Fussball

Schalke zwischen Lob und Krisengerede: Bier hilft nicht immer

Ralf Fährmann kassiert das 1:2 von Thomas Müller ins kurze Eck

Der FC Schalke 04 zieht sich beim FC Bayern München achtbar aus der Affäre, kassiert aber die zweite Niederlage in Folge und rutscht in der Tabelle auf Platz sechs ab. Trainer Domenico Tedesco und Sportvorstand Christian Heidel finden lobende Worte, fordern aber auch wieder mehr Punkte.

Es ist eine interessante Vorstellung, Mats Hummels in Zukunft als Trainer an der Seitenlinie zu erleben. Der Innenverteidiger des FC Bayern gehört zu den smartesten Profis im deutschen Fußball, seine Analysen sind auch wenige Minuten nach Spielende oft messerscharf.

Auf jeden Fall blickte Hummels nach der Partie gegen Schalke 04 etwas voraus. Falls er jemals Trainer werden sollte und mit einer unterlegenen Mannschaft bei einem favorisierten Team antreten müsse, werde er seiner Mannschaft nicht die Anweisung geben, sich zu verschanzen, sondern mutig zu agieren.

Der Ansatz der Schalker an diesem Samstagabend in München gefiel dem deutschen Nationalverteidiger. Und auch die Zuschauer sahen ein Spiel, das spannender und ausgeglichener war als die meisten in den letzten fünf Jahren.

Schalke ärgert sich über Punkteverlust beim FC Bayern

"Jeder beglückwünscht uns zu einem klasse Spiel, aber wir fahren ohne Punkte nach Hause", sagte Sportvorstand Christian Heidel etwas angesäuert. Mit dem Spiel sei er zwar zufrieden, mit dem Ergebnis aber nicht.

Ähnlich äußerte sich auch Trainer Domenico Tedesco, der meinte: "Wenn die Bayern etwas schlechter gespielt hätten, dann hätten wir einen oder sogar drei Punkte mehr, die heute sicherlich drin gewesen wären."

Die Schalker sind beileibe nicht die ersten, die gegen Bayern gut ausgesehen haben und dann die Frage gestellt bekamen, was sie denn aus diesem Spiel mitnehmen können. Schließlich sind Spiele gegen die Münchner auch immer Bonusspiele, weil keine Mannschaft der Liga etwas zu verlieren hat, wohingegen Schalke gegen Freiburg oder Mainz als Favorit antritt.

Tedesco lobt mutiges Spiel und vertikale Denke

Also, was kann sich Schalke dafür kaufen, "dass die Mannschaft einen guten Plan hatte und dass wir über 90 Minuten ein ebenbürtiger Gegner waren, total auf Augenhöhe", wie Heidel meinte? "Dass wir genau so spielen", antwortete Tedesco. "Dass wir mutig spielen und vertikal denken."

Seine Mannschaft habe mehr Körperlichkeit eingebracht als in den letzten Partien und auch beim Kampf um die zweiten Bälle besser agiert. "Wenn wir nach einem gewonnenen zweiten Ball die richtige Entscheidung treffen und direkt tief spielen, vereinfacht das unseren Fußball", sagte Tedesco.

Man habe gesehen, dass sich seine Spieler wohler und freier gefühlt hätten. "Wir hatten gute Ballzirkulationen und gute Verlagerungen drin. Aber wir müssen natürlich die Tore machen. Das nehmen wir uns Tag für Tag vor."

Schalke rutscht auf Platz sechs ab

Es ist ja auch so, dass die Schalker in den letzten Wochen eher zu wenige Tore geschossen haben. Die nackten Zahlen weisen nur zwei Siege aus den letzten zehn Spielen aus - böse Zungen könnten auch von einer kleinen Krise sprechen. In der Tabelle sind die Königsblauen nach der Winterpause von Platz zwei auf Platz sechs abgerutscht, vier Punkte fehlen aktuell auf RB Leipzig.

"Wenn einer sagt, dass die Bundesliga langweilig sei, muss er sich die Situation von Platz zwei bis acht oder neun anschauen", sagte Heidel, der die Frage, ob die anstehenden Spiele gegen Hoffenheim und Leverkusen wegweisend seien, nicht beantworten wollte.

"Wichtig" seien die Aufeinandertreffen mit den direkten Konkurrenten. "Obwohl wir nicht gut gepunktet haben, haben wir keinen großen Rückstand. Wir sind mittendrin und müssen einfach dreifach punkten, am besten gegen Hoffenheim."

Insgesamt herrscht großer Realismus auf Schalke, sowohl in der Bewertung der Tabellensituation als auch bei der Einschätzung der eigenen Leistung. "Wir wollen wieder eine Serie starten, man hat gesehen, dass die Mannschaft das Zeug dazu hat", sagte Heidel, "aber das müssen wir jetzt im Heimspiel unter Beweis stellen."

Fährmann patzt erneut

Etwas mehr Hilfe dürfte Schalke dann auch wieder von Ralf Fährmann bekommen, der sich nach seinem Fehlgriff am vorherigen Spieltag gegen Werder Bremen auch beide Gegentore in München ankreiden musste.

"Den ersten wollte ich über das Tor abwehren. Beim zweiten Gegentor dachte ich, dass er quer spielt - hätte ich bei Thomas Müller nicht machen dürfen. Das waren zwei bittere Gegentore", sagte Fährmann. "Ich bin keine Maschine. Ich hätte das gerne anders verteidigt."

Nach den Patzern gegen Bremen sagte der Torhüter, er brauche erstmal "ein paar Bierchen", um einschlafen zu können. Dass dies auch nicht immer hilft, um dann am nächsten Spieltag wieder die beste Leistung abzurufen, zeigte sich am Samstag in München.

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