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Erschreckender BVB verliert in Bremen

Samstag, 20.12.2014 | 17:22 Uhr
Der BVB könnte am Sonntag von Freiburg auf Tabellenplatz 18 verdrängt werden
© Getty

Der Absturz von Borussia Dortmund nimmt kein Ende. Am 17. Spieltag der Bundesliga verlor der BVB beim Letzten SV Werder Bremen mit 1:2 (0:1), wird dadurch von den Grünweißen in der Tabelle überholt und könnte sogar als Tabellenletzter in die Winterpause gehen.

Vor 42.100 Zuschauern im ausverkauften Weser-Stadion ging Bremen durch das vierte Saisontor von Davie Selke früh in Führung (3.). Für den BVB bedeutete dies den bereits elften Rückstand in dieser Saison, nur einmal holte man danach noch einen Punkt (beim 2:2 gegen Stuttgart). Fin Bartels markierte in der 62. Minute das 2:0. Dortmund kam durch einen Kopfball von Mats Hummels noch auf 1:2 heran, mehr gelang den Schwarzgelben aber nicht.

Bremen gewinnt damit erstmals nach zuvor sechs Niederlagen wieder gegen die Borussia. Die hat nach acht Auswärtsspielen weiterhin lediglich vier Pünktchen auf dem Konto und bleibt das schwächste Auswärtsteam der Liga. Und: Dortmund kassierte die zehnte Pleite der Hinrunde - das sind mehr, als in jeder anderen kompletten Saison unter Jürgen Klopp.

Reaktionen:

Viktor Skripnik (Trainer Bremen): "Ich bedanke mich bei meinen Jungs. Es war keine leichte Situation nach dem Trainerwechsel. Wir haben noch 17 Spiele, jedes davon wird ein Endspiel. Gott sei Dank ist jetzt erstmal Pause."

Jürgen Klopp (Trainer BVB): "Jegliche Kritik, die man jetzt über uns ausschüttet, ist gerechtfertigt. Wir haben das in der ersten Halbzeit nicht gut gemacht. Das war ein Spiegelbild unserer Vorrunde. Wir haben die beschissenste Vorrunde unseres Lebens gespielt. Die beste Nachricht heute ist, dass das Fußballjahr 2014 vorbei ist. Inwieweit wir uns verändern werden, müssen wir besprechen. Aktionismus macht keinen Sinn."

Mats Hummels (Kapitän BVB): "Zu Hause haben wir es in den letzten Wochen ganz gut hingekriegt, auswärts überhaupt nicht. Da kann man sich fast nur in Galgenhumor flüchten. Es ist erstaunlich, wie mies wir auswärts sind."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Bei Bremen gibt es nach der 1:4-Niederlage in Gladbach zwei Änderungen in der Startelf: Lorenzen und Lukimya spielen für Caldirola (Gelb-Rot-Sperre) und Makiadi.

Drei Wechsel beim BVB nach dem 2:2-Remis gegen Wolfsburg: Ginter, Kirch und Piszczek ersetzen Subotic (5. Gelbe), Bender (muskuläre Probleme) und Durm. Für Kirch ist es das Startelfdebüt in dieser Bundesligasaison.

3., 1:0, Selke: Von halblinks passt Garcia zu Selke. Hummels pennt total, der Stürmer läuft aufs Tor zu und schlenzt die Kugel stark ins rechte Eck.

26.: Bargfrede setzt sich im Mittelfeld gegen Gündogan durch. Der Ball landet bei Lorenzen, der Hummels aussteigen lässt und von halbrechts abschließt - links daneben.

29.: Aubameyang hat rechts Platz und geht die Linie entlang. Seine Flanke findet im Strafraum Immobile, der im Rückwärtsfallen Gebre Selassie anköpft.

43.: Nach einem Ballverlust von Hummels spielt Bartels aus dem Halbfeld auf den gestarteten Lorenzen. Der ist durch, doch Langerak kommt heraus und klärt nach einem Pressschlag.

45.: Piszczek wird rechts freigespielt. Dessen Flanke an den kurzen Pfosten spitzelt Kirch mit links aufs Tor. Wolf nimmt auf.

51.: Dortmunds bislang beste Chance resultiert aus einer von Garcia abgefälschten Piszczek-Flanke, die haarscharf am linken Eck vorbeisegelt.

56.: Aubameyang geht rechts durch und flankt auf den Elfmeterpunkt. Dort steht Kagawa mutterseelenallein, köpft die Kugel aber weit rechts am Kasten vorbei.

