dabei sein kann." Das letzte Mal, als die Bayern unter den letzten Vier der Königsklasse vertreten waren, schlug seine große Stunde. Gegen Olympique Lyon erzielte Olic im April 2010 im Rückspiel alle drei Tore beim 3:0.

Am Saisonende soll mindestens ein Titel zu Buche stehen. Olic: "Wir haben noch drei Chancen. Ich würde gerne alles gewinnen. Das wird sehr schwer, aber einer sollte es schon sein."

Ivica Olic im Steckbrief

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