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Fussball

So, wie Weinzierl es sich vorstellt

Köln siegte auf Schalke vor allem aufgrund des Kollektivs

Bei der Schalker 1:3-Niederlage gegen den 1. FC Köln stellte Trainer Markus Weinzierl seine Mannschaft erneut auf mehreren Positionen um. Was er damit bezwecken wollte, war klar. Er bezweckte es jedoch beim Gegner.

Reaktionen:

Markus Weinzierl (Trainer Schalke): "Wir haben ein Spiel verloren, das man nicht verlieren darf. Man hat heute gesehen, dass die Mannschaft unter Druck steht. Es ist uns nicht gelungen, das aus dem Kopf zu bekommen. Ich kann ihr vom Läuferischen nichts vorwerfen, man hat gesehen, dass sie wollte. Wir sind 118 Kilometer gelaufen. Wir haben es aber nicht geschafft, das in Punkte umzumünzen. Wir hätten mit einer Führung in die Pause gehen müssen, dann wäre das ein ganz anderes Spiel geworden. Wir sind sehr enttäuscht und haben uns den Saisonstart natürlich ganz anders vorgestellt. Der FC stand sehr tief und hat es uns schwer gemacht. Köln ist eine gewachsene Mannschaft, gegen die man nie viele Chancen hat. Wir haben gewusst, dass die Kölner stark sind bei Kontern. Das haben sie leider gezeigt."

Peter Stöger (Trainer Köln): "Natürlich sind wir sehr, sehr zufrieden, dass wir es wieder geschafft haben, auf Schalke zu gewinnen. Wir haben das ordentlich gemacht und waren ganz gut im Spiel. Ideal war das schnelle 1:1. Das hat uns Zuversicht gegeben. In der zweiten Halbzeit war klar, dass wir mehr Räume bekommen. Das war in Ordnung."

Christian Heidel (Sport-Vorstand Schalke): "Viel schlimmer geht es nicht. Wenn man vier Spiele absolviert und keines davon gewonnen hat, dann ist eine Steigerung nach unten schwer möglich. Das war sicherlich alles andere als geplant und auch in der Art nicht befürchtet."

Benedikt Höwedes (Kapitän Schalke): "Es ist schwierig, direkt nach dem Abpfiff in der Enttäuschung die richtigen Worte zu finden. Wir müssen das sacken lassen und analysieren, was wir falsch gemacht haben."

Matthias Lehmann (Kapitän Köln): "Der Teamgeist und der Wille, zu arbeiten, machen uns zurzeit so erfolgreich. Wir wissen, dass wir im Umkehrspiel sehr gefährlich sind. Das haben wir heute wieder bewiesen und eiskalt zugeschlagen. So kann es weitergehen."

Nachbetrachtung:

Automatismen erhoffte sich Markus Weinzierl am Mittwochabend, als er gegenüber dem 0:2 in Berlin auf vier Positionen wechselte. Riether, Geis, Schöpf und Meyer durften von Beginn an - allesamt Spieler, die schon letzte Saison zusammengespielt haben.

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"Mehr Vertrautes", wollte der Schalker Trainer im Spiel seiner Mannschaft sehen, wie er vor dem Anpfiff bei Sky erklärte. Spieler, die wissen, wie der Andere tickt, nachdem den beiden Neuzugängen Stambouli und Bentaleb zuletzt individuelle Fehler unterlaufen waren, die letztlich zu Gegentoren geführt hatten. Abgestimmte Laufwege, weniger negative Überraschungsmomente in den eigenen Reihen.

Vertrautheit war es schlussendlich aber, was Schalke die vierte Niederlage im vierten Saisonspiel einbrachte. Die Vertrautheit in den Reihen des 1. FC Köln.

Früchte der Kölner Entwicklung

Dass der FC nach vier Spieltagen tabellarisch mit zehn Punkten erster Bayern-Jäger ist, ist Ausdruck der Entwicklung, welche der vor wenigen Jahren noch stark wankende Domstadt-Klub unter Trainer Peter Stöger und Sportdirektor Jörg Schmadtke seit 2013 genommen hat. Kontinuität und Geduld zahlen sich aus.

Die Mannschaft hat den nächsten Grad an Sicherheit erreicht. Vertrauen in die Abläufe, Vertrauen in jeden Einzelnen im Kader. Und natürlich auch in den Trainer, der stets ein ehrlicher, humorvoller Realist geblieben ist. Dabei hat sich die Art und Weise, wie der FC Fußball spielt, in der Sommerpause nicht geändert.

Stögers Truppe lässt sich nicht einlullen - das zeigte auch das jüngste Beispiel Gelsenkirchen. Mit einem klaren Matchplan, der weniger am Gegner als an den eigenen Möglichkeiten ausgerichtet ist, überließ man Schalke seiner Ideenlosigkeit und fand seinerseits über schnelle Umschaltaktionen immer wieder Abschlussmöglichkeiten. Man merkte den Gästen an, dass mit jeder gelungenen Aktion auch das Selbstverständnis dieser eingeschworenen Truppe wächst. Das war nicht nur auf Schalke so.

Köln setzt Schalker Matchplan um

Während der FC sich mit seinem gefestigten Kern anschickt, in dieser Saison weiter oben als im gefestigten Mittelfeld anzugreifen, hat Schalke noch nicht die richtige Zusammensetzung der neuen Mannschaft gefunden.

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Unter dem minütlich wachsenden Druck, der nun auch in dieser Saison wieder von den Rängen Einzug erhält, schien es, als wollte jeder Schalker Spieler ein Stück weit Verantwortung von sich abschütteln. Kaum ein Angriff wurde selbstbewusst oder mit der nötigen Ruhe zu Ende gespielt und im Spiel nach hinten mangelte es mehrfach an der Kommunikation.

Die Partie war für Weinzierl und jeden seiner Spieler gewissermaßen eine Lehrstunde - die vierte im vierten Spiel. Denn der Auftritt des Kölner Kollektivs entsprach genau dem, was sich der Schalker Trainer von seiner Mannschaft vorgestellt hatte.

Schalke - Köln: Daten zum Spiel

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