Bundesliga - 22. Spieltag

Werder gewinnt packende Derby-Schlacht

Von Stefan Rommel / Christian Bernhard
Samstag, 18.02.2012 | 17:29 Uhr
Bremens Marko Marin traf zum 1:0 beim Hamburger SV
© Getty
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Werder Bremen hat das Nordderby beim Hamburger SV mit 3:1 (2:0) gewonnen und damit den ersten Sieg des Jahres 2012 eingefahren.

Vor 56.553 Zuschauern in der Imtech Arena in Hamburg erzielten Marko Marin (9.), Tom Trybull (45.) und Marko Arnautovic (86.) die Tore für Bremen. Mladen Petric' zwischenzeitliches Anschlusstor (75.) war zu wenig für den HSV.

Die Gäste behaupteten mit dem Sieg im 96. Bundesligavergleich beider Teams Platz fünf, während der HSV 2012 weiter ohne Heimsieg bleibt und den Kontakt zu den internationalen Plätzen verloren hat.

Reaktionen:

Thorsten Fink (Trainer HSV): "Wenn man das Derby verliert, ist man natürlich nicht glücklich. Ich war aber mit der Gesamtleistung der Mannschaft zufrieden, es war ein rassiges Derby, meine Spieler haben einen großen Kampf geliefert, Chancen gehabt, aber leider Fehler in der Vorwärtsbewegung gemacht."

Heiko Westermann (HSV): "Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht, waren das dominantere Team. Wir hatten viele hochkarätige Chancen, die wir leider nicht genutzt haben. Es war heute einfach nicht unser Tag."

Mladen Petric (HSV): "Es war sehr viel Pech dabei. In der zweiten Halbzeit haben wir gut gespielt, mit mehr Druck machen wir noch den Ausgleich. Das Derby zu verlieren, ist sehr bitter, aber wir dürfen jetzt nicht die Köpfe in den Sand stecken."

Thomas Schaaf (Trainer Bremen): "Ich freue mich sehr über diesen Sieg. Er war absolut verdient. Alles was wir uns taktisch vorgenommen haben, hat das Team sehr gut verfolgt. Alles war klarer, sicherer. Was wir gemacht haben, als wir in Ballbesitz gekommen sind, das war heute das Entscheidende."

Marko Arnautovic (Bremen): "Wir mussten heute die Stadt verteidigen..."

Tim Wiese (Bremen): "Dieses Stadion liegt uns einfach, ich weiß auch nicht warum. Wir haben ein richtig tolles Spiel gemacht. Es war hitzig, es war ein bisschen mehr Adrenalin drin als in anderen Spielen - und wir haben gewonnen. Das wird eine schöne Woche, jeder wird mit sehr viel Spaß an die Arbeit gehen und sich auf die nächste Partie freuen. Für Hamburg gilt das wohl eher nicht."

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Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Der HSV wie zuletzt, also wieder mit Rajkovic an Stelle des immer noch verletzten Bruma in der Innenverteidigung. Rincon kehrt nach Gelb-Sperre zurück.

Werder mit einigen Änderungen: Marin gibt sein Startelf-Comeback und rückt für Ekici in die Offensivzentrale. Hartherz verteidigt wieder links hinten, Rosenberg bekommt neben Pizarro eine erneute Chance im Angriff. Arnautovic nur auf der Bank.

9., 0:1, Marin: Leichter Ballverlust von Rincon im Mittelfeld. Trybull schön raus auf Junuzovic. De flankt flach zur Mitte. Marin steht mit dem Rücken zum Tor, Rajkovic deckt das kurze Eck ab. Trotzdem trifft Marin aus der Drehung aus sechs Metern ins kurze Eck.

12.: Freistoß Aogo. Mit Zug an den Elfer. Guerrero setzt sich robust gegen Fritz durch, scheitert aber per Dropkick an Wiese.

17.: Guerrero sieht Petric rechts im Strafraum. Dessen Rückpass auf Sala ist zu unsauber. Fritz schläft trotzdem und übersieht Guerrero. Der kommt aus 14 Metern zum Schuss, haut den Ball aber drüber.

20.: Trybull schickt Marin auf rechts. Der flankt gleich zur Mitte, wo Drobny und Rosenberg im Zweikampf zusammenrauschen. Der Ball trudelt Richtung Tor, aber Rajkovic klärt zwei Meter vor der Linie.

39.: Ballgewinn HSV tief in der eigenen Hälfte, Werder aber mit zu vielen Spielern aufgerückt. Der Konter läuft über Sala, der Petric rechts bedient. Der zieht zur Mitte, übersieht Jansen und Guerrero in der Mitte und schließt aus 23 Metern selbst mit links ab. Der Ball zischt hauchdünn über die Latte.

44.: Blitz-Konter Werder. Hartzherz geht links los, bedient dann Marin an der Strafraumkante. Dessen Schuss aus 17 Metern fummelt Drobny gerade noch so zur Ecke.

45., 0:2, Trybull: Ecke Junuzovic. Am Fünfer stehen sich drei Hamburger auf den Füßen. Trybull kommt dahinter völlig frei zum Kopfball. Aufsetzer zentral aufs Tor, Drobny fällt in Zeitlupe, Petric kann auf der Linie nicht mehr retten. Erstes Bundesligator für Trybull.

