Schalke-Gegner Manchester United in der Analyse

Drei Schlüssel und ein Problem

Von Daniel Börlein
Montag, 25.04.2011 | 17:17 Uhr
Manchester United kämpft gegen Schalke 04 um den Einzug ins Champions-League-Finale
© Getty
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Der FC Schalke trifft im Champions-League-Halbfinale auf Manchester United (Di., 20.15 Uhr im LIVE-TICKER). Die Red Devils sind in der Königsklasse Stammgast in der Runde der letzten Vier. Der Grund: Das Defensivkonzept, der neue Ryan Giggs und die Rolle Wayne Rooneys. Aber: United hat auch ein Problem.

In der Premier League ist Manchester United das Maß aller Dinge. Allerdings erlaubten sich die Red Devils in der Liga auch schon den einen oder anderen Ausrutscher, wie Anfang März, als es binnen fünf Tagen Niederlagen gegen Chelsea und Liverpool setzte.

In der Champions League zählt das Team von Coach Sir Alex Ferguson zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren zu den besten vier Teams Europas. Einen Ausrutscher in der Königsklasse gab es in dieser Saison bislang noch nicht. Nach zehn Spielen ist United noch immer ungeschlagen, vor allem dank einer starken Defensive.

Sieben Mal blieb das Team um Kapitän Nemanja Vidic ohne Gegentreffer, insgesamt musste Keeper Edwin van der Sar erst drei Mal hinter sich greifen. Uniteds Defensivkonzept gehört zweifelsohne zum Besten, was der Klub-Fußball zu bieten hat. Die Begriffe Ordnung und Balance sind dabei entscheidend.

Darauf hat Sir Alex Ferguson seine Spieler getrimmt, danach richtet er häufig auch seine Aufstellung aus. Generell soll keine Offensivaktion die Stabilität der eigenen Defensive gefährden. Vor allem Uniteds zentralen Mittelfeldspielern kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu. Michael Carrick ist in der Regel als Sechser gesetzt. Er hält den Raum vor der Abwehr, rückt nur selten mit nach vorne und bietet sich den eigenen Innenverteidigern als zentrale Anspielstation an.

Ryan Giggs: Balance und Ballverteilung

Immer häufiger setzte Ferguson in den letzten Wochen auf Ryan Giggs als Partner von Carrick. Seine Erklärung: "Giggs gibt uns eine bessere Balance, wenn er im Zentrum spielt." Was Ferguson damit meint: Giggs gibt Uniteds Spiel bei Ballbesitz aus der Sechserposition heraus häufig schon mit der ersten Aktion einen Impuls, verleiht der Defensive mit seinem klugen Raumverhalten aber gleichzeitig Sicherheit.

Regelmäßig suchen die Innenverteidiger neben Carrick auch Giggs als Anspielstation für den ersten Ball in der Spieleröffnung. Der Vorteil: Giggs ist der umsichtigere Ballverteiler.

Der Waliser spielt seinen ersten Ball vornehmlich in die Breite, vergrößert damit das aktive Spielfeld und dadurch Uniteds Möglichkeiten für die nächste Aktion und nötigt den Gegner gleichzeitig dazu, möglichst weit verschieben zu müssen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Abstände dabei nicht genau eingehalten werden und Lücken entstehen, erhöht sich dadurch.

Mit Vorstößen in die Offensive geht Giggs weitaus sparsamer um, als beispielsweise Scholes oder Fletcher, die nach dem ersten Ball nach außen häufiger in die Tiefe gehen, während Giggs eher dem Ball hinterher geht und sich als sichere Anspieloption anbietet. Defensive Stabilität geht eben vor offensiver Variabilität. Ausgerechnet der gelernte Angreifer Giggs setzt dies derzeit am konsequentesten um.

Das Defensivkonstrukt

Im Spiel ohne Ball hat der 37-Jährige seinen festen Platz in Uniteds Defensivkonstrukt - wie alle anderen Akteure auch. Die Defensivordnung ist vorgegeben und wird nach Möglichkeit auch unter allen Umständen eingehalten. Heißt: Acht Feldspieler befinden sich bei gegnerischem Spielaufbau hinter dem Ball, der zehnte (zweiter Stürmer bzw. hängende Spitze) agiert als Störspieler der gegnerischen Mittelfeldzentrale. Einzig die Sturmspitze muss sich nicht konsequent am Spiel gegen den Ball beteiligen.

In der Praxis sieht die United-Ordnung so aus, dass die Außen- und Flügelspieler einrücken, die Abstände zum eigenen Nebenmann so auf wenige Meter verringern und zwei Viererlinien entstehen (siehe Bild 1).

Der ballnahe Akteur der Vierer-Mittelfeldreihe agiert gegen den Ball, rückt allerdings in der Regel sofort wieder auf seine Position zurück, sobald der Ball in den Raum eines Mitspielers weitergespielt wird (siehe Bild 2 bis 5). Nur bei einer vielversprechenden Gelegenheit wird der ballführende Gegenspieler mit mehreren Akteuren attackiert und aggressiv nach dem Ball gejagt.

Uniteds Balleroberungs-Idee besteht vielmehr in der Verknappung des Raumes in der Tiefe und den damit verbundenen schwindenden Möglichkeiten des Gegners, offensiv gezielt agieren zu können. Rund 40 Meter vor dem Tor beginnt dieser Bereich, in dem Uniteds Vierermittelfeld den Gegner in Empfang nimmt.

Teil 2: Rooneys Rolle und ein Problem

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