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Tick, tack, tick, tack...

Die Zeit für den HSV in der Bundesliga scheint abgelaufen
© getty

Im Spiel beim VfB Stuttgart sollte der Klassenerhalt unter Dach und Fach gebracht werden. Doch der Hamburger SV präsentierte sich am Samstag in allen Belangen zweitklassig und ist nun von den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig. Am letzten Spieltag geht's gegen den FC Schalke. Das ist fast schon der einzige Hoffnungsschimmer.

Eigentlich war nach zwölf Minuten alles angerichtet für das perfekte HSV-Spiel. Die Hamburger gingen mit 1:0 in Führung. Es traf - mal wieder - Gojko Kacar, der einst ausgemusterte Retter des Dinos. Es war sein drittes Tor in den letzten drei Spielen. Die Vorarbeit leistete ausgerechnet Rafael van der Vaart mit seinem ersten Assist in dieser Spielzeit. Der HSV hatte einen riesen Schritt in Richtung Klassenerhalt unternommen.

Hätten die Rothosen ähnlich engagiert gespielt, wie in die letzten Wochen unter Bruno Labbadia, als sie in drei Spielen sieben Punkten holten, womöglich wäre der Klassenerhalt nach Spielende perfekt gewesen. Doch es kam ganz anders.

Die frühe Führung gab dem HSV keine Sicherheit, er verlor völlig den Faden. Vor allem aber konnten die Hamburger das gewohnte Spiel nicht aufziehen, weil sich Pierre-Michel Lasogga bereits in der fünften Minute verletzte. Da der 23-Jährige aber keiner ist, der in solch einem Spiel den Platz freiwillig verlassen würde, quälte sich Lasogga noch 50 Minuten über den Platz, ohne der Mannschaft auch nur im Ansatz helfen zu können. Der Matchplan der Hamburger war dahin.

Lasogga kaputt, Matchplan ade

Der VfB verteidigte in vorderster Linie clever, stellte Johan Djourou als Aufbauspieler zu und zwang so Slobodan Rajkovic in die Spieleröffnung. Nicht unbedingt eine Stärke des Serben und so hatte van der Vaart nach 45 Minuten vermutlich heftige Nackenschmerzen, weil er den Ball immer nur weit über sich hinweg fliegen sah. Immerhin hat er nun mindestens eine Woche Zeit, seinen Nacken zu schonen - der Niederländer fehlt mit der 10. Gelben Karte in der kommenden Woche im alles entscheidenden Spiel.

In der Regel ist es Lasoggas Gebiet, diese weiten Bälle fest zu machen und seine aufrückenden Mitspieler einzusetzen. Labbadia brachte daher aus Schnelligkeitsgründen Marcell Jansen und Ivo Ilicevic auf dem Flügel, doch diese Maßnahme verpuffte. Offensiv fand Hamburg nicht statt. Eine einzige Torchance "erspielte" sich der Hamburger SV - es war der Treffer in der 12. Minute.

Am Ende musste sich die Mannschaft bei Rene Adler bedanken, dass man nicht früher noch höher zurück lag und am Ende theoretisch sogar noch die Chancen auf ein Unentschieden hatte. Der Ex-Nationalkeeper hielt teilweise überragend, tauchte aber Mitte der zweiten Hälfte auch böse unter einem Ball durch. Dennoch: Adler erreichte als einziger HSV-Akteur an diesem Tag Normalform. Der Rest präsentierte sich in Absteiger-Form.

Königsblauer Hoffnungsschimmer

Es war ein Rückfall in die Pre-Labbadia-Ära. Kein Zug zum Tor, kein Zweikampfverhalten, riesige Löcher in der Defensive. Was gibt einem nach solch einer blutleeren Vorstellung noch Hoffnung? "Jetzt müssen wir gegen Schalke gewinnen und sind von anderen abhängig. Wir müssen die Mannschaft so hinbringen, dass wir Schalke schlagen", sagte Labbadia.

Schalke bleibt der einzige Hoffnungsschimmer, geht es für die Knappen am letzten Spieltag doch um nichts mehr und zeigten sie sich in den letzten Wochen auch nicht wirklich in herausragender Verfassung.

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Keiner wird davon ausgehen, dass Schalke das Spiel abschenken wird, aber es bleibt der einzige Strohhalm, an den sich der Dino klammern kann. Vielleicht noch die Tatsache, dass Schalke in die Imtech Arena reist. Denn in der Heimtabelle liegt Hamburg immerhin auf dem 15. Rang, in der Auswärstabelle rangiert der HSV auf Platz 17. Viel mehr trägt nicht die Farbe grün.

Das Team trat in Stuttgart nicht wie ein verschworener Haufen auf. Das musste auch Adler nach Spielende konstatieren: "Wenn du ganz unten bist und dich selbst zerfleischst, hast du gar nichts gewonnen. Wir haben mehr als verdient verloren. Der Gegner war in allen Belangen besser", sagte der Keeper. Ein Armutszeugnis, wenn solche Aussagen am 33. Spieltag im Abstiegskampf getätigt werden.

Die Uhr läuft ab

Es tat sich kein Spieler hervor, der die Kohlen aus dem Feuer holen könnte. Keiner, der die Klasse und vor allem das Selbstvertrauen hat, am kommenden Samstag vorneweg zu marschieren. Der Kapitän, dem man das am ehesten noch zugetraut hätte, wird fehlen.

So könnte es das vorerst letzte Spiel von van der Vaart im HSV-Trikot gewesen sein. Und es könnte vorerst das letzte HSV-Auswärtsspiel in der Bundesliga gewesen sein. Eins ist sicher: Kommenden Samstag wird das letzte Bundesligaspiel des HSV in der Imtech Arena sein. Denn ab der kommenden Saison spielt man wieder im Volkspark-Stadion.

Die Uhr, die seit über 50 Jahren im Stadion des HSV läuft, sie bewegt sich nur noch ganz langsam und sie wird die Umbenennung eventuell gar nicht mehr mitbekommen. Womöglich bleibt sie am 23. Mai 2015 um 17.20 Uhr stehen. Und das letzte Gründungsmitglied wäre erstmals aus der Bundesliga abgestiegen.

Stuttgart - Hamburg: Daten zum Spiel

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