48.: Diekmeiers Flanke findet in der Mitte Petric. Der kommt am Elfer zum Schuss, aber Wiese rettet mit einem tollen Reflex.

49.: Bargfrede schickt Marin, der von rechts sofort zur Mitte flankt. Rosenberg ist am Elfer völlig frei, schiebt das perfekte Zuspiel aber mit links einen Meter links am Tor vorbei.

60.: Guerrero sieht Ilicevic am langen Pfosten. Der nimmt die Flanke direkt, scheitert aber am linken Außenpfosten.

75., 1:2, Fritz: Petric zielt einen Freistoß aus 24 Metern in die Mauer. Da dreht sich Fritz aber weg und fälscht den Ball ab. Wiese ist im linken Eck, der Ball trudelt rechts neben den Pfosten.

86., 1:3, Arnautovic: Abschlag Wiese. Rajkovic und Westermann schauen beide nur zum Ball und rennen sich gegenseitig über den Haufen. Arnautovic hat freie Bahn und schiebt den Ball unter Drobny durch ins Netz.

Fazit: Verdienter Sieg für Werder, dass seine Angriffe präziser ausspielte und vor dem Tor kälter war als der bemühte, aber glücklose HSV.

Der Star des Spiels: Marko Marin stand seit Anfang Dezember (beim 1:4 in München) nicht mehr in der Startformation. Diesmal bekam er auf der Zehn den Vorzug vor Ekici und rechtfertigte Trainer Schaafs Entscheidung vollauf. Marin war beweglich, strotzte vor Spielfreude, erzielte ein Tor selbst, war Wegbereiter zum 0:2 und an so ziemlich jeder gefährlichen Offensivaktion der Bremer beteiligt. Auch vom zwischenzeitlichen Becherwurf ließ sich Marin nicht sonderlich irritieren. Gegen Ende merkte man ihm die lange Pause aber an. Trotzdem ein ganz starkes Comeback. Auch überzeugend: Wiese, der einige wichtige Paraden zeigte.

Der Flop des Spiels: Marcell Jansen. Spielte einen Fehlpass nach dem anderen und machte keinen Druck nach vorne. Passend dazu verletzte er sich auch noch am Oberschenkel und musste in der 70. Minute runter.

Der Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer hatte gleich in der Anfangsphase mit der Partie Probleme und später auch in einigen wenigen Zweikampfbeurteilungen. Bei Hartherz' Körperkontakt gegen Diekmeier nicht auf Elfmeter zu entscheiden, war richtig. Nur: Bei den persönlichen Strafen agierte er mit zweierlei Maß: Fritz wegen einer Nichtigkeit Gelb zu zeigen, Guerrero und Sala bei deren Fouls an Sokratis bzw. Trybill aber nicht, war falsch. Auch die Entscheidung auf indirekten Freistoß (69.) für den HSV war zumindest zweifelhaft. Am Ende noch mit einigen ziemlich fragwürdigen Entscheidungen, nur zwei Minuten Nachspielzeit waren ein Witz.

Analyse: Bremen von der ersten Minute an sehr zurückhaltend, empfing den Gegner tief in der eigenen Hälfte. Forechecking oder Pressing gab es keines. Hamburg hatte dadurch fast durchgängig den Ball, wusste damit aber nur wenig anzufangen.

Der erste gelungene Konter der Bremer nach einem Ballverlust von Rincon und schwachem Abwehrverhalten von Rajkovic brachte die ebenso frühe wie überraschende Gästeführung. Das Tor brachte ein lebhaftes Spiel auf die Bahn, mit klaren Feldvorteilen für den HSV (knapp 70 Prozent Ballbesitz) und sehr guten Kontergelegenheiten für Werder.

Der HSV bekam gegen die dicht gestaffelten Gäste immer mehr Probleme im Spielvortrag und hatte bei Ballverlust oft ein überdimensional großes Loch im Mittelfeldzentrum, weil Jarolim die Lücke, die durch Rincons Abfallen auf die Linie der Abwehrkette zustande kam, nicht zulaufen konnte.

Bremen war in der Defensive im Umschaltverhalten stark, hatte bis auf eine brenzlige Szene bei Petric' Chance immer mindestens sechs Spieler hinter dem Ball, dazu arbeiteten die Halbpositionen im Mittelfeld stark nach hinten. Trybulls Treffer mit dem Pausenpfiff war fast schon die logische Konsequenz einer nach Anlaufschwierigkeiten ganz starken ersten Halbzeit.

HSV-Coach Fink reagierte und nahm den schwachen Rincon vom Feld. Ilicevic kam und rückte auf die rechte Seite, Sala dafür auf die Doppel-Sechs. Am Charakter der Partie änderte das wenig: der HSV rannte an, Werder konterte gefährlich.

Das Spiel wurde gegen Ende immer hektischer, auch weil der HSV zweimal einen von Bremen ins Aus gespielten Ball nicht zurückspielte und Wiese sich ein Privatduell mit Schiri Kinhöfer und den Fans leistete. Petric' Anschlusstreffer läutete eine hitzige Schlussphase ein. Bremen leistete sich zu viele Fouls in Strafraumnähe und schanzte den Gastgebern so immer wieder gute Möglichkeiten leichtfertig zu.

Erst die Koproduktion von Rajkovic und Westermann beendete alle Hamburger Träume von zumindest einem Punkt.

Hamburg - Bremen: Daten zum Spiel

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