62., 2:0, Bartels: Bremen über rechts mit Selke, der Hummels ganz billig auswackelt. Flachpass in die Mitte. Dort hat Ginter nicht zu Bartels aufgeschlossen, so dass dieser freistehend einschieben kann.

68.: Bartels flankt von rechts an den langen Pfosten. Selke enteilt Piszczek, seine Volleyabnahme geht allerdings einen Meter linker Hand am Tor vorbei.

69., 2:1, Hummels: Eckball Kagawa von links. In der Mitte schüttelt Hummels Gebre Selassie ab und köpft rechts unten ein.

78.: Ein flacher Ball landet mit etwas Glück im Strafraum bei Kagawa, der freie Schussbahn hat. Die Kugel rutscht ihm aber ab, der Ball geht deutlich rechts am Tor vorbei.

83.: Gündogan legt links raus zu Schmelzer. Flanke zurück auf Gündogan, der vom Elfmeterpunkt jedoch genau in die Arme von Keeper Wolf köpft.

89.: Rechts am Strafraum steckt Fritz zu Bartels durch. Der hebt die Kugel an Langerak vorbei. Der Ball klatscht an den linken Pfosten, Dortmund klärt.

Fazit: Dortmund spielte wie ein Absteiger und kann nach einer solchen Leistung nicht mit einem Punktgewinn rechnen. Bremen defensiv diszipliniert, lauffreudig und eiskalt im Abschluss.

Der Star des Spiels: Davie Selke. Sehr beweglich und häufig mit den richtigen Laufwegen. Technisch anspruchsvoll und eiskalt beim Führungstor, präzise bei der Vorlage zum zweiten Treffer. Beschäftigte Dortmunds Viererkette den ganzen Nachmittag und zeigte sich durchsetzungsstark.

Der Flop des Spiels: Sebastian Kehl. Schon gegen Wolfsburg Dortmunds Schwächster zeigte der Routinier auch in Bremen eine seltsam fahrige Leistung. Fand zu keiner Zeit in die direkten Duelle und verlor die entscheidenden davon fast alle. Dazu im Spielaufbau ohne Timing, passte mehrfach in den Rücken seiner Mitspieler. Handelte sich mit dieser Leistung den einen oder anderen Rüffel von Klopp ein und blieb zur Pause in der Kabine. Ebenfalls ganz schwach: Hummels.

Der Schiedsrichter: Tadellose Leistung von Manuel Gräfe, der sich kaum einen Fehler leistete. Gutes Auftreten beim Dialog mit den Spielern.

Das fiel auf:

  • Unterirdische erste Hälfte des BVB, der in allen Belangen Probleme hatte. Das defensive Mittelfeld war im Spielaufbau erneut kaum ein Faktor. Nur wenn Gündogan am Ball war, kam etwas Zug in die Angriffe. Sobald dieser die Kugel jedoch abspielte, zeigte sich, wie wenig die Dortmunder Offensive aufeinander abgestimmt ist. Die Laufwege passten nicht zusammen: Die linke Seite bot sich offensiv kaum an, Aubameyang auf rechts versuchte sich entweder im Dribbling oder flankte in die Mitte - wo Immobile gegen mehrere Gegenspieler chancenlos war.
  • Bremen zog sich bei Dortmunder Ballbesitz tief zurück und verrammelte mit viel Laufarbeit das Zentrum. Durch die vielen BVB-Ballverluste gelang es Werder relativ einfach, ins Umschaltspiel zu kommen. Diese Bewegung sah bei den Gastgebern gut aus, wenn auch die letzte Präzision bisweilen fehlte.
  • Die Borussia zeigte sich anfällig bei Defensivstandards, verlor nach den eigentlich bekannten Bremer Finten vollkommen die Orientierung und stand plötzlich zu offen.
  • Klopps Spieler legten dazu eine fragwürdige Körpersprache an den Tag. Die Dortmunder lamentierten schnell, drehten ab oder beschwerten sich beim Schiedsrichter. Das Nervenkostüm schien enorm angespannt.
  • Dortmund nach der Pause in der Raute mit zwei Stürmern und Kagawa auf der Zehn. Dadurch gelang es dem BVB, einige Male so etwas wie Tiefe in die Angriffe zu bekommen. Auch das Pressing fiel nun aggressiver aus.
  • Werder reagierte und stellte auf ein 4-3-2-1 um. Die Hausherren blieben ihrer Linie auch im zweiten Abschnitt treu und griffen häufig über die Außen an. Dortmund ließ sich dadurch enorm auseinander ziehen, weil bei Schwarzgelb die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen riesig waren.

Bremen - Dortmund: Die Statistik zum Spiel

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