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Sonntag, 25.09.2016 | 19:57 Uhr
Benedikt Höwedes analysiert die Schalker Krise schonungslos
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Die 1:2-Pleite gegen die TSG Hoffenheim war Schalkes fünfte Niederlage im fünften Bundesliga-Spiel. Königsblau ist punktloser Tabellenletzter. Die Euphorie, ausgelöst durch die Ankunft des neuen Führungsduos Christian Heidel und Markus Weinzierl, ist gänzlich verflogen. Die beiden Verantwortungsträger halten wohl noch zusammen. In der Kritik steht vor allem die Mannschaft.

Werder Bremen, null Punkte. Schalke 04, null Punkte. Vor dem fünften Spieltag standen zwei Traditionsvereine der Bundesliga am Tabellenende - die Lage angespannt, die Reaktionen darauf komplett konträr.

"Wir sind unglücklich in Rückstand geraten, aber wir haben an uns geglaubt", sagte Werder-Kapitän Clemens Fritz am Samstagabend aufgewühlt und noch berauscht durch den späten Sieg gegen den VfL Wolfsburg. Erst in den letzten fünf Minuten machte Werder aus einem 0:1 ein 2:1. Eine Willensleistung.

Keine 24 Stunden später war Schalke an der Reihe, den bedenklichen Negativtrend zu stoppen. Und dann stand nach dem Spiel Kapitän Benedikt Höwedes vor dem Sky-Mikrofon und sagte: "Die Mentalität ist im Laufe des Spiels auf der Strecke geblieben." Und: "Man hat sich teilweise ergeben." In den knapp zwei Stunden zuvor ging Schalke in Hoffenheim zwar früh in Führung, schlitterte dann aber mehr oder weniger kampflos in eine neuerliche Pleite.

Während bei Werder der absolute Wille, endlich auf die Siegerstraße zurückzukehren, zu spüren war, herrschte bei Schalke schon im Laufe der zweiten Halbzeit Resignation.

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Über Mentalität und Charakter

Auf dem Platz dominierte Schalke zwar über weite Strecken das Spiel, ließ aber jegliche Konsequenz vermissen, spielte sich nach dem Rückstand keine einzige wirklich zwingende Torchance heraus. Auf der Bank schüttelte Manager Christian Heidel verzweifelt den Kopf. Nach dem Spiel wurde er deutlich. "Der Zeitpunkt ist gekommen, um ein paar Dinge festzustellen", begann Heidel und monierte "Mentalität und Charakter" der Mannschaft.

Ein Aufbäumen blieb gänzlich aus, Pech kam hinzu. In der fünften Minute der Nachspielzeit hätte Schalke einen Elfmeter bekommen müssen, der Pfiff von Schiedsrichter Tobias Welz blieb aber aus. Ob der zuvor offenbarten Darbietung wären Verweise darauf eine einfache Ausrede gewesen. Höwedes ehrt es, dass er sie nicht bedient: "Es lag definitiv nicht am Schiedsrichter." Woran dann? Woran liegt es, dass eine im Sommer um 37 Millionen Euro verstärkte Mannschaft nicht gewinnen kann - nicht gegen Frankfurt, nicht gegen München, Berlin, Köln und auch nicht gegen Hoffenheim?

"Wenn wir das wüssten, dann würden wir da sofort ansetzen", sagte Tormann Ralf Fährmann. Es ist irgendwie eine komische Krise, in der sich Schalke derzeit befindet. Mit Trainer Markus Weinzierl und Manager Christian Heidel übernahmen im Sommer zwei in der Branche genauso angesehene wie umworbene Experten das Kommando. Es schien, als könne Schalke endlich den Titel des Chaos-Klubs ablegen.

"Zeit für eine Zäsur"

Dieser Wunsch ist erstmal obsolet, immerhin hält aber das verantwortliche Duo noch zusammen. Statt reflexartig das vermeintlich schwächste Glied der Kette, den Trainer, zu attackieren, greift Heidel die Mannschaft an: "Hier herrscht eine Lethargie. Aber das werden wir nicht länger zulassen. Dann spielen andere. Die, die dieses Phlegma haben, spielen dann nicht mehr. Dann kommen Leute rein, die malochen." Wer das sein soll, ist jedoch die Frage.

21 Spieler hat Weinzierl in dieser Saison schon eingesetzt. Ob mit Johannes Geis, Nabil Bentaleb oder Benjamin Stambouli auf der Sechs; ob mit einer, zwei oder zeitweise sogar drei Spitzen; ob mit Höwedes in der Innenverteidigung oder Außen - Weinzierl probiert viel und testet verschiedene Besetzungen. Die richtige hat er noch nicht gefunden. Von seinen Spielern ist er zunehmend enttäuscht. "Wir haben ganz klar nicht umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben", sagte der Schalker-Trainer nach der Pleite in Hoffenheim.

Für Heidel Grund genug, das ominöse A-Wort in den Mund zu nehmen. "Ich weiß, wie schwierig Abstiegskampf ist. Der eine oder andere weiß das nicht. Es ist Zeit für eine Zäsur." Derbe Worte, die Weinzierl aber (noch) nicht beunruhigen müssen. Er ist von dieser angesprochenen Zäsur wohl ausgeschlossen. "Der Trainer ist stark genug und ich hoffe, dass er von allen handelnden Personen die Rückendeckung bekommt. Meine hat er auf alle Fälle", sagte Höwedes. Schon vor dem Spiel erteilte Heidel einer möglichen Trainerdiskussion eine Absage: "Das Thema stellt sich nicht. Innerhalb des Klubs herrscht absolute Ruhe."

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Fehlende Grundtugenden

Absolute Ruhe herrscht wohl auch in der Mannschaft, dort wäre aber etwas Lärm angebracht. "Wenn jeder versucht, sein Ding zu machen, dann funktioniert das nicht", sagte Höwedes über die Kommunikation, den Teamgeist in der Mannschaft. Erstaunlich offene Worte. Was es zu ändern gilt: "Wir müssen vorweg gehen, Zweikämpfe gewinnen und an uns glauben." Eigentlich Grundtugenden, die einige Vertreter der neuformierten Mannschaft aber noch nicht beherzigt haben.

Erstaunlich viele individuelle Aussetzer prägen die Auftritte Schalkes. "Es kostet Kraft, diese Fehler als Team wieder aufzufangen", sagte Höwedes. Angesprochen fühlen dürfen sich diesmal vor allem Bentaleb und Matija Nastasic. "Wenn nicht jeder mitzieht, dann kannst du kein Spiel gewinnen", sagte Höwedes.

Es sind aber nicht nur die individuelle Aussetzer, die die bisherigen Schalker Darbietungen in dieser Saison bedenklich stimmen. Das Zusammenspiel der Mannschaftsteile, das Verschieben, das geschlossene Pressing - all das ist nur in Ansätzen zu erkennen. "Schlecht", "fahrlässig": Höwedes spricht Schalkes Schwächen schonungslos an.

Es gelte laut Höwedes nun "als Männer zusammenzuwachsen". Gemeinsam habe sich die Mannschaft in die missliche Lage manövriert, nahm der Kapitän alle in die Pflicht, und setzte dann - wohl eher unfreiwillig - zum Reim an: "Da müssen wir gemeinsam wieder raus. Punkt, Ende, Aus." Die verbale Kreativität auf Schalke ist derzeit jedenfalls ausgeprägter als die fußballerische.

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