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Fussball

Mit dem Affentanz zur Rettung

Der Jubel nach dem 2:1 war aussagekräftig genug
© Getty

Der VfB Stuttgart hat sich durch einen Sieg gegen den Hamburger SV in eine ordentliche Ausgangslage vor dem letzten Spieltag gebracht. Vor allem die Art und Weise überraschte: Locker und mit einer positiven Grundstimmung gehen die Schwaben in das Saisonfinale gegen den SC Paderborn.

Vor dem Spiel wurde Huub Stevens zu den Vorkommnissen unter der Woche gefragt. Wieso er die Spieler "Affen" nannte und was es mit diesen Worten auf sich gehabt haben sollte. Der Trainer des VfB Stuttgart reagierte ausweichend und schob den Medien den Schwarzen Peter zu.

"Das müsst Ihr doch wissen, was das zu bedeuten hat. In Holland hat das eine ganze andere Bedeutung", sagte Stevens. Welche Bedeutung genau, wollte Stevens dann aber auch nicht erklären. Scheinbar hatten diese Worte aber einen gewissen Effekt.

Wie bereits in der letzten Woche trat Stuttgart in einem enorm wichtigen Spiel mit einer Mischung aus Lockerheit und Selbstvertrauen auf - so als hätte es die 31 Spiele zuvor gar nicht gegeben. Trotz eines frühen Führungstreffers der Hamburger (12.), bestimmte der VfB spätestens ab der 20. Minute das Geschehen in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena.

Abstiegskampf auf sympathisch

Vor wenigen Wochen noch hätte der frühe Rückstand den Schwaben wohl das Genick gebrochen. Zwar war dem Team die Nervosität in den ersten Minuten durchaus anzusehen, aber mit der sensationellen Unterstützung der Fans, angetrieben von einem zweikampfstarken Terrier namens Serey Die im Mittelfeld und einer durch die Bank weg konzentrierten Leitung, drehte die Mannschaft das Spiel innerhalb von acht Minuten.

Vor allem der Torjubel beim 2:1 war mehr als bemerkenswert. Als Martin Harnik den Ball aus kürzester Distanz über die Linie drückte, drehten die Stuttgarter in Richtung Eckfahne ab und feierten den Treffer wie eine Herde aufgebrachter Affen. Man zeigt sich im Abstiegskampf trotz aller Existenzängste sympathisch und locker.

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So spielte auch der Sportdirektor die Szene unter der Woche und den anschließenden Jubel herunter. "Huub Stevens kann da hundertprozentig mitlachen. Er hat seine ganz eigene Art, die Mannschaft zu führen. Die Mannschaft steht 100 Prozent hinter ihm. Er nimmt sie relativ hart ran, nimmt kein Blatt vor den Mund. Er kann sie aber auch loben und ist sehr authentisch. Das Wort Affe hat in Holland eine viel niedlichere Bedeutung. Huub möchte alles andere, als die Spieler zu beschimpfen. Wir haben die Sache schnell abgehakt", sagte Robin Dutt nach dem Spiel.

"War das erste Mal sprachlos"

Und auch der Torschütze konnte die Aktion des Trainers fast schon verstehen: "Wir haben in den letzten Wochen viele individuelle Fehler gemacht und haben den Trainer einige Nerven gekostet. Jetzt hat er mal einen Fehler gemacht und sich in der Wortwahl vergriffen, aber wir haben es verziehen", sagte Harnik: "Es lässt sich aber niemand gern als Affe bezeichnen. Es war einer der wenigen Momente in meiner Karriere, in denen ich sprachlos war. Aber nach kurzem Aufstoßen haben wir darüber geredet und die Message verstanden."

Was genau war denn jetzt die Message? Wenn man es aus biologischer Sicht sieht, hatte Stevens Recht. Affen sind im Tierreich für ihr komplexes Sozialverhalten bekannt, Einzelgänger sind selten. So bilden sie in Gruppen oft Rangordnungen, die durch Kämpfe geschaffen werden. Im Abstiegskampf geht es ums Kämpfen, demnach war es vielleicht gar keine Beleidigung, die Stevens von sich ließ - es war vielleicht sogar ein Kompliment. Als wolle er sagen: "Seht her Jungs, ihr seid endlich eine Truppe, die geschaffen ist für den Abstiegskampf!"

Erstmals seit September 2013 hat der VfB zwei Siege in Folge vorzuweisen. Zwar befindet sich der Klub immer noch auf einem Relegationsplatz, hat aber kommenden Samstag beim Spiel gegen den SC Paderborn alles in der eigenen Hand. Mit einem Sieg wären die Schwaben sicher nicht abgestiegen, weil sich Hannover 96 und der SC Freiburg gegenseitig die Punkte wegnehmen.

Es fehlte einzig das i-Tüpfelchen

Spielerisch überzeugten die Schwaben, einzig und alleine die Chancenverwertung war verheerend. Egal ob Daniel Didavi, Filip Kostic oder Timo Werner kurz vor Schluss, Stuttgart bekam den Deckel nicht auf die Partie und so musste die Stevens-Truppe gar noch zittern. Eine Niederlage wäre unverdient gewesen, viel zu überlegen war der VfB.

Trotz aller Euphorie bleibt der Trainer noch auf dem Boden: "Ich kann nur ein großes Kompliment aussprechen. Die Jungens haben nach einem Rückstand klaren Kopf bewahrt." Auch Dutt lobte die Truppe nach Spielende zurecht: "Wir haben uns ein Endspiel erarbeitet - nicht mehr und nicht weniger. Im Verlauf der Rückrunde hat es sicher einen Wechsel in der Richtung gegeben. Wir spielen offensiv momentan nicht gerade wie ein Absteiger."

Apropos Endspiel. Vor dem Mainz-Spiel sprach Kapitän Christian Gentner davon, dass Stuttgart nun im Pokal-Modus sei. Die Rheinhessen wären das Viertelfinalspiel gewesen, demnach wurde nun das Halbfinale gewonnen. Diese Schiene fährt auch Daniel Ginczek weiter: "Wir haben unseren Teil beigetragen. Wir hatten ein Viertelfinale gegen Mainz, heute das Halbfinale, jetzt sind wir im Finale gegen Paderborn und haben gute Chancen."

Bei den Ostwestfalen kann Stevens Affenbande nun beweisen, dass sie wahrlich die Könige des Abstiegsdschungels sind. Wer hätte das vor wenigen Wochen noch gedacht?

Stuttgart - Hamburg: Daten zum Spiel

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