Fussball

Der tragische Bulldozer

Von Alexis Menuge
darcheville
© Getty

München - Und jetzt gut aufgemerkt, VfB! In den Reihen der Glasgow Rangers (das erste Champions-League-Spiel ab 20.45 Uhr im SPOX-Live-Ticker und bei Premiere) steht seit diesem Sommer ein französischer Bulldozer. 

Jean-Claude Darcheville. Beruf: Torjäger. Größe: 1,72 Meter. Gewicht: 80 Kilogramm. Kampfname: "Darche".

Seine Landsleute jedoch nennen ihn "Gronaldo" - übersetzt etwa: der "Dickenaldo". Darcheville selbst hört das nicht gern, dabei steckt in dem Spitznamen nicht nur ein Seitenhieb auf seinen soliden Körperbau, sondern auch eine Reminiszenz an den Torhunger und die Spielweise des großen Ronaldos.

Denn selbst mit 32 Jahren und einem Body-Mass-Index im kritischen Bereich ist Darche immer noch extrem antrittsschnell - mit Ball, ohne Ball und sogar neben dem Platz.

Der tragische Unfall von Nottingham 

Ähnlich wie sein brasilianischer Namenspatron liebt auch Darcheville das Leben, das Nachtleben zumal. Stets gut und teuer gekleidet, schwingt er ab und an schon mal das stattliche Tanzbein, vorzugsweise zu afrikanischer Musik.

Dabei kennt der gutgelaunte Torjäger durchaus auch die Schattenseiten des Lebens. Seine mit Abstand schwerste Zeit erlebte er während der Saison 1998/99, als er von Stade Rennes an Nottingham Forest ausgeliehen war. Mit kaum 24 Jahren verlor er dort bei einem Autounfall seinen Sohn und seine Frau.

Darcheville brauchte lange, um den Schicksalsschlag zu verdauen. Erst 2003 fasste er in der französischen Ligue 1 wieder richtig Fuß und unterschrieb bei Girondins Bordeaux. Dort allerdings wurde er mehr als einmal von den eigenen Fans ausgepfiffen, weil er zu viele Torchancen vergab.

Renaissance in Glasgow

Nach fünf eher mäßigen Jahren wechselte er schließlich im Sommer zu den Glasgow Rangers, wo er einen Zweijahresvertrag unterschrieb.

Und dort fühlt sich Darcheville mittlerweile pudelwohl. Er wurde mit offenen Armen empfangen, die Verantwortlichen wollen sogar vorzeitig um ein Jahr verlängern.

Entsprechend groß ist die Vorfreude auf die Champions League. Bei Gegnern wie Lyon, Barcelona und Stuttgart spricht er von einer "Traumgruppe", und der Franzose ist voller Optimismus: "Olympique Lyon und der VfB Stuttgart sind ganz klar zu packen."

Keine Angst vor Suttgart 

Der FC Barcelona sei auf dem Papier der Favorit, so Darcheville gegenüber SPOX.com: "Aber ich glaube, dass es Lyon in dieser Saison schwer haben wird. Vor zwei Jahren galt Olympique nach dem 7:2-Triumph über Werder Bremen als unschlagbar, doch heute können wir die locker schlagen. Auch den VfB können wir problemlos bezwingen, vor allem vor heimischer Kulisse. Das ist auch unser Ziel im ersten Spiel."

Am Ende der Gruppenphase will er mit den Rangers "auf Platz zwei landen, um uns fürs Achtelfinale zu qualifizieren. Wir haben zweifellos das Potenzial dazu."

Eine Extra-Portion Motivation holen sich Darcheville und seine Teamkollegen aus der Mission, den schottischen Fußball ins rechte Licht zu rücken: "Wir haben es satt zu hören, dass der schottische Fußball schwach ist. Schauen Sie doch nach: Die Nationalmannschaft hat gerade in Frankreich gewonnen und hat nun gute Chancen, sich für die EM zu qualifizieren".

Und auch auf Vereinsebene seien die Bravehearts nicht zu unterschätzen: "In der Champions League sind beide Glasgow-Teams dabei. Ich bin mir sicher, dass mindestens eines davon im Achtelfinale stehen wird", so Darcheville.

Ein folgenschwerer Fehler 

Für ihn persönlich lief es zuletzt allerdings nicht ganz so rund in der Champions-League-Qualifikation: Beim Spiel in Zita (Montenegro) wurde Darcheville von den gegnerischen Fans übel beschimpft - auch mit etlichen rassistischen Äußerungen.

Vor wenigen Wochen schließlich bekam er vor einer Trainingeinheit auch noch eine deftige Standpauke von seinen Mitspielern, nachdem er mit einem Grün-Weißen Trainingsanzug erschienen war.

Grün-Weiß sind die Vereinsfarben von Erzfeind Celtic. Nach diesem Training fand er den Anzug nie mehr wieder. Heute lacht er darüber. Ob er auch am Mittwoch gegen 23 Uhr noch gut lachen hat, hängt nun vom amtierenden deutschen Meister ab...

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